Der Guinea-Wurm könnte nach den Pocken die zweite vom Menschen ausgerottete Krankheit werden; weltweit wurden im Jahr 2025 nur noch zehn Fälle gemeldet.
Im Jahr 2025 wurden weltweit nur zehn Fälle von Guinea-Wurm beim Menschen gemeldet. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen und ein wichtiger Schritt hin zur Ausrottung der Krankheit.
Das Carter Center, eine gemeinnützige Organisation aus den USA, die den weltweiten Kampf gegen die Guinea-Wurm-Krankheit anführt, veröffentlichte nun diese vorläufigen Zahlen. Der Parasit rückt damit näher daran, als zweite Krankheit in der Geschichte vollständig ausgerottet zu werden.
Drakunkulose, besser bekannt als Guinea-Wurm-Krankheit, ist eine parasitäre Erkrankung, die über verunreinigtes Trinkwasser übertragen wird.
Sie führt zu einer schmerzhaften Blase, aus der sich nach zehn bis vierzehn Monaten langsam ein Wurm herausbohrt, meist am Unterschenkel.
„Guinea-Wurm verursacht enormes Leid, und zwar nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Familien und ganze Gemeinden“, sagte Adam Weiss, Direktor des Guinea-Wurm-Ausrottungsprogramms des Carter Centers, nach der Bekanntgabe.
Er betonte, jede erkrankte Person habe etwas durchmachen müssen, das sich eigentlich vollständig hätte verhindern lassen.
„Die Fortschritte dieses Jahres geben uns Rückenwind, aber null ist die einzige akzeptable Zahl. Deshalb bleibt unser Einsatz, diese Aufgabe zu Ende zu bringen, unerschütterlich“, so Weiss weiter.
Im Jahr 1986, als das Carter Center seine Anstrengungen zur Ausrottung der Guinea-Wurm-Krankheit verstärkte, erkrankten Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 3,5 Millionen Menschen.
Eine Krankheit gilt erst dann als ausgerottet, wenn alle Länder der Welt als frei von Infektionen bei Menschen und Tieren zertifiziert sind, auch solche, in denen es nie bekannte Übertragungen gab.
Ein Land gilt offiziell als krankheitsfrei, wenn dort über mindestens drei aufeinanderfolgende Jahre kein einziger Fall bei Menschen oder Tieren gemeldet wird.
Bislang hat die Weltgesundheitsorganisation 200 Länder als frei von Guinea-Wurm zertifiziert. Nur noch sechs Staaten sind nicht anerkannt: Angola, Tschad, Äthiopien, Mali, Südsudan und Sudan.
Von den zehn vorläufig gemeldeten Fällen beim Menschen im Jahr 2025 traten zwei im Südsudan auf, jeweils vier im Tschad und in Äthiopien.
Angola, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik und Mali meldeten im zweiten Jahr in Folge keinen einzigen Fall beim Menschen.
Sauberes Wasser: der Schlüssel zur Ausrottung
Einen Impfstoff oder eine Heilung gegen Drakunkulose gibt es nicht. Deshalb spielen Vorbeugung und Überwachung eine zentrale Rolle für die heutigen Erfolge.
Die Weltgesundheitsorganisation setzt vor allem auf sicheren Zugang zu Wasser, etwa durch geschützte Brunnen und Bohrlöcher. Haushalte ohne sauberes Wasser erhalten Stoff- und Rohrfilter.
Erkrankte tauchen ihre Gliedmaßen zur Schmerzlinderung oft in Wasser. Dabei können Larven aus dem Wurm austreten, das Wasser verunreinigen und die Übertragung erneut in Gang setzen.
Andere Krankheiten stehen kurz vor der Ausrottung
Bisher gilt nur die Pockenkrankheit offiziell als ausgerottet. Mehrere vernachlässigte Tropenkrankheiten könnten jedoch bald folgen.
Neben Guinea-Wurm hat sich die Weltgesundheitsorganisation auch die Krankheit Yaws zum Ziel gesetzt und strebt ihre Ausrottung bis 2030 an.
Yaws ist eine bakterielle Infektion, die vor allem Kinder unter fünfzehn Jahren betrifft und sich durch den Kontakt mit offenen Wunden verbreitet. Einen Impfstoff gibt es nicht, die Krankheit lässt sich jedoch mit Antibiotika behandeln.
Im Jahr 2025 erkannte die WHO 136 Länder als frei von Übertragung an. Im Jahr 2020 war es erst ein einziges Land.