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Störsignale und Laser: Telekom und Rheinmetall planen Anti-Drohnen-Schutzschirm

Telekom und Rheinmetall haben große Pläne, um Deutschland verteidigungsfähiger zu machen.
Telekom und Rheinmetall haben große Pläne, um Deutschland verteidigungsfähiger zu machen. Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Verdächtige Drohnenflüge über Flughäfen, Kasernen und kritischer Infrastruktur nehmen zu. Telekom und Rheinmetall wollen nun gemeinsam ein System entwickeln, das Drohnen erkennt, stört und im Ernstfall abfängt.

Das Telekommunikationsunternehmen Telekom und der Rüstungskonzern Rheinmetall schließen sich zusammen: Sie wollen gemeinsam ein Drohnen-Schutzschirm entwickeln, wie aus einer gemeinsamen Pressemittleung hervorgeht. Nach Angaben der beiden Konzerne soll die Technologie neben feindlichen Drohnen auch Sabotage wie etwa Cyberangriffe verhindern.

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Durch den Abwehrschirm sollen unbemannte Flugkörper am Himmel frühzeitig erkannt werden und durch Störsignale oder eigene Abfangdrohnen gestoppt werden. Im Rahmen der sogenannten Multi-Threat-Protection könnten die Laserstrahlen auch Drohnen in der Nähe von Industrieanlagen, Kraftwerken und anderer kritischer Infrastruktur, aufhalten.

Immer mehr verdächtige Drohnenflüge

Die Unternehmen verweisen darauf, dass hybride Bedrohungen durch die aktuelle geopolitische Lage zunehmen. Das Bundeskriminalamt registrierte allein im vergangenen Jahr mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge über Deutschland. "Am meisten betroffen sind bei uns militärische Einrichtungen, Flüghäfen, aber auch andere kritische Infrastrukturen – etwa Rüstungsunternehmen oder Hafenanlagen", sagte BKA-Präsident Holger Münch der BILD. Als Maßnahme hat die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass der Bundeswehr in besonders schweren Gefährdenlagen Fällen den Abschuss von Drohnen erlaubt.

Der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG Armin Papperger zum Entwicklungsvorhaben: "Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen." Rheinmetall und die Deutsche Telekom sollen genau diese Fähigkeiten bündeln. Telekom könne dabei ihre Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse einbringen, so Telekom-Chef Tim Höttges. Er ergänzt: "Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren."

Im vergangenen Jahr gaben mehr als zwei Drittel der Befragten in einer YouGov-Umfrage an, grundsätzlich mit Sorge auf die jüngsten Drohnensichtungen zu blicken (69 Prozent).

Wie Telekom und Rheinmetall den Luftraum sichern wollen

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland hat die Deutsche Telekom im Polizeiauftrag unerlaubte Drohnenflüge über Spielstätten aufgespürt und lokalisiert. Möglich macht das ein ausgeklügeltes Sensornetzwerk, das der Konzern seit 2017 kontinuierlich weiterentwickelt.

Je nach Gelände und Umgebung werden dabei verschiedene Technologien eingesetzt: Video-, Audio-, Radiofrequenz- (RF) und Remote-ID-Sensoren sowie spezialisiertes Drohnenradar. Besonders bewährt hat sich die RF-Detektion, die passiv arbeitet und keine eigenen Funksignale aussendet – ein entscheidender Vorteil, wenn Sensoren an Mobilfunkmasten montiert werden. Derzeit macht diese Methode nach Telekom-Angaben mehr als 90 Prozent aller Drohnen im unteren Luftraum sichtbar.

Die nächste Herausforderung: Mobilfunk-gesteuerte Drohnen

Doch Detektionssysteme müssen nachrüsten: Immer mehr Drohnen werden nicht per Funkfernbedienung, sondern über Mobilfunknetze gesteuert. Das erschwert die Erkennung erheblich. Gemeinsam mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg erforscht die Telekom, wie sich solche Drohnen aufspüren lassen. Das Mobilfunknetz selbst soll zum Sensor werden, indem es Auffälligkeiten im Datenverkehr identifiziert, die auf Drohnenkommunikation hindeuten. Grundlage ist ein 5G-Standalone-Netzwerk auf Ericsson-Basis, das auf dem Universitätscampus installiert wurde.

Rheinmetall sichert den Hamburger Hafen

Parallel dazu baut der Rüstungskonzern Rheinmetall seine zivile Drohnenabwehr aus. Im Dezember 2025 schlossen Rheinmetall, die Hamburger Polizei und die Hamburg Port Authority eine strategische Partnerschaft zum Schutz des Hafens – einer der anspruchsvollsten Umgebungen für Detektionssysteme überhaupt. Dichte Infrastruktur, maritime Bedingungen und zahlreiche konkurrierende Funkquellen stellen hohe Anforderungen. Rheinmetall, dessen Effektoren bereits in der Ukraine und im Nahen Osten im Einsatz sind, soll maßgeschneiderte Lösungen für kritische Infrastruktur entwickeln.

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