Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Durch die Wolken sehen: Wie Radarbilder Landwirten in Polen helfen

Mit Unterstützung von
Durch die Wolken sehen: Wie Radarbilder Landwirten in Polen helfen
Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Davide Raffaele Lobina
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

In Nordeuropa schränkt die häufige Bewölkung die Nutzung herkömmlicher Satellitenbilder in der Landwirtschaft ein. Das polnische Unternehmen Wasat setzt auf radargestützte Satellitendaten, um diese Herausforderung zu bewältigen und Landwirten dabei zu helfen.

Landwirte stützen sich zunehmend auf Satellitenbilder, um ihre Arbeit zu optimieren. Mithilfe von Satellitendaten lässt sich die Entwicklung der Pflanzen verfolgen, und der Einsatz von Düngemitteln gezielter steuern.

WERBUNG
WERBUNG

Doch in Nordeuropa schränkt die häufige Bewölkung die Nutzung herkömmlicher optischer Satellitenbilder oft ein.

Um diese Herausforderung zu bewältigen, setzt das polnische Unternehmen Wasat auf die SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar), mit der Satelliten durch die Wolken „sehen“ können.

Wie Radarsatelliten funktionieren

SAR-Satelliten nutzen eigene Mikrowellensignale. Diese werden aus dem Weltraum zur Erdoberfläche gesendet und von dort zu den Sensoren der Satelliten zurückreflektiert, wodurch Radarbilder des Bodens entstehen.

„Diese Technologie funktioniert sowohl bei Tag als auch bei Nacht und kann Wolken und Nebel durchdringen – im Gegensatz zu optischen Bildern, bei denen Bewölkung ein großes Problem darstellt“.
Michał Michalski
Fernerkundungsexperte bei Wasat

Das Unternehmen nutzt Satellitenbilder, die von der Europäischen Weltraumorganisation und der Europäischen Kommission im Rahmen des Copernicus-Programms bereitgestellt werden, sowie Daten des Satelliten Sentinel-1.

Von Radardaten zu landwirtschaftlichen Entscheidungen

Auf Grundlage dieser Technologie und ihres agronomischen Fachwissens entwickelte Wasat die digitale Plattform Fertisat, die Landwirten Karten und Empfehlungen für die Düngung liefert.

Karol Piekutowski, Betriebsleiter von Farm Frites Poland, nutzt Fertisat als Entscheidungshilfe für die Düngung von Winterraps in Bobrowniki, einer Stadt, die etwa eine Stunde von Gdańsk (Danzig) entfernt liegt. Seiner Ansicht nach liegt der Mehrwert des Systems in der Anpassung der Düngermenge an den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen.

„Wir streben eine bessere Verteilung des Düngers auf dem Feld an, um die Erträge zu verbessern. Gleichzeitig vermeiden wir eine Überdüngung in Bereichen, in denen der Dünger nicht wirksam eingesetzt werden kann. Auf diese Weise schützen wir die Umwelt vor der Auswaschung von Stickstoff in tiefere Bodenschichten.“

Indem sie die Ausbringung von Düngemitteln auf die verschiedenen Zonen eines Feldes abstimmen, können Landwirte den unnötigen Verbrauch reduzieren und zugleich die Produktivität aufrechterhalten.

Wirtschaftliche Vorteile für Landwirte

Neben den Umweltaspekten bringt der Einsatz radargestützter Düngeempfehlungen auch wirtschaftliche Vorteile.

„Die Einführung einer auf Radardaten basierenden Technologie ermöglicht eine Reduzierung des Düngemitteleinsatzes um 10 bis 15 Prozent innerhalb einer einzigen Saison und führt damit zu erheblichen Einsparungen“, sagt Michał Jędrzejewski, Produktmanager bei Procam, einem führenden landwirtschaftlichen Beratungs- und Vertriebsunternehmen in Polen.

Procam arbeitete mit Wasat zusammen, um die Empfehlungen unter realen Feldbedingungen zu testen, bevor der Dienst den Kunden zur Verfügung gestellt wurde.

EU-Unterstützung und weitergehende Ambitionen

Die Entwicklung der SAR-Technologie innerhalb von Fertisat erforderte eine Gesamtinvestition von 778.800 Euro. Fast 80 Prozent dieses Betrags wurden aus der EU-Kohäsionspolitik finanziert. Das Unternehmen erhielt einen Regiostars Award, der herausragende Leistungen bei von der Europäischen Union geförderten Projekten würdigt.

Derzeit zählt das Unternehmen rund 1.000 Kunden, überwiegend große und mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe in Nordpolen. Bartosz Buszke, Geschäftsführer von Wasat, ist überzeugt, dass der Dienst zu den übergeordneten Zielen der europäischen Landwirtschaft beitragen kann.

„Wir werden den Dienst auf andere europäische Länder ausweiten. Für die EU bedeutet dies eine höhere Rentabilität des Agrarsektors, bessere Umweltbedingungen und eine größere Ernährungssicherheit“.
Bartosz Buszke
Geschäftsführer von Wasat

Da Klimaschwankungen und steigende Betriebsmittelkosten Landwirte in ganz Europa weiterhin vor Herausforderungen stellen, könnten radargestützte Satellitendienste wie Fertisat eine zunehmend wichtige Rolle dabei spielen, widerstandsfähigere, effizientere und nachhaltigere landwirtschaftliche Verfahren zu unterstützen, selbst bei bewölktem Himmel.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen