Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Kein Zeichen vom Wal: Timmy mit "hoher Wahrscheinlichkeit tot"?

Der Wal vor der Freisetzung in der Nordsee
Der Wal vor der Freisetzung in der Nordsee Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Kirsten Ripper & Euronews mit AP, taz
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die private Rettungsinitiative hatte erklärt, sie habe den zuvor gestrandeten Wal Timmy mit einem Peilsender ausgestattet. Inzwischen gibt es Zweifel daran, dass alles so funktioniert, wie es angekündigt wurde. Doch was lernen wir aus der Geschichte um den gestrandeten Wal?

Die private Rettungsinitiative, die Buckelwal Timmy bis zur Nordsee hatte schippern lassen, hatte zunächst gejubelt. Und bis heute feiern einige, die das Tier auch "Hope" nennen, seine "Freilassung". In den sozialen Medien schreiben viele, die sich die Rettungsaktion gewünscht hatten, es sei ihnen egal, wo der Wal jetzt sei, er sei frei.

WERBUNG
WERBUNG

Doch offenbar ist nicht klar, wie das Ende des Transports wirklich verlief und wie der etwa 12 Tonnen schwere Wal, der bei rauer See offenbar mehrmals gegen die Wände des Schiffs gerammt war, ins freie Meer gelangte. Wurde das Tier mit Seilen vom Schiff gezogen?

Wurde Timmy einfach entsorgt?

In der Taz schreibt Heiko Wenning: "Es ist unklar, ob das Tier in Freiheit schwimmt – oder schlicht verklappt wurde." In den sozialen Medien tauchen zudem Berichte auf, wonach die Besatzung des Schiffes am Ende froh war, "das Mistviech" endlich los zu sein.

Die Tierärztin der Privatinitiative Dr. Kirsten Tönnies, die nicht dabei sein durfte, als der Wal das Schiff verließ, kritisierte die Crew, die den Meeressäuger "total früh" und "heimlich" ausgesetzt habe. Eigentlich war geplant, den Wal weiter westlich in der freien Nordsee freizulassen. Ausgesetzt wurde er rund 70 Kilometer nördlich von Skagen in Dänemark - in einer viel befahrenen Schifffahrtsroute.

So können Sie Wale im Internet nachverfolgen

Viele Wal-Fans hofften wohl nach dem Live-Stream der Rettung, auf der die Freisetzung nicht aufgezeichnet wurde, die Route von Timmy mithilfe des Peilsenders weiter verfolgen zu können. Doch die Auskunft der Rettungsinitiative, der Sender liefere nur Vitaldaten und nicht die Position des Tiers wird von Experten angezweifelt.

"Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen", erklärt der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus laut BILD. "Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit".

Auf der Internetseite des Hebridean Whale & Dolphin Trust kann der Weg verschiedener Wale nachverfolgt werden. Vor Island wurden darauf mehrere Buckelwale beobachtet. Allerdings kann Timmy seit dem Wochenende nicht so weit in den Norden gekommen sein.

Auf die Wissenschaft wurde nicht gehört

Die Meeresbiologinnen vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund gehen davon aus, dass Timmy tot ist. "Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt", teilen die Expertinnen mit, die eigentlich untersuchen wollten, woran der Buckelwal wirklich litt.

Als der Meeressäuger in der Wismarer Bucht gestrandet war, hatte er Teile eines Fischernetzes im Maul. Die Aussage aus dem privaten Rettungsteam, der Wal habe das Plastik "ausgespuckt", halten Meeresbiologen für unwahrscheinlich.

Doch die Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spielte offenbar für den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus und für den Umgang mit dem Wal am Ende keine Rolle mehr. Auch Greenpeace und andere Meeresschutz-Organisationen hatten sich gegen den Transport des schwer angeschlagenen Buckelwals ausgesprochen

Die Pferdesport-Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die zusammen mit MediaMarkt-Gründer Walter Gunz die private Rettungsaktion finanzierte, sprach von Kosten in Höhe von mindestens 1,5 Millionen Euro. Doch in dieser Summe sind die Kosten für die Schiffe und die Besatzung, die Timmy bis zu Nordsee brachten, nicht enthalten.

Der Schutz der Ozeane

Viele Tier- und Meeresschutz-Organisation verweisen darauf, dass es den meisten Lebewesen in der Nord- und Ostsee derzeit nicht gut geht. In vielen Meeren der Welt bereitet vor allem der Fischfang Probleme. "45 Prozent der deutschen Nord- und Ostsee sind als Meeresschutzgebiete ausgewiesen und doch befinden sich diese Meere in einem besorgniserregend schlechten Zustand. Es mangelt nicht an Instrumenten und Schutzmaßnahmen, sondern es fehlt an der Ambition und Durchsetzung der Schutzziele. Die Politik muss jetzt die Ärmel hochkrempeln, um Nord- und Ostsee zu einem gesunden und sicheren Lebensraum zu machen“, fordert Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft beim WWF Deutschland.

Dabei sollte laut Experten und Expertinnen der Kampf gegen den Klimawandel ernst genommen werden. "Die massive Erwärmung des Wassers hat gravierende Auswirkungen. Sie löst ganze Artenverschiebungen aus: Fische und Meeressäugetiere wandern polwärts. Viele Korallen kommen mit der Wärme nicht klar und sterben", erklärt Greenpeace. Zudem bedroht die Ausbeutung der fossilen Energiereserven der Ozeane Flora und Fauna.

Ob das Interesse der Öffentlichkeit am Schicksal von Wal Timmy jetzt dazu führt, dass die Menschen sich für den Schutz der Ozeane und der darin lebenden Tiere einsetzen? Das bleibt abzuwarten.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Walrettung: Geldgeber werfen Schiffsbesatzung schwere Fehler vor

Kampf in der Ostsee: Wird Wal Timmy für Ruhm und Wählerstimmen missbraucht?

"Das ist ein Wildtier, das sterben will" – Kritik an Rettungsversuchen für Buckelwal Timmy