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EU-Spitzenreiter beim Ökostrom: Portugal knackt die 80-Prozent-Marke

Windkraftanlagen in Portugal.
Windräder an der portugiesischen Atlantikküste drehen sich im kräftigen Meereswind. Copyright  Claire Bodry via Unsplash.
Copyright Claire Bodry via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In Portugal stammte der Strom im vergangenen Monat größtenteils aus Wasser- und Windkraft, wie ein aktueller Bericht zeigt.

Portugal steht dank kräftiger Zuwächse bei Wasser- und Windkraft an der EU-Spitze bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

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Nach Angaben des portugiesischen Verbands für erneuerbare Energien (APREN) stammten im Januar 2026 beeindruckende 80,7 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Es ist der beste Wert seit neun Monaten, seit ein massiver Blackout in Portugal landesweit Chaos ausgelöst hat. Im gesamteuropäischen Vergleich schiebt sich das Land damit auf Rang zwei. Das nicht zur EU gehörende Norwegen liegt mit 96,3 Prozent Ökostrom an der Spitze, Dänemark fällt mit 78,8 Prozent* auf Platz drei zurück.

Portugal liegt im Rennen um erneuerbare Energien vorn

Den größten Anteil an der portugiesischen Stromproduktion hatte Wasserkraft mit 36,8 Prozent. Fast gleichauf lag Windenergie mit 35,2 Prozent, Photovoltaik kam auf 4,4 Prozent.

Insgesamt gab es 210 nicht aufeinanderfolgende Stunden, in denen die erneuerbaren Quellen den gesamten nationalen Stromverbrauch decken konnten.

Nach Angaben von APREN sparte der Einsatz dieser Quellen im Vergleich zu einer Stromerzeugung in Gaskraftwerken schätzungsweise 703 Millionen Euro ein.

Schützt grüne Energie vor einem neuen Megastromausfall?

Im vergangenen Jahr stürzte ein beispielloser Stromausfall große Teile der Iberischen Halbinsel ins Chaos und ließ rund 60 Millionen Menschen ohne Strom zurück.

Am 28. April legte ein vollständiger Ausfall der Stromversorgung U-Bahnen, Ampeln, Mobilfunknetze und Notrufsysteme in Portugal und Spanien lahm, ließ Tausende stranden und brachte Unternehmen zum Stillstand. Inzwischen gilt das Ereignis als „bedeutendstes Stromsystemereignis“ in Europa seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Rund 15 Gigawatt (GW) an Erzeugungskapazität – das entsprach damals etwa 60 Prozent der Stromnachfrage Spaniens – brachen innerhalb von nur fünf Sekunden aus dem Netz weg. Es dauerte mehr als zwölf Stunden, bis in beiden Ländern der größte Teil der Stromversorgung wiederhergestellt war, und mindestens vier Menschen verloren ihr Leben.

Zwei Eltern und ihr erwachsener Sohn sollen an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben sein, nachdem sie beim Blackout ein Notstromaggregat benutzt hatten.

Der flächendeckende Ausfall nährte fragwürdige Behauptungen zur grünen Energiewende der EU, viele Medien gaben erneuerbare Energien und das Ziel „Netto null“ für den Blackout verantwortlich.

Eine offizielle Untersuchung kam jedoch zu einem anderen Ergebnis: Sie machte Fehler in konventionellen Kraftwerken und „mangelhafte Planung“ durch den Netzbetreiber verantwortlich.

Fachleute sehen die eigentliche Ursache in einer „kaskadierenden Überspannung“. Ein erster Spannungssprung löst weitere aus, die sich wie eine Kettenreaktion durch das Netz fortsetzen. Vereinfacht gesagt fehlte dem Netz die Fähigkeit, das System automatisch neu zu starten.

Rana Adib, geschäftsführende Direktorin des Netzwerks Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21), nennt den Blackout auf der Iberischen Halbinsel einen Weckruf, die Modernisierung des bestehenden Netzes zu beschleunigen.

„Mit dem Wachstum der erneuerbaren Energien muss auch die Widerstandsfähigkeit der Systeme zunehmen“, ergänzt Adib. „Dazu braucht es eine ganzheitliche Planung von Erzeugung, Infrastruktur, Flexibilität und Verbrauch – und von Anfang an eine enge Zusammenarbeit aller relevanten Akteure.“

Kann Europas Stromnetz mit dem Boom grüner Energie Schritt halten?

Laut einem Bericht des Energieberaters Aurora aus dem Jahr 2025 entwickelt sich das europäische Stromnetz zunehmend zum „Nadelöhr“ auf dem Weg zur Klimaneutralität, weil Investitionen fehlen. Die Europäische Kommission schätzt, dass bis 2030 Investitionen in die Stromnetze in Höhe von 584 Milliarden Euro nötig sind, um die Ziele zu erreichen.

Das Übertragungs- und Verteilnetz bringt Strom zu Haushalten und Unternehmen. Es wurde jedoch ursprünglich für große, zentrale fossile Kraftwerke geschaffen, nicht für Solar- und Windparks, die häufig in abgelegenen Regionen stehen.

Die EU hat deshalb weniger ein Problem mit der Erzeugung grüner Energie als mit deren Transport. In Großbritannien müssen Windräder bei überlastetem Netz regelmäßig abgeschaltet werden, was wertvolle Energie ungenutzt lässt. In Polen ging wiederholt Strom aus Solaranlagen verloren.

*Basis sind die von APREN ausgewerteten europäischen Strommärkte.

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