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"Es fühlte sich an, als ginge die Welt unter": Sind wir ein Jahr nach dem Stromausfall vorsichtiger geworden?

Menschen sitzen während eines landesweiten Stromausfalls am Montag, dem 28. April, auf der Terrasse einer geschlossenen Bar am Aussichtspunkt Monte Agudo mit Blick auf Lissabon.
Menschen sitzen während eines landesweiten Stromausfalls am Montag, dem 28. April, auf der Terrasse einer geschlossenen Bar am Aussichtspunkt Monte Agudo mit Blick auf Lissabon. Copyright  AP Photo
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Von Inês dos Santos Cardoso & Ana Filipa Palma & Euronews
Zuerst veröffentlicht am
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Vor einem Jahr fiel in Portugal für mehrere Stunden der Strom aus. Das Ereignis überraschte viele, insbesondere die Regierung, die mehrere "Schwachstellen" feststellte. Was hat man ein Jahr später daraus gelernt? Euronews hat die Portugiesen gefragt, wie sie sich heute vorbereiten.

Vor einem Jahr, am 28. April 2025 um 11.33 Uhr portugiesischer Zeit, sorgte ein Stromausfall im Nachbarland Spanien dafür, dass beide Länder mehrere Stunden lang ohne Strom waren.

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Der Vorfall veranlasste die Europäische Kommission, ihre Resilienzstrategie zu aktivieren, sie empfahl die Vorbereitung eines Notfallsets, um das Überleben in Krisenfällen für mindestens 72 Stunden zu sichern. Dazu gehören Trinkwasser, nicht verderbliche Lebensmittel, ein Erste-Hilfe-Kasten, eine Taschenlampe und ein batteriebetriebenes Radio.

Dass eine derartige "Resilienz" in der Bevölkerung dringend nötig ist, zeigte erst unlängst der tagelange Stromausfall im Südwesten Berlins.

Doch setzen die Bürger die guten Ratschläge auch um? Wie wären die Menschen in Portugal heute, ein Jahr später, für einen längeren Stromausfall gerüstet? Euronews hat umgehört und gefragt, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, ob sie zum Beispiel ein Survival-Kit zu Hause haben.

"Wir sollten immer mit unserem Kit vorbereitet sein und wissen, wie wir ohne Technologie leben können, ohne ständig mit dem Internet verbunden zu sein", meint Mariana, 20, die als Pfadfinderin bereits diesen Sinn fürs "Überleben" trainiert hat und verschiedene Elemente des Kits im Haus hat, wie ein Radio und Batterien, die einsatzbereit sind.

Manuel Oliveira, 77, erinnert sich gelassen an den Tag des Stromausfalls und erklärt, dass er viele der Elemente, die er für unverzichtbar hält, bereits hatte. "Ich habe immer Kerzen, ein batteriebetriebenes Radio und Lebensmittelkonserven", sagt er. Er sei versorgt, wenn der Stromausfall heute wieder eintritt, "aber nicht für mehr als eine Woche". Dennoch ist er überzeugt, dass viele Andere völlig unvorbereitet sind und nichts im Haus haben, "und dann sind sie verzweifelt, weil sie nichts zu essen haben, kein Licht, nichts."

Viele, die wir befragten, gaben zu, dass sie keine Notfallausrüstung zusammengestellt hätten, aber sie verfügten zumindest über Dinge, die ihnen das Überleben ermöglichen würden. "Ich habe Lebensmittelkonserven und Geld zu Hause, ich würde nur keine Nachrichten hören, weil ich kein Radio habe", erklärt Sónia, eine Ladenbesitzerin.

Rentnerin Filomena Nobre erzählt, dass sie nach dem Stromausfall ihre Notfallausrüstung vorbereitet hat. "Ich habe ein Batterieradio gekauft und habe immer Ersatzbatterien zu Hause. Ich habe mich auch auf ein mögliches Erdbeben vorbereitet und einen Rucksack mit einer Decke, einer Pfeife, Batterien und anderen Dingen gepackt."

Eine ihrer Sorgen war auch die Kühlung von Lebensmitteln, weshalb sie heute versucht, weniger Lebensmittel im Gefrierschrank aufzubewahren.

