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US-Truppen in Polen auf der Kippe? Vance dementiert Abzug

US-Vizepräsident J. D. Vance bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, 19. Mai 2026.
US-Vizepräsident J. D. Vance bei einem Pressebriefing im Weißen Haus am 19.05.2026. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Lukasz Aftanski
Zuerst veröffentlicht am
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US-Vizepräsident JD Vance hat Berichte über einen möglichen Abzug amerikanischer Truppen aus Polen zurückgewiesen und von einer "normalen Verzögerung" bei der Rotation gesprochen.

"Wir haben die Verlegung der Truppen nach Polen verschoben. Das ist kein Abzug, sondern lediglich eine normale Verzögerung bei der Rotation", sagte US-Vizepräsident JD Vance am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

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Zuvor hatte es widersprüchliche Signale aus dem Pentagon zu möglichen Kürzungen der US-Truppenpräsenz in Europa gegeben, von denen offenbar auch Polen betroffen sein könnte. Dabei war polnischen Regierungsvertretern in Washington mehrfach versichert worden, dass dies nicht der Fall sein werde.

Auslöser der Debatte war der Stopp einer geplanten Truppenrotation: Rund 4.000 US-Soldaten sollten ursprünglich zu Stützpunkten in Polen verlegt werden, die Entsendung wurde jedoch vorerst ausgesetzt. Die Berichte darüber, die zunächst nicht offiziell von der US-Regierung bestätigt wurden, sorgten sowohl in der amerikanischen Opposition als auch in der polnischen Regierung für Irritationen.

Während eines Briefings im Weißen Haus wurde Vance am Dienstag von einem Journalisten gefragt, warum die USA "Wladimir Putin belohnen und gleichzeitig ihren besten Verbündeten Polen bestrafen", indem sie die Zahl der US-Soldaten im Land verringern würden.

Vance: "Kein Abzug, sondern eine übliche Verzögerung"

"Wir haben die Zahl der US-Soldaten in Polen nicht um 4.000 reduziert. Wir haben lediglich die Verlegung der Truppen verschoben, die nach Polen entsandt werden sollten. Das ist kein Abzug, sondern nur eine normale Verzögerung bei der Rotation, wie sie in solchen Situationen manchmal vorkommt", sagte Vance.

Dabei lobte er zugleich US-Präsident Donald Trump: "Niemand hat mehr dafür getan, das Überleben der Ukraine nach der russischen Invasion zu sichern, als Donald Trump." Vance betonte zudem: "Wir lieben Polen und wir lieben die Polen."

Die Verzögerung würde ihm zufolge im Zusammenhang mit einer umfassenderen Überprüfung der amerikanischen Militärpräsenz in Europa stehen. "Das grundlegende Problem ist folgendes: Polen ist mit starker Unterstützung der USA in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Wir sprechen nicht über einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Europa. Wir sprechen darüber, einige Ressourcen so zu verlagern, dass die Sicherheit Amerikas maximiert wird" sagte Vance.

Dies sei aus seiner Sicht "nichts Schlechtes für Europa", sondern ermutige die europäischen Staaten vielmehr dazu, "mehr Verantwortung zu übernehmen" – ein Argument, das auch Trump in der Vergangenheit wiederholt mit Blick auf Europas Verteidigungsfähigkeit vorgebracht hatte.

Zugleich erklärte Vance, die USA könnten "nicht der Polizist der Welt" sein. Wie genau die Neuausrichtung der US-Militärpräsenz aussehen könnte, sei derzeit noch offen. "Diese Truppen könnten an einen anderen Ort in Europa verlegt werden. Vielleicht entscheiden wir uns auch dafür, sie woandershin zu schicken. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen", sagte Vance.

Pentagon: Polen ist ein "vorbildlicher Verbündeter"

Eine ähnliche beschwichtigende Botschaft kam nach den Aussagen von Vance auch vom Sprecher des Pentagons. "Das Ministerium hat die Gesamtzahl der Brigade Combat Teams (BCT), die Europa zugeteilt sind, von vier auf drei reduziert. Damit kehren wir zum BCT-Niveau in Europa von 2021 zurück", schrieb Pentagon-Sprecher Sean Parnell auf X.

Die Entscheidung sei das Ergebnis eines "umfassenden, mehrstufigen Prozesses" zur Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa gewesen. Dies führe zu einer "vorübergehenden Verzögerung" bei der Stationierung von US-Truppen in Polen, das laut Parnell ein "vorbildlicher Verbündeter" der USA sei.

Telefonat zwischen Warschau und Washington

Zuvor hatte das polnische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Verteidigungsminister und Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz noch vor der Pressekonferenz von Vance mit US-Kriegsminister Pete Hegseth telefoniert habe.

"Derzeit läuft ein Prozess der Umgruppierung von US-Streitkräften und militärischen Ressourcen in Europa. Eine Entscheidung über eine Verringerung der Fähigkeiten der US-Streitkräfte in Polen wurde jedoch nicht getroffen. Die derzeit getroffenen Entscheidungen richten sich in keiner Weise gegen unsere strategische Partnerschaft", schrieb Kosiniak-Kamysz auf X.

Er fügte hinzu, dass das Pentagon derzeit einen neuen Plan für die Stationierung amerikanischer Truppen in ganz Europa vorbereite. Ähnlich äußerte sich auch der polnische Präsidentenpalast. Der Sprecher von Präsident Karol Nawrocki erklärte im Radiosender Radio ZET, die Regierung könne "auf die Unterstützung des Präsidenten zählen", nun liege das Handeln jedoch "auf Seiten der Regierung – und so sollte es auch sein".

"Präsident Nawrocki hat das mehrfach betont. Dank seiner guten Beziehungen zu Präsident Donald Trump erhielt er bereits im September im Weißen Haus die Bestätigung, dass die US-Soldaten in Polen bleiben werden", sagte Rafał Leśkiewicz, Sprecher des polnischen Präsidenten, mit Verweis auf den Besuch Nawrockis in Washington im vergangenen Jahr.

Zugleich betonte er, vieles bewege sich derzeit noch "im Bereich von Spekulationen und medialen Vermutungen". Konkrete weitreichende Entscheidungen gebe es bislang nicht. Sowohl Mitarbeiter des Präsidenten als auch vor allem die Regierung arbeiteten jedoch an dem Thema.

Seit Dienstag befindet sich zudem eine Delegation des polnischen Verteidigungsministeriums in den USA, zu der unter anderem die stellvertretenden Verteidigungsminister Cezary Tomczyk und Paweł Zalewski gehören. Der Besuch steht in direktem Zusammenhang mit den aktuellen Entscheidungen der US-Regierung zur Truppenpräsenz in Europa.

Ab Mittwoch ist eine Reihe von Gesprächen im US-Kongress geplant.

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