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Charli xcx und "Brat" erobern die Berlinale - Was steckt hinter den giftgrünen Plakaten?

"The Moment" auf der Berlinale: So viel Brat steckt in Ihnen
"The Moment" auf der Berlinale: So viel Brat steckt in Ihnen Copyright  AP Photo
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Von Sonja Issel & Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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"Frech sein, nur sich selbst gefallen", das halten die Fans von Sängerin Charli xcx für "brat". Dieser popkulturelle Trend aus dem vergangenen Sommer wird nun auf der Berlinale inszeniert und hinterfragt. In der Mockumentary "The Moment" spielt sie selbst die Hauptrolle.

Eigentlich ist bei der Berlinale alles rot und gold - der Goldene Bär, der rote Teppich, das rote Logo. Doch inmitten dieser vertrauten Festivalfarben mischt sich in diesem Jahr ein grelles Giftgrün - es wird "brat".

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"brat" ist der Name des wohl bekanntesten Albums der britischen Sängerin Charli xcx. Der Begriff steht jedoch längst für mehr als nur Musik: für eine Haltung, ein Lebensgefühl, eine Ästhetik zwischen Selbstermächtigung und kalkulierter Provokation.

Was dieses popkulturelle Phänomen auf der Berlinale zu suchen hat - und was "brat" eigentlich bedeutet.

Der Film "The Moment"

Charli xcx - bürgerlich Charlotte Emma Aitchison - steht normalerweise auf den großen Bühnen der Welt. Nun ist sie auf der Kinoleinwand zu sehen: Auf der diesjährigen Berlinale stellte die 33-Jährige ihr Filmdebut "The Moment" vor. Die Mockumentary erzählt von den Höhen und Tiefen des Erfolgs, vom Druck permanenter Erwartungen und von Selbstinszenierung - und vom Phänomen "brat".

Regisseur Aidan Zamiri zeigt die 33-Jährige dabei so persönlich wie bisher noch nie. Zwischen Pop-Mythos und Selbstbefragung entsteht das Porträt einer Künstlerin, die ihren eigenen Hype seziert.

"brat" ist giftgrün - und mehr als nur das Cover eines Albums. Der Regisseur Aidan Zamiri hat sogar einen Brat-Berlinale-Anstecker.
"brat" ist giftgrün - und mehr als nur das Cover eines Albums. Der Regisseur Aidan Zamiri hat sogar einen Brat-Berlinale-Anstecker. AP Photo

"The Moment" ist als Mockumentary angelegt - ein Dokumentarfilm, der mit den Mitteln der Fiktion spielt und sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Charli xcx übernimmt die Hauptrolle und spielt sich selbst. Die Grenzen zwischen Dokumentarischem und Inszeniertem verschwimmen bewusst. Der rund 100-minütige Film gewährt Einblicke hinter die Kulissen - und in Abgründe. Satirisch, überzeichnet, zugleich überraschend ernst.

Dabei verarbeitet sie auch, was "brat" für ihre Karriere bedeutet hat: einen globalen Höhenflug. Musik veröffentlicht sie bereits seit 2008. 2014 gelang ihr mit "Fancy" der internationale Durchbruch. 2023 war sie dann sogar Teil des Soundtracks zum Kinofilm "Barbie", der weltweit zum Kassenerfolg wurde und einen Sommer lang die Popkultur dominierte.

Doch im darauffolgenden Sommer war sie selbst das Gesprächsthema. Ihr Album "Brat" prägte einen eigenen "Brat Summer" - ein popkulturelles Schlagwort, das für manche so identitätsstiftend wurde, dass sie es sich sogar tätowieren ließen.

Was bedeutet "brat"?

Doch was ist eigentlich "brat"? Euronews hat sich unter den Fans umgehört.

Für viele ist es eine Haltung. "Frech sein, anecken, sich selber gefallen und gleichzeitig niemandem gefallen wollen“, sagt eine Besucherin des Films. Eine andere verbindet damit vor allem Freiheit: "Frei sein, wild sein [...] Ich verbinde es auch sehr mit Sommer und dem Lebensgefühl, dass man alles machen darf, worauf man Bock hat".

Fans warten auf Charlie XCX, den Star ihres eigenen Films: "The Moment".
Fans warten auf Charlie XCX, den Star ihres eigenen Films: "The Moment". AP Photo

Wieder andere beschreiben "brat" als bewusste Überzeichnung - zwischen Eskapismus und Ironie. Es gehe darum, "den letzten Moment einer langsam untergehenden Menschheit zu genießen - also extrem deprimierend und zugleich sehr ironisch", meint ein Fan.

Zwischen Trotz, Sommerfantasie und Endzeitgefühl wird deutlich: "brat" ist weniger ein klar definierter Begriff als eine Projektionsfläche.

Aufmerksamkeit als härteste Währung

Im Film selbst schlägt "brat" auch leisere, dunklere Töne an. Zwischen Selbstinszenierung und Dauerpräsenz wächst das Gefühl, sich selbst zu verlieren - und mitunter auch die Kontrolle über die eigene Kunst. Der Hype, der eben noch beflügelt, wirkt plötzlich wie ein Mechanismus, der sich verselbstständigt.

Bei der Pressekonferenz sprach Charli xcx selbst von diesem Moment des Kontrollverlusts. Wenn Kunst ein breites Publikum erreiche - "in meinem Fall das breiteste Publikum, das ich je erreicht hatte" - dann begännen die Meinungen dieses Publikums auf das Werk einzuwirken. Es verwandle sich, seine Bedeutung verschiebe sich. Mit dem Erfolg komme so auch "dieses Gefühl, die Kontrolle über etwas zu verlieren, über das ich so lange die Kontrolle hatte".

"The Moment" skizziert damit mehr als nur ein Künstlerinnenporträt. Der Film zeichnet das Bild einer Branche, in der Aufmerksamkeit zur härtesten Währung geworden ist - beschleunigt durch soziale Medien und eine Ökonomie, die vom permanenten Überbieten lebt. Künstlerinnen und Künstler stehen unter dem Druck, nicht nur relevant zu bleiben, sondern sich stetig neu zu übertreffen.

Zusammenfassen lässt sich diese Dynamik mit einem zugespitzten, im Film zitierten Rat von Kylie Jenner - fiktiv formuliert, aber mit realem Kern: "Sobald du glaubst, die Leute haben dich satt, musst du noch mehr übertreiben."

Ein Satz, der wie eine nüchterne Branchenlogik klingt - und zugleich andeutet, wohin sich künstlerische Selbstinszenierung in Zeiten permanenter Aufmerksamkeit bereits verschoben hat.

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