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Baumkronenbrücken und Verbot von Hundefutter: Wie retten wir das Buschbaby?

Galagos lugen aus ihrer Tür und machen sich fertig für die Nacht.
Galagos spähen durch ihre Tür und machen sich bereit für ihren nächtlichen Streifzug. Copyright  Hendrik Prinsloo via Unsplash.
Copyright Hendrik Prinsloo via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Buschbabys, einst weit verbreitet, werden immer seltener. Forschende sehen jedoch zwei zentrale Schutzmaßnahmen, die Bestände wieder wachsen lassen könnten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler plädieren für den Bau sogenannter „Canopy Bridges“, also Baumkronenbrücken. Sie sollen den Beständen der Buschbabys helfen, sich von den Folgen der Abholzung zu erholen.

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Mit ihren großen runden Augen und spitzen Ohren sind Buschbabys unverwechselbar. Früher waren sie in Südafrika überall zu sehen. Dort galten sie als notorische Eindringlinge, die sich in Städte schlichen, Tierfutter aus Näpfen stahlen und auf Safari-Touristen hofften, die ihnen Essensreste zustecken.

Doch die Forschenden Frank Cuozzo und Michelle Sauther, die im Jahr zweitausendzwölf erstmals nach Südafrika reisten, um den „ungewöhnlichen“ Primaten zu studieren, beobachten seit einiger Zeit eine beunruhigende Entwicklung. Immer häufiger stoßen sie auf tote Buschbabys, überfahren auf Straßen oder von Hunden zerfleischt.

Warum gelten Buschbabys inzwischen als „potenziell gefährdet“?

Im Januar zweitausendsechsundzwanzig stufte die Naturschutzorganisation Endangered Wildlife Trust (EWT) das Dickschwanz-Buschbaby von der Kategorie „nicht gefährdet“ auf „potenziell gefährdet“ hoch. Diese Einstufung ist zwar weniger dramatisch als „stark gefährdet“, doch Forschende sehen darin ein deutliches Signal: Die Bestände schrumpfen vermutlich in alarmierendem Tempo.

„Menschliche Bedrohungen gibt es überall, für alle Arten“, sagt Cuozzo, Wissenschaftler am Lajuma Research Center in Südafrika.

„Aber wir können inzwischen belegen, dass die Gefahren für Buschbabys durch den Menschen zunehmen – etwa Abholzung und der Verlust ihres Lebensraums.“

Dickschwanz-Buschbabys verbringen den Großteil ihres Lebens in den Bäumen und ernähren sich von Akazienharz. Da Menschen jedoch großflächig Wälder für Landwirtschaft und Vorstadtsiedlungen roden, dringen die Tiere auf der Suche nach Nahrung immer häufiger in Wohngebiete vor.

Mit Hilfe von Satellitenbildern berechneten Forschende, dass die Lebensräume der Primaten pro Jahrzehnt um rund 3,6 Prozent schrumpfen. Das ist ein schnellerer Verlust als im Durchschnitt der natürlichen Flächen der Region.

In einem Gebiet rund 200 Kilometer nördlich von Pretoria in Südafrika sind Buschbabys offenbar verschwunden. Dort sorgte ein flussaufwärts gebauter Staudamm dafür, dass ihr Lieblingswald austrocknete.

Frühere Studien zeigen zudem, dass der illegale Heimtierhandel, der Straßenverkehr und Hundeangriffe Buschbabys in Südafrika womöglich weit stärker zusetzen, als Fachleute zunächst annahmen.

Können Baumkronenbrücken den Buschbabys helfen?

Cuozzo und Sauther raten Anwohnerinnen und Anwohnern inzwischen, keine Primaten zu füttern und nachts kein Tierfutter draußen stehen zu lassen. So sollen Buschbabys davon abgehalten werden, in Siedlungen vorzudringen, wo sie noch stärker gefährdet sind.

Um die vielen Verkehrsopfer zu vermeiden, werben die Forschenden nun für „Canopy Bridges“. Über diese seilbasierten Übergänge können Buschbabys Straßen überqueren, ohne von Autos erfasst zu werden.

Solche Baumkronenbrücken gibt es bereits weltweit, auch tief im Amazonasgebiet. Sie sollen Arten schützen und ihren Kontakt mit von Menschen gebauter Infrastruktur wie Straßen verringern.

Der WWF bezeichnet Baumkronenbrücken als „zentrale Ausgleichsmaßnahme“ für Wildtiere wie Stachelschweine, Faultiere und Affen, deren Lebensräume durch „lineare Infrastruktur“ zerschnitten wurden.

„Schon eine einzige Straße kann ein Tier von Unterschlupf, Nahrungsquellen und möglichen Partnern abschneiden, seinen Alltag massiv beeinträchtigen und eine Art in getrennte Teilpopulationen spalten – mit Folgen für die genetische Vielfalt“, erklärt die Organisation.

Die Forschenden betonen jedoch, dass für den Naturschutz „so wenig Geld“ zur Verfügung steht. Selbst der Bau einer einfachen Baumkronenbrücke zieht sich deshalb oft in die Länge.

„Je mehr wir über ein Tier wissen, desto zielgerichteter können wir diese Mittel einsetzen“, fügen sie hinzu.

Ohne ein Ende der Abholzung droht das Dickschwanz-Buschbaby letztlich immer näher an den Rand des Aussterbens zu rücken.

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