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Brüsseler Interesse an portugiesischen Wahlen eher verhalten

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Von Stefan Grobe  & Pedro Sacadura
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Brüsseler Interesse an portugiesischen Wahlen eher verhalten
Copyright  Paulo Duarte/AP

„Für einen Portugiesen, der in Brüssel lebt, gibt es nichts Besseres sich wie zu Hause zu fühlen, als einen Kaffee zu trinken, während man sich unterhält, und ein authentisches Pastel de Nata wie dieses zu essen", sagt Euronews-Korrespondent Pedro Sacadura. „Aber gerade jetzt wird in dieser portugiesischen Bäckerei ein anderes Thema diskutiert … die bevorstehenden Parlamentswahlen.“

Ricardo Borges de Castro lebt seit einem Jahrzehnt in Brüssel und pflegt enge Beziehungen zu seinem portugiesischen Heimatland. Er ist einer der Kunden hier, der die letzten Entwicklungen bis zur Abstimmung am Sonntag genau im Auge behalten. „Das, was wir meiner Meinung nach alle riskieren, ist, dass alles relativ gleich bleibt, mit anderen Worten, ohne eine stabile Regierung.“

Die Parlamentswahlen entscheiden über das künftige Gesicht des portugiesischen Ministerpräsidenten. Der Sozialist António Costa hofft auf eine neue Amtszeit, aber sein konservativer Rivale Rui Rio rückt näher.

Ricardo gab seineStimme in Brüssel vorzeitig ab. Er arbeitet für einen europäischen Think Tank und glaubt nicht, dass das Wahlergebnis große Turbulenzen in der EU verursachen wird.

„Das Interesse in Brüssel an Portugal ist fast das gleiche Interesse, das es in Portugal an der Debatte um die Besetzung der Brüsseler Ämter gegeben hat - das ist sehr gering. Die beiden großen Parteien werden laut Umfragen wieder die Sache unter sich ausmachen. Ich denke, dass es bei diesen europäischen Themen keine großen Unterschiede gibt, allenfalls Nuancen. Das europäische Projekt steht in Portugal nicht zur Debatte. Und so kann die Europäische Union meiner Meinung nach sicher sein, dass es keine Probleme gibt."

Auch in den EU-Mitgliedstaaten scheinen diese Wahlen nur ein Randthema zu sein. Korrespondenten in Brüssel sehen derzeit dringendere Themen, mit denen sich die Medien beschäftigen.

Katrin Pribyl, deutsche Journalistin: „Die Wahlen in Portugal spielen in Deutschland derzeit keine große Rolle. Sie werden sehr stark von der Ukraine-Krise überschattet, verdrängt auch von den Präsidentschaftswahlen in Italien und den anstehenden Wahlen in Frankreich.“

Yannis Palaiologos, griechischer Journalist: „In der Zeit der Rettungspakete, als sowohl Griechenland wie auch Portugal versuchten, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, waren die Entwicklungen in Portugal für Griechenland von viel größerem Interesse, um zu sehen, wie effektiv Portugal bei der Umsetzung der Rettungspaketverpflichtungen war.“

António Costa oder Rui Rio müssen bis zur Abstimmung an diesem Sonntag warten, um herauszufinden, wer Portugals nächste Regierung führen wird. Aber eines ist sicher: Wer auch immer den Kampf gewinnt, wird den Weg und die Rolle des Landes in der Europäischen Union mitgestalten.