Im Kolosseum in Rom ist die Restaurierung des sagenumwobenen antiken Geheimgangs der Kaiser, der den inneren mit dem äußeren Teil der Arena verbindet, abgeschlossen. Sie gilt in Italien als Musterbeispiel für den Einsatz von EU-Geldern im Bereich Archäologie und Kultur.
Der Geheimgang der römischen Kaiser, die sogenannte Commodus-Passage (passaggio di Commodo) ist ein Tunnel unter dem Kolosseum in Rom. Er verbindet die einst für die hohen Hierarchien des Römischen Reiches reservierten Logen mit dem Außenbereich des Monuments.
Die Commodus-Passage war beim Bau des Kolosseums eigentlich nicht vorgesehen und wurde später, zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr., durch das Aushöhlen der Fundamente errichtet. Sie ist nach dem Kaiser Commodus (180-192 n. Chr.) benannt.
Seit dem vergangenen Oktober ist der Geheimgang nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten für die Öffentlichkeit zugänglich.
EU-Mittel machen Geheimgang der Öffentlichkeit zugänglich
Das Projekt ist auch ein konkretes Beispiel für den Einsatz von EU-Geldern zur Verbesserung des Zugangs zu Kulturstätten, damit auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Passage erkunden können. Ein Ziel, das dank der Kombination verschiedener Finanzierungsformen erreicht wurde.
Dabei wurden Gelder aus dem Nationalen Plan für Aufbau und Resilienz (PNRR) eingesetzt. Darin bestimmt der italienische Staat den Einsatz von Mitteln, die von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt werden.
"Die Integration der finanziellen Mittel des Archäologischen Parks des Kolosseums für die Restaurierung und Wiedereröffnung des gesamten Korridors der Commodus-Passage war mit 160.000 Euro aus PNRR-Mitteln besonders erfolgreich", sagtArchitektin Barbara Nazzaro, die zuständige technische Leiterin des Kolosseums**,** im Gespräch mit Euronews.
"So konnten architektonische Barrieren überwunden werden, indem eine Treppe gebaut wurde, die wir gerne als 'magisch' bezeichnen, weil sie zu einer Plattform wird und den Abstieg in dieses untere Stockwerk ermöglicht".
Nach komplexer Restaurierung sind neue Arbeiten sind geplant
Der nach dem Bau des flavischen Amphitheaters an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n. Chr. errichtete und im 19. Jahrhundert entdeckte Geheimgang garantierte die Privatsphäre des Kaisers. Bei den komplizierten unterirdischen Renovierungsarbeiten wurden Artefakte von großem archäologischem Wert restauriert.
Die mit Marmor verkleideten Wände waren später durch Gips ersetzt worden, der mit Landschaftsmotiven bemalt war. In den Nischen am Eingang der Passage sind die Reste von Szenen aus der Arena zu sehen.
Da die ursprünglichen Gewölbe nicht mehr vorhanden sind, wurde im Rahmen des Restaurierungsprojekts eine stimmungsvolle Beleuchtung eingesetzt, die den Raum aufwertet, ohne seine historische Integrität zu beeinträchtigen.
Das gesamte Restaurierungsprojekt ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Es ist bereits eine zweite Baustelle geplant, die einen neuen Teil des Ganges betreffen wird, der derzeit nicht zugänglich ist.
"Die neuen Restaurierungsarbeiten werden es uns ermöglichen, weitere sehr wichtige Stuck- und Freskenfragmente zu bergen, die ebenfalls mit ihren Verzierungen erhalten geblieben sind", erklärt Barbara Nazzaro Euronews.
Zehn von der EU finanzierte Projekte
Für die Aufwertung des Palatins sind insgesamt zehn Projekte geplant, die Teil des mithilfe des PNRR finanzierten Plans Caput Mundi sind. Damit werden die archäologischen Stätten, historischen Gärten, Parks und innovative touristischen Routen erneuert.
Die kürzliche Eröffnung des Hauses der Greifen ist Teil dieses Projekts mit dem Ziel, so erklärt die Direktorin der Abteilung für die Aufwertung des kulturellen Erbes des Kulturministeriums Alfonsina Russo, "geheime Orte für die Öffentlichkeit zu öffnen".
Dazu gehört die Schola Praeconum, die im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Ein Gebäude an den südlichen Hängen des Palatin, in dem einst diejenigen wohnten, die den Zirkus pompae ankündigten.
Aber auch die Kerker der Heiligen Anastasia unter der Palatinbasilika und die geheimen Räume der Domus Tiberianae werden restauriert. Dazu gehört auch die Coenatio Rotunda auf dem Barberini-Weinberg, bei der es sich einigen Quellen zufolge um den berühmten drehbaren Speisesaal handeln könnte, der mit Neros Domus Aurea verbunden ist.
"Alle diese Arbeiten haben bereits begonnen", erklärt Russo, "und sollten in diesem Jahr nach dem Zeitplan der PNRR abgeschlossen werden".
Der Eintritt ins Kolosseum in Rom kostet 18 Euro.