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Finnische Innenministerin kritisiert Spaniens Massenlegalisierung von Migranten

Finnlands Innenministerin Mari Rantanen im Euronews-Interview am Mittwoch, dem fünften März 2026
Finnlands Innenministerin Mari Rantanen im Euronews-Interview am Mittwoch, dem fünften März zweitausendsechsundzwanzig. Copyright  Euronews
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Von Mared Gwyn Jones & Lauren Walker
Zuerst veröffentlicht am
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Die finnische Innenministerin, die eine deutliche Verschärfung der Einwanderungsregeln vorantreibt, sagte Euronews, Europas Migrationskrise lasse sich nicht allein mit Solidarität lösen.

Finnlands Innenministerin Mari Rantanen, die auch für die Migrationspolitik zuständig ist, kritisiert die Entscheidung des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez, Tausende Migrantinnen und Migranten ohne Papiere zu legalisieren. Sie warnt, dies berge ein Risiko für den Schengenraum.

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„So etwas würde ich niemals empfehlen“, sagte die Ministerin im Euronews-Interviewformat 12 Minutes With.

Sie verweist auf den gemeinsamen Raum: den Schengenraum, das oft beschworene „Team Europa“. Wenn einzelne Staaten im Grunde das Gegenteil der anderen tun, entstehe ein hohes Risiko, fügte sie hinzu.

Nun könnten diese Menschen sehr leicht in andere Staaten weiterreisen. Alle müssten daher Verantwortung für den gemeinsamen Raum übernehmen – auch bei der Migration.

Die linksgerichtete Regierung Spaniens beschloss Ende Januar per Dekret einen Plan, rund 500.000 Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus zu regularisieren, sofern sie sich seit mindestens fünf Monaten im Land aufhalten und vor dem 31. Dezember 2025 eingereist sind. Die Maßnahme soll den gravierenden Arbeitskräftemangel in Schlüsselbranchen abfedern.

Der Schritt steht im deutlichen Gegensatz zu der zunehmend restriktiven Linie vieler Staats- und Regierungschefs in Europa. Auch in Brüssel stößt die Entscheidung auf Kritik: Die Europäische Kommission äußerte die Sorge, sie könne in Konflikt geraten mit der derzeitigen Politik der Europäischen Union.

Finnland hat unter Rantanens Führung seine Asylpolitik verschärft, um sie an die der übrigen nordischen Länder anzugleichen. Verfahren und Rückführungen laufen nun schneller. Rantanen spricht von einem Paradigmenwechsel.

Interesse an Rückführungszentren

Gegenüber Euronews erklärte sie, Finnland wolle auch von neuen Rückführungsinstrumenten im EU-Migrationspakt profitieren. Das Paket soll im Juni 2026 vollständig in Kraft treten.

Vorgesehen ist unter anderem eine Verordnung, die EU-Staaten erlaubt, in Drittstaaten Rückführungszentren einzurichten. Abgelehnte Asylsuchende sollen dort in Hafteinrichtungen außerhalb der EU-Grenzen untergebracht und von dort zurückgeschickt werden.

Auf die Frage, ob Finnland bereits mit Staaten außerhalb Europas über solche Zentren spreche, sagte Rantanen, man sei „sehr an dieser Option interessiert“ und habe das Thema „mit den nordischen Ländern“ besprochen.

Mögliche Standorte nannte sie nicht. „Zuerst brauchen wir natürlich die entsprechende Verordnung.“ Das Europäische Parlament muss die Vorschläge noch mit dem Rat aushandeln und endgültig verabschieden.

Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen warnen, solche Einrichtungen könnten faktisch Haftanstalten gleichen und das Risiko schwerer Menschenrechtsverletzungen deutlich erhöhen.

Rantanen weist den Vorwurf der Unmenschlichkeit zurück. „Es gibt ja immer die Möglichkeit, in das Herkunftsland zurückzukehren.“ Menschenrechtsorganisationen halten dagegen und warnen vor dem Risiko der „Refoulement“, also der Rückführung von Menschen in gefährliche Situationen.

Solidaritätsmechanismus

Der Migrationspakt der EU sieht zudem einen Mechanismus der „verpflichtenden Solidarität“ vor, um Mitgliedstaaten mit hohem Migrationsdruck zu entlasten. Staaten können Asylsuchende aufnehmen oder finanzielle und operative Hilfe leisten.

Nur wenige Länder erklären sich bereit, im Rahmen dieses Mechanismus Menschen zu übernehmen. Das nährt Zweifel an der Wirksamkeit des Pakts. Rantanen widerspricht. „Es gibt verschiedene Wege, Solidarität zu zeigen, und Finnland hat sich entschieden, finanziell zu helfen“, sagte sie. Für 2026 will ihr Land rund sechs Millionen Euro zahlen.

Sie glaubt nicht, dass sich die europäischen Migrationsprobleme allein mit Solidarität lösen lassen. „Wir müssen vor allem daran arbeiten, die Zahl der Menschen, die nach Europa kommen, deutlich zu senken.“

Gefragt nach Maßnahmen, die die EU aus ihrer Sicht noch anpacken muss, verweist Rantanen auf den Kampf gegen Schleusernetzwerke. „Dafür braucht es eine Präsenz auf der anderen Seite des Meeres“, sagte sie.

Man müsse etwa nach möglichen sicheren Häfen suchen, „damit Gerettete in einen Drittstaat gebracht werden und nicht nach Europa“.

Jedes Jahr sterben Tausende Menschen auf See, als Folge des Versuchs, Europa zu erreichen. Nach neuen Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen im Jahr 2025 mindestens 2.185 Menschen im Mittelmeer ums Leben oder gelten als vermisst. Weitere 1.214 wurden auf der westafrikanischen beziehungsweise atlantischen Route zu den Kanarischen Inseln registriert.

Ob die EU-Grenzschutzagentur Frontex ihr Mandat erweitern und diese Präsenz außerhalb der EU übernehmen könnte, beantwortet Rantanen so: „Das Mandat von Frontex wird derzeit neu gefasst, daher könnte es aus meiner Sicht Möglichkeiten dafür geben.“

Einige EU-Staaten haben bereits signalisiert, Frontex eine zentrale Rolle bei Rückführungen und möglicherweise eine stärkere Präsenz in Nicht-EU-Ländern zu übertragen.

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