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Kampf in der Ostsee: Wird Wal Timmy für Ruhm und Wählerstimmen missbraucht?

Ein Helfer legt Tücher auf den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal
Ein Helfer legt Tücher auf den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal Copyright  Jens Buttner/dpa via AP
Copyright Jens Buttner/dpa via AP
Von Kirsten Ripper & Euronews mit APTN, NDR, Bild
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Inzwischen ist die Crew von "Free Willy" oder Orca Keiko an die Ostsee gereist - zu dem gestrandeten Buckelwal, den viele Timmy und einige Hope nennen. Ein neues Konzept zur Rettung wird erarbeitet - und der Wal beschäftigt in Mecklenburg-Vorpommern 5 Monate vor den Wahlen die Politik.

Vor dem letzten Rettungsversuch mit Luftkissen und einem Ponton ist der in der Ostsee gestrandete Buckelwal einfach davongeschwommen. Das Tier, das viele "Timmy", aber besonders kämpferische Helfer und Helferinnen "Hope" nennen, liegt jetzt wieder im flachen Wasser - weiterhin vor der Insel Poel, diesmal am Ausgang der Kirchsee-Bucht. Während viele Meeresbiologinnen und -biologen seit Wochen erklären, dass es das Beste wäre, den Wal einfach in Ruhe sterben zu lassen, plant ein privat finanziertes Team einen weiteren Rettungsversuch.

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Zunächst soll eine Rinne unter dem Buckelwal freigespült werden. Offenbar hat sich das inzwischen mit einem Peilsender verknüpfte Tier zuletzt ein wenig bewegt.

Wenn er nicht selbst durch die Rinne freikommt, soll der etwa 15 Tonnen schwere Wal auf eine Schute geschafft werden - also auf ein offenes Wasserfahrzeug ohne eigenen Antrieb, mit dem ansonsten Schüttgut wie Sand oder Kies transportiert werden. Darauf könnte der Meeressäuger im Wasser liegend gen Nordsee gezogen werden, glauben MediaMarkt-Gründer Walter Gunz, Pferde-Unternehmerin Karin Walter-Mommert und ihre Mitstreiter - laut BILD.

Streit innerhalb des privaten Rettungsteams und ein Notfall

Allerdings gibt es innerhalb des privaten Rettungsteams "interne Differenzen", wie die inzwischen zurückgetretene ehemalige Pressesprecherin der Gruppe Christiane Freifrau von Gregory im NDR berichtet. Auch die US-amerikanische Tierärztin Jenna Wallace aus Hawaii ist unter Protest abgereist. Sie macht der offenbar selbsternannten Leitung des letzten Einsatzes schwere Vorwürfe - besonders Sergio Bambarén, dem Schriftsteller und Vizepräsidenten der Umweltschutzorganisation "Mundo Azul", und dem Influencer Danny Hilse, der sich selbst Danny "Firstclass" nennt. Die Veterinärin sagt, die beiden spielten sich als "dominante Anführer" auf und betrieben vor allem Selbstdarstellung.

Die Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert hat während der Rettungsarbeiten offenbar einen Schlaganfall erlitten und musste mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus transportiert werden. Ihr Zustand gilt weiterhin als kritisch.

"Free Willy"-Team an der Ostsee

Firmenchef Gunz hat die ausgeschiedenen Mitglieder seiner Crew aber offenbar gleich wieder ersetzt, denn er hat Jeffrey Foster aus Island einfliegen lassen. Der Mann vom kanadischen Whale Sanctuary Project war an der Auswilderung von Orca Keiko beteiligt. Das Schicksal von Keiko wurde in mehreren Filmen der "Free Willy"-Reihe nacherzählt. Allerdings ist der Orca, anderthalb Jahre nachdem er aus einem Tierpark mit einem Flugzeug der US-Armee nach Island gebracht worden war, verstorben.

Umweltminister Till Backhaus im Kreuzfeuer der Kritik

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Umweltminister Till Backhaus steht unterdessen weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Einerseits fühlen sich die Expertinnen vom Meeresmuseum Stralsund hintergangen, die dafür plädiert hatten, Buckelwal Timmy in Ruhe sterben zu lassen.

Andererseits wettert fünf Monate vor den Landtagswahlen die AfD gegen den Minister: "Der Wal wird schamlos für den Wahlkampf missbraucht!" schreibt die AfD-Fraktion in Schwerin auf Facebook. Und weiter: "Das Land trägt keine Verantwortung, aber Backhaus kassiert den ganzen moralischen Applaus. Politischer Eigennutz statt echtem Tierschutz – das ist Backhaus pur!"

Der 67-jährige Till Backhaus ist schon seit November 1998 Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern.

Till Backhaus (SPD) mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) 2006 auf der Insel Rügen
Till Backhaus (SPD) mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) 2006 auf der Insel Rügen AP Photo

In den Umfragen vor der Wahl am 20. September liegt die AfD vor der seit 2021 in Mecklenburg-Vorpommern zusammen mit der Linken regierenden SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Abseits der Politik wird der Rücken von Buckelwal Timmy mit nassen Tüchern bedeckt, um das Tier vor der Sonne zu schützen. Die mehr als zwei Kilo Fisch, die dem Wal zugeworfen wurden, fraß er nicht.

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