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Standortnachteil Deutschland? Diese Probleme sehen internationale Investoren

Deutschland für internationale Unternehmen so unattraktiv wie noch nie
Deutschland für internationale Unternehmen so unattraktiv wie noch nie Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht unter Reformdruck. Internationale Investoren stellen Europas größter Volkswirtschaft ein so schlechtes Zeugnis aus wie noch nie, wie eine Erhebung zeigt.

Noch gilt Deutschland als Schlüsselstandort für die Wirtschaft in Europa, doch dieser Status gerät immer mehr unter Druck, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in einer neuen Studie zeigt.

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Deutschland stehe aus Sicht internationaler Investoren unter großem Reformdruck. Im EU-Vergleich rutsche das Land zunehmend ab. Für die Analyse hat KPMG mit mehreren hundert Finanzchefs gesprochen.

Jahrzehntelang galt Deutschland als sicherer Wirtschaftsfaktor in der EU, im Vergleich ist es immer noch die größe Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von über vier Billionen Euro, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Rund 60 Prozent der internationalen Unternehmen nutzen Deutschland derzeit als Europazentrale, viele steuern von deutschem Boden aus auch die Aktivitäten außerhalb Europas.

Welche Faktoren Deutschland unbeliebt machen

Doch während andere Länder Prozesse fortschreitend modernisieren, wird Deutschland in dieser Hinsicht immer weiter abgehängt. Mehrere Faktoren, die einen Wirtschaftsstandort attraktiv machen, weisen in Deutschland Nachholbedarf auf.

So sehen beispielsweise 70 Prozent der befragten Finanzexperten Deutschland bei der Regulierung von Bürokratie unter den fünf schwächsten EU-Ländern. 29 Prozent würden Deutschland bei der Bürokratie sogar als Schlusslicht bezeichnen. Während ein ganzes Drittel einen Bürokratieabbau fordert, besteht für die meisten keine besonders große Hoffnung. Nur 19 Prozent erwarten diesbezüglich einen Fortschritt in den kommenden fünf Jahren.

Ein weiteres Defizit sehen die Investoren bei den Energiekosten. 43 Prozent sehen Deutschland als schwächsten Standort der EU, weitere 26 Prozent unter den fünf schwächsten, was die Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angeht.

Auch die Digitalisierung macht Deutschland als starken Wirtschaftsstandort einen Strich durch die Rechnung. Zwei Drittel der Finanzfachleute sehen die deutsche digitale Infrastruktur unter den fünf schwächsten in Europa (69 Prozent), ein Drittel sieht Deutschland als Schlusslicht. Was die physische Infrastruktur angeht, so zählen nur noch 29 Prozent Deutschland zu den Top 5. Im Jahr 2017 waren es noch 77 Prozent, 2023 44 Prozent.

Weitere Schwachpunkte sehen die Finanzchefs bei den Steuern und der Einwanderungspolitik. 47 Prozent der Befragten ordnen Deutschland zudem den fünf Ländern mit den höchsten Steuern und der größten Steuerkomplexität zu, im Jahr 2023 waren es noch 12 Prozentpunkte weniger. 45 Prozent sehen Deutschland unter den fünf schwächsten EU-Ländern bei der Einwanderungspolitik.

Mit diesen Vorteilen kann Deutschland noch punkten

Während der Bürokratieaufwand und die physische Infrastruktur in Deutschland heutzutage schlecht bewertet wurden, haben diese Faktoren mutmaßlich dafür gesorgt, dass Deutschland langfristig ein sicheres Umfeld für lang angesetzte Investitionen bietet.

Denn die öffentliche Sicherheit bewerten 66 Prozent der Finanzchefs internationaler Unternehmen wiederum als besonders positiv. 65 Prozent gestehen Deutschland außerdem eine politische Stabilität zu, die im EU-Vergleich unter den fünf besten liegt. Im gesamten Ranking ist Deutschland in diesen zwei Punkten an der Spitze.

Deutschland punktet außerdem beim Thema Innovationskraft. Mehr als die Hälfte der Befragten sehen die Größe des Kaufmarktes (57 Prozent), die Forschungslandschaft (52 Prozent) und das innovationsfreundliche Umfeld sowie die Technologieoffenheit (54 Prozent) als positiven Faktor.

Und obwohl der Trend rückläufig ist, so sehen 51 Prozent der Finanzchefs bei Lebensqualität und Lebensstandards unter den Top 5 EU-weit. 2017 waren allerdings noch 74 Prozent der Finanzchefs dieser Meinung.

Auch die bisherigen Platzierungen Deutschlands als Wirtschaftsfaktor lagen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Im Verlauf der Zeit hat sich der deutsche Standort-Index zwar immer weiter an den EU-Durchschnitt angenähert, doch auch im Jahr 2026 liegt er noch 0,2-Prozentpunkte über dem Mittelwert.

Blick in die Zukunft: Das raten Investoren Deutschland

"Deutschland bleibt für internationale Unternehmen ein Schlüsselstandort, aber die Geduld der Investoren ist begrenzt", warnt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. "Ob Reformen greifen oder sich die schleichende Deindustrialisierung fortsetzt, entscheidet sich jetzt."

Die Relevanz wirtschaftspolitisch richtungsweisender Entscheidungen sei demnach sehr hoch. Zu den wichtigen Signalen gehört der KPMG zufolge unter anderem die Reformagenda der Bundesregierung. Sie würde die Investitionsentscheidungen von internationalen Unternehmen stark beeinflussen. So hat laut 17 Prozent der Befragten das neue Infrastruktur- und Verteidigungspaket der Bundesregierung zu Investitionsanreizen geführt.

17 Prozent der CFOs sehen außerdem Chancen in den großen Transformationsaufgaben des Landes – insbesondere Energiewende, Klimaneutralität, Digitalisierung, Demografie und Stärkung der Verteidigungsfähigkeit.

Auf lange Sicht denkt knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent), dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Laufe der nächsten fünf Jahre verbessern werde.

Für die Studie befragt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach eigenen Angaben 400 Chief Financial Officers (CFOs) der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den acht wichtigsten Investorenländern. Bei dem Report Business Destination Germany 2026 handelt es sich um die fünfte Ausgabe.

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