In Nordrhein-Westfalen haben Sicherheitskräfte die Wohnung eines Mannes durchsucht, der der Spionage verdächtigt wird. Offenbar geht es um Ermittlungen nach dem Fund einer geheimen Kamera am Bahnhof von Minden, mit der Militärtransporte ausgespäht werden sollten.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius betont immer wieder, dass die aktuell größte Bedrohung für Deutschland von Russland ausgeht. Doch im Fall der Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Agenten in NRW hält sich die Bundeswehr bedeckt. Ein Sprecher erklärt: "Bitte haben Sie Verständnis, dass aus Gründen der militärischen und operativen Sicherheit hier keine Angaben gemacht werden können."
Hintergrund des neuen Falls ist wohl das Ausspähen von Waffenlieferungen an die Ukraine und von Militärtransporten der Bundeswehr an die Ostflanke der NATO, vor allem nach Litauen. Dort ist eine ganze Brigade der Bundeswehr stationiert.
Der jetzt der Spionage verdächtigte Litauer, der seit Jahren in Deutschland - genauer gesagt in Detmold - lebt, wurde laut Recherchen von WDR und NDR schon länger abgehört. Der Mann soll auf einem fünf Meter hohen Mast am Bahnhof von Minden - zwischen Osnabrück und Hannover - eine Kamera angebracht haben. Diese Kamera wurde bereits Ende September 2025 entdeckt. Sie war einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn aufgefallen. Auf der Kamera war zwar ein DB-Logo angebracht, doch sie hatte am Bahnhof Minden nichts zu suchen.
Laut Justiz gilt zunächst die Unschuldsvermutung, doch an diesem Dienstag ließ die Staatsanwaltschaft Dortmund die Wohnung des mutmaßlichen Agenten durchsuchen.
Die geheime Kamera am Bahnhof von Minden
Mit der kleinen solarbetriebenen Kamera im Wert von etwa 50 Euro wollte der Litauer offenbar Militärtransporte an die Ostflanke der NATO ausspähen. Mit der nachtsichtfähigen Kamera wurden Berichten zufolge auch Liveaufnahmen abgespeichert.
Der Bahnhof von Minden gilt als zentraler Verladebahnhof für Transporte an die NATO-Ostflanke - nicht nur für deutsche, sondern auch für britische Streitkräfte.
Der Fund der Kamera gilt laut WDR und NDR in deutschen Sicherheitskreisen als erster handfester Hinweis auf die Ausspähung wichtiger militärischer Versorgungs- und Nachschubwege in Deutschland.
Seit Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sind vor allem in Osteuropa russische Spionage-Aktionen entdeckt worden. In Polen war am Ostermontag ein Mann festgenommen worden, der die Eisenbahninfrastruktur fotografiert hatte. Doch seit mehreren Monaten kommt es auch in Deutschland vermehrt Vorfälle und Festnahmen.