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Studie: Winzige Geigenkrabben saugen Mikroplastik auf und zersetzen es

Eine zusammengedrückte Winkerkrabbe auf der Insel Rinca in Indonesien.
Eine zusammengedrückte Winkerkrabbe auf der Insel Rinca in Indonesien. Copyright  Charles J. Sharp (Sharp Photography) via Wikimedia Commons
Copyright Charles J. Sharp (Sharp Photography) via Wikimedia Commons
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Sie sind kaum so groß wie ein Post-it-Zettel. Diese winzigen Winkerkrabben können Mikroplastik aufnehmen und abbauen, berichten Forschende.

Winzige Winkerkrabben spielen unbemerkt eine wichtige Rolle bei der Säuberung des Planeten: Sie saugen Mikroplastik auf.

Eine neue Studie, veröffentlicht im Fachjournal Global Change Biology, verfolgte eine Population von Winkerkrabben in einem stark verschmutzten Mangrovenwald an der Nordküste Kolumbiens. Die Tiere werden kaum breiter als ein Post-it.

Hier haben Jahre städtischer und landwirtschaftlicher Expansion die Mangrovensysteme geschädigt. Die Plastikbelastung gehört zu den höchsten, die weltweit dokumentiert wurden.

Trotzdem stellten die Forschenden fest, dass die Gliederfüßer dort gedeihen. Sie nehmen große Mengen kleinster Plastikpartikel aus dem Sediment auf und zerkleinern sie. Sie gelten als Ökosystemingenieure. Plastik bauen sie binnen weniger Tage ab, viel schneller als Sonnenlicht und Wellen.

Wie sich Winkerkrabben an Mikroplastik anpassen

Bisher zeigten Laborexperimente, dass Winkerkrabben Plastik aufnehmen. Diese Studie ist die erste ihrer Art im Freiland. Sie prüft, ob die Tiere Plastik meiden oder sich an dessen Anwesenheit anpassen.

Forschende der Universidad de Antioquia in Turbo und Medellín, der University of Exeter und des Corporation Center of Excellence in Marine Sciences (CEMarin) wählten fünf Parzellen von je einem Quadratmeter in städtischen Mangroven aus. Sie besprühten sie mit Lösungen zu je 100 ml, die Polyethylen-Mikrosphären enthielten. Diese winzigen Plastikkügelchen leuchten unter UV-Licht in leuchtenden Farben.

Sie wiederholten den Vorgang über 66 Tage und nahmen anschließend Bodenproben sowie Proben von 95 Krabben.

"Wir wollten wissen, wie sich die Mikrosphären auf die wichtigsten Organe verteilen und ob die Interaktion der Krabben mit ihnen zu einer physischen Zerkleinerung in kleinere Partikel führt", sagt Studienleiter Professor José M. Riascos.

Die Studie ergab, dass die Krabben Mikroplastikin einer 13-fach höheren Konzentration angereichert hatten als im Sediment. Die Partikel verteilten sich nicht gleichmäßig auf die Organe, am meisten fand sich im Enddarm.

Viele Partikel wurden dabei weiter zerkleinert. Das Team schließt daraus, dass der spezialisierte Mahlmagen zusammen mit plastikabbauenden Bakterien diesen Prozess unterstützt. Bei Weibchen fanden sie Fragmente häufiger als bei Männchen.

Schadet Mikroplastik den Winkerkrabben?

Die Forschenden warnen: Diese erstaunliche Fähigkeit könnte ihren Preis haben. Sie könnte schädliches Nanoplastik in ihrem Gewebe freisetzen und so in die Nahrungskette gelangen.

Das unterstreicht den Bedarf weiterer Untersuchungen. Sie sollen klären, ob die Mikroplastikfragmente die Gesundheit der Winkerkrabben beeinträchtigen und an ihre Fressfeinde weitergegeben werden.

Noch ist unklar, wie genau und wie stark Mikroplastik die Gesundheit beeinflusst. Mehrere Studien warnen jedoch vor möglichen Zusammenhängen mit schweren Problemen wie Krebs, Atemwegserkrankungen und Herzinfarkt.

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