Ein Jahrhundert lang war das „Haus der Greifen“ auf dem Palatin für Besucher tabu, weil die Anlage zu fragil und schwer zu konservieren war. Ab März nächsten Jahres öffnet eine der ältesten und best erhaltenen römischen Domus erstmals wieder für die Öffentlichkeit.
Das Haus der Greifen ist eine römische Stadtvilla aus der Zeit der Republik. Sie liegt auf dem Palatin, also in unmittelbarer Nähe des Kolosseums in Rom. Die Domus wurde zwar schon 1912 entdeckt, blieb aber lange ein Geheimtipp: Wegen ihrer empfindlichen Fresken und der schwierigen Konservierung war sie mehr als ein Jahrhundert nicht für Besucher zugänglich.
Ab März diesen Jahres soll sich das ändern. Dann wird die antike Residenz, die auf das späte 2. bis mittlere 1. Jahrhundert vor Christus datiert wird, erstmals wieder für die Öffentlichkeit öffnen. Möglich wird das über ein Ticketmodell: Wer den Archäologischen Park des Kolosseums besucht, kann gegen einen Aufpreis auch das Haus der Greifen besichtigen.
Trotz späterer Umbauten und langer Leerstände gilt die Anlage heute als eines der am besten erhaltenen Beispiele für ein privates Wohnhaus aus republikanischer Zeit. „Es ist das älteste Haus dieser Epoche, das bislang nachgewiesen ist“, sagte die Archäologin Paola Quaranta im Gespräch mit Euronews. Besonders bemerkenswert seien die gut erhaltenen Dekorationen, sowohl an Böden als auch an Wänden.
Wer die luxuriöse, mehrstöckige Anlage ursprünglich besaß, ist unklar. Die Wohnfläche liegt bei über 1.000 Quadratmetern. Quaranta zufolge könnte es ein wohlhabender Senator oder eine andere einflussreiche Persönlichkeit der damaligen Zeit gewesen sein.
Führung „in Echtzeit“ – ohne die Räume zu betreten
Der Zugang soll über eine besondere Form der Führung erfolgen. Besucher werden das Haus nicht direkt betreten, sondern die Besichtigung wird aus der Nähe angeleitet und begleitet, um die empfindlichen Strukturen zu schützen. Ein Guide erklärt die Räume, ihre Funktionen und die Dekoration. Multimediale Elemente sollen dabei helfen, das ursprüngliche Aussehen der Innenräume zu rekonstruieren.
So können Gäste Details und Fundstücke aus nächster Nähe sehen, ohne die Oberflächen zu belasten. Ziel ist es, die Auswirkungen auf Fresken und Bausubstanz so gering wie möglich zu halten.
Restaurierung mit Fördermitteln
Die konservierende Restaurierung soll im Dezember 2024 abgeschlossen sein. Finanziert wird sie über Mittel aus Italiens PNRR – dem nationalen Aufbau- und Resilienzplan, der unter anderem Projekte zum Schutz und zur besseren Zugänglichkeit von Kulturerbe unterstützt.
Das Haus der Greifen ist eines von mehreren Vorhaben im Programm „Caput Mundi“, das römische Kulturstätten modernisieren und zugleich erhalten soll. Quaranta sagt: Durch Multimedia-Technik könne man das frühere Aussehen des Hauses besser nachvollziehen und mehr über den Alltag in der antiken Villa erfahren.
Einen klassischen Rundgang „wie in einem Museum“ wird es aber vorerst nicht geben. Das liegt nicht nur an den empfindlichen Fresken, sondern auch an der Zugänglichkeit: Der einzige Weg hinunter führt über eine sehr steile, originale Treppe – alternative Wege gibt es derzeit nicht.