Luís Latas, ebenfalls Rentner, erinnert sich, dass er im Urlaub war und sein Auto vollgeladen hatte, aber er eilte zum Supermarkt, um Toilettenpapier und Wasserflaschen zu kaufen und die Vorratskammer aufzufüllen. "Es war, als ginge die Welt unter", erinnert er sich. "Ohne Handys, ohne irgendetwas, geraten die Menschen in Panik."

Für Luís ist es auch wichtig, dass die Regierung Lösungen findet, damit sich solche Situationen nicht wiederholen. "Rathäuser, Gemeinderäte und die Regierung sollten darüber nachdenken, an bestimmten Orten Generatoren aufzustellen, wie es sie in Einkaufszentren gibt", empfiehlt er.

Arbeitsgruppe zum Stromausfall

Der Stromausfall vom 28. April 2025 führte nicht nur zu neuer Bevorratung in etlichen portugiesischen Haushalten, sondern auch zur Verabschiedung von Maßnahmen durch die Regierung. Darunter die Gründung des Operationszentrums der Regierung (CORGOV) und einer parlamentarischen Arbeitsgruppe, aus deren Arbeit "Lehren" gezogen wurden, wie Präsidialamtsminister António Leitão Amaro bei der letzten Anhörung am vergangenen Donnerstag sagte.

Der Minister erinnerte an die ersten Stunden der Regierung am 28. April 2025 und betonte, dass die Priorität darin bestehe, "Unterstützung und Hilfe zu leisten und die Kontinuität der schwächsten und für die Lebensbedingungen der Menschen entscheidendsten Dienste zu gewährleisten, angefangen natürlich bei den Gesundheitsdiensten".

Leitão Amaro räumte Schwächen ein und sagte, dass "das Land mehr tun muss". Zu diesem Zweck hat die Regierung Maßnahmen in dem ebenfalls jetzt vorgestellten "Transformations-, Erholungs- und Resilienzprogramm" geplant, das verspricht, "Strukturen, Infrastrukturen und Gemeinschaften für Extremereignisse" in "verschiedenen Bereichen" robuster zu machen.

Mehrere Wochen lang hat die parlamentarische Arbeitsgruppe verschiedene Organisationen angehört, darunter die Exekutivdirektion des Nationalen Gesundheitsdienstes, die Nationale Einrichtung für den Energiesektor und das Nationale Institut für medizinische Notfälle.

Heute, genau ein Jahr nach dem Vorfall, legt sie ihren Abschlussbericht vor, in dem der Exekutive verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen werden.

Laut einem vorläufigen Bericht, zu dem die Nachrichtenagentur Lusa Zugang hatte, schlägt die Arbeitsgruppe vor, dass die Regierung "auf gesetzlichem oder regulativem Wege Mindestanforderungen an die Energieautonomie für kritische Infrastrukturen" wie "Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Pflegeheime und Notfallstrukturen" festlegt.

Diese Mindestanforderungen, die sich auch auf die Empfehlungen des Europäischen Netzes der Übertragungsnetzbetreiber stützen, sollten mindestens 72 Stunden für die kritischsten Infrastrukturen und nicht weniger als 24 Stunden für die übrigen Infrastrukturen gelten.

Die Grenzwerte für die Brennstofflagerung in diesen Infrastrukturen und im Lebensmitteleinzelhandel wurden ebenfalls analysiert. Die Gruppe spricht sich dafür aus, die derzeitige Höchstmenge von 500 Litern zu überarbeiten, da sie laut Lusa "für ein länger andauerndes Ereignis unzureichend ist, während andere europäische Länder bis zu 3.000 Liter zulassen".

Die Gruppe schlägt außerdem "die formelle Einbeziehung von Lebensmittelhändlern und Apotheken in den Rahmen der kritischen Infrastrukturen" sowie "die Überarbeitung des strategischen Tankstellennetzes (REPA), einschließlich der technischen Kapazität der Tankstellen, die Ausweitung des Zugangs auf kritische Einrichtungen, die nicht abgedeckt sind, und die Festlegung von vorherigen, geprüften und koordinierten Protokollen für die Betankung von Generatoren kritischer Infrastrukturen" vor.

Auch wurden Verzögerungen bei der Aktivierung vieler Verfahren festgestellt, weswegen die Gruppe eine Überprüfung der Kriterien empfiehlt, um "schnellere und operativ wirksamere Entscheidungen in Szenarien eines allgemeinen Stromnetzausfalls" zu ermöglichen.

