Die diplomatischen Beziehungen der Türkei und Griechenlands stehen immer wieder kurz vor der Zerreißprobe. Jetzt fordert Griechenland eine EU-Intervention, da es immer wieder zu Zwischenfällen in der Ägäis kommt: türkische und griechische Fischer werfen sich gegenseitig Rechtsbrüche vor.
Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit türkischen Fischern in griechischen Gewässern der Ägäis. Sie geben Anlass zu wachsender Besorgnis, da ihre Aktivitäten in den Seegebieten in der Nähe der griechischen Inseln die chronischen Streitigkeiten zwischen Griechenland und der Türkei über Souveränitäts- und Seerechtsfragen in den Vordergrund rücken.
In diesem Zusammenhang wies der griechische Schifffahrtsminister Vassilis Kikilias bei seinem Treffen mit dem EU-Kommissar für Ozeane und Fischerei, Costas Kadis, auf die Herausforderungen hin, mit denen die griechische Fischerei konfrontiert ist. Darunter fallen insbesondere die illegalen Aktivitäten der türkischen Fischer und die Verstöße gegen das internationale Seerecht.
Der Minister für Seeverkehr wies darauf hin, dass er dem Kommissar ein für das Land besonders wichtiges Thema vorgebracht habe, das sowohl die griechischen Fischer als auch den gesamten Fischereisektor betreffe. Gleichzeitig sprach er über das provokative Verhalten der Türkei und verwies dabei auf die illegale Fischerei, die Anfechtung der Hoheitsrechte Griechenlands und die Nichteinhaltung der Regeln des Seerechts.
Kikilias betonte, dass die illegale Fischerei schwerwiegende Probleme verursache, die sofort angegangen werden müssten, da die griechischen Seegrenzen auch die Außengrenzen der Europäischen Union seien. Er forderte ein aktiveres Eingreifen der EU, um substanzielle Lösungen für einen kritischen Sektor der griechischen Wirtschaft, wie die Fischerei, zu finden.
"fishing-gate": Ursachen der Spannungen für die Fischer
Griechischen Quellen zufolge gab es in letzter Zeit viele Fälle, in denen türkische Fischereifahrzeuge in Gebiete eindrangen, die Athen als griechische Hoheitsgewässer oder Zonen griechischer Gerichtsbarkeit betrachtet. Bei einigen Vorfällen waren sogar Schiffe der türkischen Küstenwache anwesend oder wurden von ihnen eskortiert, was die Spannungen in dem Gebiet erhöht hat.
Die Angelegenheit steht in direktem Zusammenhang mit den seit langem bestehenden griechisch-türkischen Streitigkeiten in der Ägäis, z. B. über die Hoheitsgewässer, die Meereszonen und die AWZ, die Fischereirechte sowie die allgemeine Kontrolle in der Ägäis.
Die griechische Seite behauptet, dass sie das internationale Seerecht in vollem Umfang anwendet und die Fischereitätigkeit in den Gebieten unter griechischer Souveränität für illegal hält. Die Türkei hingegen bestreitet einen Teil der griechischen Meeresansprüche und argumentiert, dass der besondere geografische Status der Ägäis einen anderen Ansatz erfordert.
Gleichzeitig äußern griechische Fischer ihre Unzufriedenheit darüber, dass die Anwesenheit großer türkischer Fischereifahrzeuge wirtschaftlichen Druck erzeugt und den Wettbewerb um die Fischbestände der Region verschärft.
Analysten weisen darauf hin, dass selbst kleine Zwischenfälle zwischen Fischereifahrzeugen leicht diplomatische Ausmaße annehmen können, da die Ägäis eines der geopolitisch sensibelsten Gebiete des östlichen Mittelmeers bleibt.
Trotz gelegentlicher Spannungen setzen Athen und Ankara ihre diplomatischen Kontakte fort und betonen, dass sie die Stabilität aufrechterhalten und eine Eskalation in der Region vermeiden wollen.
Die Haltung der Europäischen Union in dieser Frage
Das Thema erreichte kürzlich das Europäische Parlament, nachdem Ankara auf die griechischen Fischereicharter in der Ägäis reagiert hatte. Der Europaabgeordnete Freddy Beleris hat eine Anfrage an die Europäische Kommission gestellt, in der er um eine Klärung der Haltung der EU zu den türkischen Herausforderungen bittet, da diese Aktionen direkt die Außengrenzen der Europäischen Union berühren.
EU-Quellen zufolge vermeidet es die Kommission, sich in die griechisch-türkischen Ansprüche einzumischen, hat aber immer wieder darauf hingewiesen, dass Griechenland ein EU-Mitgliedstaat ist und dass seine souveränen Rechte mit der europäischen Rechtsordnung verbunden sind.
Gleichzeitig legt die Europäische Kommission besonderen Wert auf die Bekämpfung der illegalen Fischerei und den Schutz der Meeresressourcen im Mittelmeer. In jüngsten Erklärungen hat sie unterstrichen, dass die Fischereivorschriften im Einklang mit dem europäischen und internationalen Recht angewandt werden müssen, und zu einer verstärkten Zusammenarbeit und Überwachung in den europäischen Meeren aufgerufen.