Trump will große US-Konzerne beauftragen, Venezuelas Öl-Infrastruktur zu reparieren. Das trotz wachsender Forderungen nach dem Ende fossiler Energien.
Donald Trump wurde davor gewarnt, auf Venezuelas Ölreservenzuzugreifen, nachdem er Präsident Nicolás Maduro festgesetzt und mit weiteren Militärschlägen gedroht hat.
Die USA beanspruchen de facto die Kontrolle über das Land. Sie wollen sich „sehr stark“ in die Ölindustrie einmischen, die Trump als „Totalausfall“ beschreibt. Der US-Präsident sagte gestern, am Sonntag, dem vierten Januar, vor Reporterinnen und Reportern, er werde große US-Ölkonzerne schicken. Sie sollen „Milliarden Dollar“ investieren, die Öl-Infrastruktur reparieren und „wieder Geld für das Land verdienen“.
Trump sprach von einer zweiten Angriffswelle, falls die USA sie brauchen. Nach dem Erfolg der ersten Schläge könnte das jedoch nicht nötig sein.
Die Ankündigung löste heftigen Widerstand von NGOs weltweit aus. Umweltschützer nennen den Schritt rücksichtslos und gefährlich. Sie befeuert die Forderung nach einem gerechten Ausstieg aus fossilen Energien, um den Planeten zu schützen und Gemeinschaften beim Wechsel zu sauberer Energie zu unterstützen.
Warum hat Venezuela so viel Öl?
Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Rohölreserven der Welt: geschätzt 303 Milliarden Barrel (Bbbl). Es liegt damit vor Petrostaaten wie Saudi-Arabien und Iran mit 267,2 Bbbl bzw. 208,6 Bbbl.
Die tatsächliche Produktion ist im Vergleich klein. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist sie stark eingebrochen, weil die frühere Regierung die Kontrolle über den staatlichen Ölkonzern PDVSA verschärft hat.
Venezuelas extra-schweres Rohöl liegt vor allem im Orinoco-Gürtel. Wegen seiner dicken, hochviskosen Beschaffenheit ist die Förderung deutlich schwieriger und teurer als bei konventionellem Öl.
Westliche Ölunternehmen wie Chevron arbeiten weiterhin im Land, aber nur noch in kleinem Umfang. Grund sind die ausgeweiteten US-Sanktionen gegen Ölexporte. Sie wurden erstmals 2015 unter Präsident Obama wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen eingeführt und schnitten Venezuela von wichtigen Investitionen in die fossile Industrie ab, die für eine höhere Förderung nötig wären.
Was passiert, wenn die USA Venezuelas Ölindustrie umbauen?
Analysten erwarten, dass Trumps Plan die Öl-Infrastruktur belebt und die Produktion von derzeit rund 1,1 Millionen Bbbl verdoppelt oder verdreifacht – auf historische Werte. Trotz jahrelanger Vernachlässigung könnte das recht schnell gehen.
Würde Venezuela wieder zur Ölgroßmacht, könnten niedrigere Ölpreise langfristig gefestigt werden, sagt Phil Flynn von der Price Futures Group. Das würde den Druck auf Russland erhöhen, weil Europa und andere Regionen mehr Diesel und Schweröl aus Venezuela beziehen und weniger in Russland kaufen könnten.
Laut AP sind große Preissprünge jedoch nicht zu erwarten. Venezuela ist Mitglied der OPEC; seine Förderung ist dort eingepreist. Zudem gibt es derzeit ein Überangebot auf dem Weltmarkt.
Gleichzeitig wachsen die Forderungen, die Nutzung fossiler Energien zu beenden – erst recht, wenn die Ölförderung trotz steigender Erderwärmung weiter hochgefahren wird.
Ein gerechter Ausstieg aus fossilen Energien
Greenpeace International zeigt sich tief besorgt über die jüngsten illegalen Militäraktionen von Präsident Donald Trump. Die Rechte, die Sicherheit und die Interessen der Venezolanerinnen und Venezolaner müssten an erster Stelle stehen, heißt es.
„In einer Zeit sich beschleunigender Klimakollaps ist der Blick auf Venezuelas riesige Ölreserven in dieser Weise rücksichtslos und gefährlich“, sagt Mads Christensen, Geschäftsführer der Organisation.
„Der einzige sichere Weg ist ein gerechter Ausstieg aus fossilen Energien – einer, der Gesundheit schützt, Ökosysteme bewahrt und Gemeinschaften stärkt statt sie kurzfristigen Profiten zu opfern.“
Christensen rief die internationale Gemeinschaft auf, jetzt zu handeln und das Völkerrecht zu wahren, um weiteren Schaden zu verhindern. „Entscheidend ist: Staaten müssen Versuchen widerstehen, die Krise für eine Ausweitung fossiler Projekte auszunutzen, und stattdessen finanzielle, rechtliche und politische Unterstützung für einen gerechten Übergang mobilisieren, der den Menschen in Venezuela dient, nicht den Ölinteressen.“
Ein fossil befeuerter Krieg gegen Venezuela
Auch Oil Change International kritisiert Trumps Vorgehen. Es folge einem „historischen Drehbuch“, das Förderunternehmen begünstige.
„Die mächtigsten multinationalen Fossilkonzerne profitieren von diesen Aggressionen. US-Öl- und Gasfirmen stehen bereit, das Chaos auszunutzen und eines der ölreichsten Gebiete der Welt unter sich aufzuteilen“, sagt Elizabeth Bast, Geschäftsführerin der Organisation.
Bast forderte die USA auf, Lateinamerika nicht länger als „Rohstoffkolonie“ zu behandeln. Die Menschen in Venezuela müssten die Zukunft ihres Landes bestimmen, nicht Ölmanager.
Der größte Treiber der Klimakrise
Fossile Energieträger (Kohle, Öl und Gas) sind mit Abstand die größten Treiber der globalen Erderwärmung. Nach UN-Angaben verursachen sie rund 68 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und fast 90 Prozent der CO2-Emissionen.
Treibhausgase in der Atmosphäre halten die Wärme der Sonne fest. Die globale Temperatur liegt bereits um etwa 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau. Das führt zu mehr Extremwetter, Versauerung der Meere, Artenverlust und wachsender Unsicherheit bei der Ernährung weltweit.