Mehr als 80 Jahre galten sie als verschollen, nun tauchten Fotos der Hinrichtung von 200 Griechen in Kaisariani ausgerechnet bei eBay auf. Die Bilder lösen in Griechenland Entsetzen aus und befeuern Forderungen, die Auktion zu stoppen und die Dokumente in Staatsbesitz zu bringen.
Die Veröffentlichung von Fotos der Hinrichtung von 200 Griechen durch die Nazis am 1. Mai 1944 hat in Griechenland große Aufmerksamkeit ausgelöst. Die Aufnahmen gelten nach ersten Einschätzungen als authentisch – und haben starke Emotionen sowie politische Reaktionen hervorgerufen.
Es handelt sich um Bilder der Erschießung griechischer Widerstandskämpfer auf dem Schießplatz von Kaisariani. Von dieser Hinrichtung war bislang kein Foto bekannt. Nun tauchten mehrere Aufnahmen aus der Zeit auf – ausgerechnet, weil sie bei eBay zur Versteigerung angeboten wurden.
Entdeckt wurden die Fotos von der Facebook-Gruppe "Greece at WWII Archives", die regelmäßig Dokumente und vor allem Bilder aus Griechenland während des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht. Die Gruppe machte den Fund öffentlich und teilte die Aufnahmen.
Appelle zum Kauf durch den griechischen Staat
Kurz nach der Veröffentlichung folgten politische Reaktionen. Der ehemalige Ministerpräsident Alexis Tsipras forderte in einem Brief an den Präsidenten des griechischen Parlaments, dass das Parlament die Fotos ankaufen solle.
Unter anderem schrieb er: "Ich erlaube mir daher, Ihnen vorzuschlagen, dass die Parlamentsstiftung diese Fotos als Tribut an den Widerstand und seine Toten, aber auch als Zeugnis für den Heroismus, mit dem das griechische Volk den Schrecken der Nazi-Besatzung begegnet ist, ankauft. Ich bin der Meinung – und ich bin mir sicher, dass Sie und jeder Grieche –, dass die letzten Momente der griechischen Patrioten, die Darstellung der Tragödie und ihres Mutes, nicht gehandelt werden sollten, sondern in den Besitz des Parlaments und des Landes übergehen sollten."
Auch der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Dimitris Koutsoumbas, wandte sich in einem Brief an den Parlamentspräsidenten sowie die Minister für Inneres und Kultur. Darin bezeichnete er die Bilder als "historische Dokumente von unschätzbarem Wert". Sie zeigten "die letzten Momente der 200 Kommunisten vor ihrer Hinrichtung durch die Nazibesatzer in Kaisariani am 1. Mai 1944" und seien Belege für NS-Kriegsverbrechen in Griechenland.
Koutsoumbas forderte, die Fotos dürften "nicht in den Handel, in Privatsammlungen und auf Auktionen mit ungewissem Ausgang" geraten. Stattdessen müssten sie nach Griechenland zurückkehren – und das Parlament solle "alle notwendigen rechtlichen und sonstigen Maßnahmen ergreifen", um die Versteigerung zu stoppen und die Dokumente in den Besitz des griechischen Staates zu bringen.