Das Integrierte Notfall- und Sicherheitsnetzsystem wurde ebenfalls unter die Lupe genommen. Die Gruppe empfiehlt, dessen Architektur "strukturell zu überarbeiten" und einen "von kommerziellen Netzen unabhängigen Notfallwarn- und Kommunikationsmechanismus" zu entwickeln.

Der Bericht enthält auch Empfehlungen für den Verbraucherschutz, in denen eine "Überprüfung der Entschädigungsregelung für Stromversorgungsunterbrechungen", schnellere Entscheidungen der zuständigen Behörde und eine Berechnung der entstandenen Schäden gefordert werden.

Im Hinblick auf die Sicherheit und den Betrieb des Elektrizitätssystems schlägt die Arbeitsgruppe vor, "die Anforderungen an die Spannungsregelung auf bestehende Kraftwerke für erneuerbare Energien auszuweiten", "das Elektrizitätssystem und die Spannungsregelung im Netz zu überwachen", "die Systemschutzpläne für Überspannungsszenarien zu überprüfen" und "die Studie über die Gesamtsystemkosten als energiepolitisches Instrument zu vervollständigen und zu veröffentlichen".

Portugals Regierungschef Luís Montenegro (Mitte) mit den Ministern Duarte und Leitäo Amaro im 11. März 2025
Portugals Regierungschef Luís Montenegro (Mitte) mit den Ministern Duarte und Leitäo Amaro im 11. März 2025 AP Photo

Im November vergangenen Jahres schuf die Regierung das Operationszentrum der Regierung (CORGOV) und verabschiedete ein Handbuch, in dem der politische Koordinations- und Kommunikationsprozess festgelegt wurde. Dabei ging es auch darum, dass es keinen Aktionsplan für "schwere Krisen" gab. Präsidialamtsminister Leitão Amaro bezeichnete das Vorgehen der Regierung in den ersten Minuten sogar als "Intuition" und "Wissen" und griff für die ersten Mitteilungen auf Funkgeräte zurück, da es damals keine Planung gab.

Die parlamentarische Arbeitsgruppe legte auch Empfehlungen zu dieser Einrichtung vor und schlug vor, dass die Regierung dem Parlament einen Bericht über die Operationalisierung des CORGOV vorlegt.

Diese und andere Vorschläge werden nun von den parlamentarischen Fraktionen bewertet, und der Bericht könnte noch geändert werden.

Mehrere Fehler haben zu dem Stromausfall geführt

Der technische Bericht über den Stromausfall, der am 20. März dieses Jahres veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass der Vorfall seinen Ursprung in Spanien hatte und nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen war, sondern auf die Summe mehrerer Störungen, die sich in weniger als 90 Sekunden gegenseitig verstärkten.

Die Analyse auf mehr als 400 Seiten identifiziert eine Reihe von technischen Fehlern, die mit einer unzureichenden Spannungssteuerung zusammenhängen, und rekonstruiert den Einsturz mit Millisekundengenauigkeit.

In der Minute vor dem Zusammenbruch begann die Spannung in mehreren Knotenpunkten des spanischen Stromnetzes anzusteigen, und gleichzeitig sank die Leistung großer Anlagen für erneuerbare Energien mit einer Kapazität von mehr als 5 Megawatt um etwa 500 Megawatt.

Diese Verringerung der Wirkleistung in Anlagen, die mit einem festen Leistungsfaktor arbeiten, führte auch zu einer Verringerung der Blindleistung, die diese Erzeuger aus dem Netz aufnahmen, wodurch die Spannung noch stärker anstieg.

Kurz darauf löste ein Transformator in einem Umspannwerk in der Gegend von Granada seinen Überspannungsschutz aus.

Angesichts dieser Schlussfolgerungen hat die portugiesische Regierung die Regulierungsbehörde für Energiedienstleistungen damit beauftragt, "die Folgen zu bewerten und den rechtlichen Rahmen für eine mögliche Entschädigung festzulegen, wobei sie betont, dass der außergewöhnliche Charakter des Ereignisses die Entschädigung begrenzen kann", wie es in der Erklärung der Exekutive vom 20. März heißt.

"Jetzt ist es an der Zeit, dass die nationale Regulierungsbehörde ihre Bewertung vornimmt und das weitere Vorgehen in Bezug auf die Entschädigung festlegt", fügte die Ministerin für Umwelt und Energie, Maria da Graça Carvalho, hinzu.

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