Laut Prognosen könnten nur drei Sponsorenverträge für die Olympischen Spiele 2026 1,3 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursachen.
Die Olympischen Winterspiele 2026 stehen unter wachsendem Druck, „aufzuräumen“ und sich von drei umweltschädlichen Sponsoren zu trennen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Athletinnen und Athleten haben sich vor den Spielen zusammengetan. Sie wollen zeigen, wie Verträge mit Großkonzernen den CO2-Fußabdruck in die Höhe treiben. Die Spiele finden dieses Jahr in Italien statt.
Milan Cortina 2026 verteilt die Wettkämpfe über die Berge Norditaliens, viele davon liegen in den Dolomiten, einer Region, die durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät. Das Organisationskomitee plant, 2,4 Millionen Kubikmeter Kunstschnee zu produzieren. Dafür braucht es 948.000 Kubikmeter Wasser. Die steigenden Temperaturen lassen die Schneedecke schmelzen.
In den vergangenen fünf Jahren hat Italien Berichten zufolge 265 Skigebiete an steigende Temperaturen verloren, zudem ergab eine große Analyse im vergangenen Jahr, dass der Klimawandel Gebirgsregionen, darunter die Alpen, intensiver trifft als das Flachland.
Der CO2-Fußabdruck der Winterspiele 2026
Ein neuer Bericht mit dem Titel Olympics Torched, veröffentlicht von Scientists for Global Responsibility und dem New Weather Institute, beziffert die Emissionen der Spiele auf rund 930.000 Tonnen.
Die Forschenden warnen jedoch: Allein drei Sponsoringverträge könnten weitere 1,3 Millionen Tonnen verursachen. Damit würde der Gesamtfußabdruck fast auf das Zweieinhalbfache steigen.
In Summe würden Spiele und Sponsoring laut Schätzung etwa 5,5 Quadratkilometer an Schneedecke kosten. Das entspricht mehr als 3.000 Eishockeyflächen in olympischer Größe.
Als Haupttreiber gelten der Öl- und Gaskonzern Eni, der Autohersteller Stellantis und die nationale Fluglinie ITA Airways. Eni steht für mehr als die Hälfte der zusätzlichen Emissionen.
„Auch ohne die wachsende Fülle an Studien zur Wirkung der Erderhitzung auf den Wintersport sieht man in den Bergen: Die Schneedecke schwindet, Gletscher schmelzen“, sagt Stuart Parkinson, Direktor von Scientists for Global Responsibility.
„Der Bericht liefert weitere Belege: Er zeigt, dass der Wintersport selbst dazu beiträgt, direkt durch seine Emissionen und indirekt, indem er große Verschmutzer über Werbung und Sponsoring bewirbt. Gleichzeitig kann der Wintersport Teil der Lösung sein, indem er bei sich selbst aufräumt und schmutzige Sponsoren auslädt.“
Die bedrohte Zukunft des Wintersports
Der Bericht empfiehlt vor allem drei Schritte, um Emissionen zu senken: keine Sponsoren mit hohem CO2-Ausstoß, Verzicht auf neue Austragungsorte und Infrastruktur sowie deutlich weniger Anreisen per Flugzeug.
„Die Olympischen Spiele verursachen immer Emissionen. Sie zu senken muss Priorität haben“, sagt der schwedische Langläufer Björn Sandström. „Ihr größter Hebel ist aber das Signal, das sie an die Welt senden.
„Wenn dieses Signal von Sponsoring aus der fossilen Industrie geprägt ist, widerspricht es direkt der Klimawissenschaft und gefährdet die Zukunft des Wintersports.“
Die grönländische Biathletin Ukalew Slettermark, Winter-Olympionikin und frühere Junioren-Weltmeisterin, sagt, es sei nicht „vertretbar“, dass der Wintersport Ölkonzernen eine Bühne bietet, damit sie so wirken, als würden sie „positiv zur Gesellschaft beitragen“, obwohl das nicht der Fall ist.
„Das ist ein kompletter Widerspruch“, fügt sie hinzu. „Die fossile Industrie ist der größte Treiber der Klimakrise. Sie lässt Winter verschwinden und bedroht damit die Existenz des Wintersports.“
Euronews Green hat das Internationale Olympische Komitee um eine Stellungnahme gebeten.