Ein rascher Ausstieg aus fossilen Energien könnte helfen, die Weltuntergangsuhr zu bremsen. Sie rückt immer näher an Mitternacht.
Die Weltuntergangsuhr ist erneut vorgerückt. Die Welt rückt einer globalen Katastrophe näher – befeuert von Atomwaffen, Desinformation und Klimawandel.
Die Weltuntergangsuhr wird vom gemeinnützigen Bulletin of the Atomic Scientists herausgegeben. Ins Leben gerufen wurde sie 1945 von Albert Einstein und J. Robert Oppenheimer – nach der Entwicklung der Atombombe.
Sie dient als eindringliches Bild für die Risiken menschengemachter Technologien. Mitternacht steht für die Apokalypse.
Im vergangenen Jahr warnte das Bulletin, die Erde sei „gefährlich nahe“ an einer allgemeinen Katastrophe. Doch statt die Warnung ernst zu nehmen, treten mächtige Staaten wie Russland, China und die USA zunehmend aggressiv und nationalistisch auf.
Die Weltuntergangsuhr wird jährlich neu eingestellt. Zu Beginn stand sie auf sieben Minuten vor Mitternacht und wurde achtmal zurückgestellt. Jetzt sind es nur noch 85 Sekunden bis Mitternacht.
Wie der Klimawandel uns dem „Weltuntergang“ näher bringt
Im vergangenen Jahr erreichte die globale CO₂-Konzentration einen neuen Höchststand – rund 150 Prozent über dem vorindustriellen Niveau. Diese wärmespeichernden Gase treiben die Temperaturen nach oben und bringen die kritischen Kipppunkte des Planeten an ihre Grenzen.
2025 war weltweit das drittwärmste Jahr und markierte erstmals eine Drei-Jahres-Phase, in der die Temperaturen die Marke von 1,5 Grad aus dem Pariser Abkommen überschritten. In Europa überzogen Hitzewellen den Kontinent, fachten tödliche Waldbrände an und setzten die Menschen einer ganzen Serie extremer Temperaturen aus.
Analysen des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine zeigen: 68 Prozent der geschätzten 24.400 Hitzetoten des vergangenen Sommers gehen darauf zurück, dass der Klimawandel die Temperaturen um bis zu 3,6 Grad steigen ließ.
Mit jedem Anstieg der Lufttemperatur um ein Grad kann die Atmosphäre etwa sieben Prozent mehr Feuchtigkeit speichern. Das begünstigt heftigere Starkregen. Das ist mit ein Grund, warum im vergangenen Herbst in Asien nach überlappenden Monsunen Tausende starben.
Sturzfluten zerstörten Hunderte Häuser und verwandelten Straßen in Schlammströme – und machten die langfristigen Folgen der Abholzung sichtbar.
In Indonesien wurden zwischen 2016 und 2025 in Aceh, Nord-Sumatra und West-Sumatra rund 1,4 Millionen Hektar Wald gerodet. Diese Wälder dienten zuvor als natürlicher Schutz vor Überschwemmungen: Sie saugten überschüssiges Wasser auf und verringerten den Abfluss. Ohne sie kommt das Land mit extremem Regen kaum noch zurecht.
Obwohl 2025 von extremen Wetterereignissen geprägt war, wurde der Ausstieg aus fossilen Energien beim COP30-Gipfel in Belém ausgebremst. Ein Fahrplan für den Übergang zu sauberer Energie stand zwar nicht offiziell auf der Agenda, gewann in den Gesprächen aber rasch an Unterstützung.
Mehr als 90 Länder, darunter das Vereinigte Königreich, Deutschland und die Niederlande, unterstützten die Idee eines Fahrplans, der jedem Staat eigene Ziele für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen erlaubt. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva machte ebenfalls Druck und rief die Welt dazu auf, „endlich darüber nachzudenken, wie man ohne fossile Energien leben kann“.
Doch in den letzten Stunden des Gipfels verschwanden alle Verweise auf fossile Energien aus dem Abschlusstext. Carbon Majors stellte fest, dass 17 der 20 größten Emittenten im Jahr 2024 Unternehmen waren, die von Staaten kontrolliert werden, die den Fahrplan anschließend blockierten. Dazu gehören Saudi-Arabien, Russland, China, Indien, Irak, Iran und Katar.
„Die nationalen und internationalen Antworten auf den Klimanotstand sind von völlig unzureichend zu zutiefst zerstörerisch geworden“, heißt es im Bulletin.
„Keiner der letzten drei UN-Klimagipfel hat den Ausstieg aus fossilen Energien oder die Überwachung der CO₂-Emissionen in den Mittelpunkt gestellt. In den USA hat die Trump-Regierung faktisch den Krieg gegen erneuerbare Energien und vernünftige Klimapolitik erklärt und nationale Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels gnadenlos ausgehöhlt.“
Können erneuerbare Energien die Weltuntergangsuhr stoppen?
Auch wenn die Zeiger der Weltuntergangsuhr näher an Mitternacht rücken, gibt es einen Funken Hoffnung. Dem Bulletin zufolge ließe sich die Menschheit vom Abgrund zurückholen, wenn der US-Kongress Trumps Krieg gegen erneuerbare Energien zurückweist.
Es plädiert dafür, mit „Anreizen und Investitionen“ den Einsatz fossiler Energien zügig zu senken.
Nur mit dem Ausbau grüner Energien und weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen lassen sich die Klimaziele erreichen. Laut UN sind fossile Energieträger mit Abstand der größte Treiber der weltweiten Erderwärmung.
Sie verursachen rund 68 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen und fast 90 Prozent aller CO₂-Emissionen.
Es gibt auch Lichtblicke: 2025 markierte einen wichtigen Meilenstein für erneuerbare Energien in Europa. Im vergangenen Jahr erzeugten Wind und Sonne erstmals mehr EU-Strom als fossile Energien.
Ein Bericht des Energiethinktanks Ember zeigt: In den vergangenen fünf Jahren sank der Anteil fossiler Stromerzeugung am EU-Strommix von 36,7 auf 29 Prozent. Zugleich stiegen Wind und Solar zusammen auf 30 Prozent – obwohl die Windkraft im Vergleich zu 2024 zurückging.
Zehn europäische Länder, darunter Belgien, Norwegen und das Vereinigte Königreich, sagten zudem 9,5 Milliarden Euro zu, um die Nordsee zum „größten sauberen Energiereservoir“ der Welt zu machen. Bis 2050 sollen damit rund 143 Millionen Haushalte versorgt werden. Geplant sind Offshore-Windparks, die über Multi-Purpose-Interconnectors (MPIs) direkt mehrere Länder verbinden.
Dennoch will Trump fossile Energien pushen und setzt seine scharfen Attacken auf Erneuerbare fort. Nach dem Versprechen, seine „drill, baby, drill“-Mentalität auf Venezuelas große Ölvorkommen zu übertragen, hat der US-Präsident bereits alle US-Pachtverträge für Offshore-Windprojekte ausgesetzt. Der Kurs gerät jedoch ins Wanken: Ein Bundesrichter entschied am Dienstag, dass ein nahezu fertiggestelltes Offshore-Windprojekt in Massachusetts weitergehen darf.
In Davos bezeichnete Trump Länder mit Windrädern vergangene Woche als „Verlierer“ – und behauptete allen Ernstes, China investiere nicht in Erneuerbare, obwohl dort der weltweit größte Windpark steht.