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Sabotage ganz ohne Raketen: So funktioniert hybrieder Krieg mit KI

EU-Abgeordneter Michał Kobosko (Renew Europe) spricht mit Euronews über Risiken von KI.
EU-Abgeordneter Michał Kobosko (Renew Europe) spricht bei Euronews über Risiken von KI. Copyright  Paweł Głogowski / Euronews
Copyright Paweł Głogowski / Euronews
Von Mateusz Jaronski
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"Man muss nicht schießen, keine Drohnen oder Raketen auf uns hetzen, um zu versuchen, die Gesellschaft zu schwächen", sagt ein Experte zu Euronews. Die Gefahr liegt ganz woanders.

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einem der wichtigsten Werkzeuge im globalen Wettbewerb. Sie kann Wirtschaft, Bildung und Sicherheit voranbringen, lässt sich aber ebenso leicht nutzen, um Staaten zu destabilisieren und Gesellschaften zu manipulieren.

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Auf der PIKE-Konferenz 2026 in Sopot sprach der Europaabgeordnete Michał Kobosko aus der Fraktion Renew Europe im Gespräch mit Euronews über Chancen und Risiken der KI.

Technologie entwickelt sich schneller als Regulierung

Die Frühlingskonferenz PIKE 2026 findet in einer entscheidenden Phase für den europäischen Digitalmarkt statt.

Die Debatten in Sopot kreisen vor allem um den neuen Entwurf des Digital Networks Act (DNA). Das Regelwerk soll den Telekommunikationsmarkt in der Europäischen Union ordnen und den Aufbau europäischer digitaler Souveränität beschleunigen.

Vertreter der Telekombranche warnen jedoch, dass die Zahl neuer Vorgaben schneller wächst, als sich der Markt anpassen kann.

Netzbetreiber fordern vor allem stabile und berechenbare Regeln.

Gleichzeitig beeinflusst künstliche Intelligenz Wirtschaft und gesellschaftliches Leben immer stärker. Nach Ansicht von Michał Kobosko muss Europa schneller reagieren, denn das Tempo des technologischen Wandels ist heute beispiellos.

„Ich war vor Kurzem mit einer Delegation des Europäischen Parlaments in den Vereinigten Staaten an der Harvard University. Als ich die Wissenschaftler nach ihren langfristigen Prognosen für KI fragte, antworteten die Amerikaner: Eine lange Perspektive, das sind drei, vier Jahre“, sagte der Abgeordnete.

Kobosko betonte jedoch, dass künstliche Intelligenz weiterhin nur ein Werkzeug bleibt, das auf Daten und Algorithmen basiert.

Seiner Ansicht nach liegt der größte Fehler der Nutzer darin, Antworten der KI unkritisch zu übernehmen.

„Wir sollten künstlicher Intelligenz nicht blind vertrauen, denn sie versteht viele Nuancen und Grautöne nicht“, betonte er.

Der Renew-Europe-Abgeordnete Michał Kobosko spricht mit Euronews über Gefahren der KI.
Der Renew-Europe-Abgeordnete Michał Kobosko spricht mit Euronews über Gefahren der KI. Paweł Głogowski / Euronews.

KI als Waffe im Informationskrieg

Eines der zentralen Themen des Gesprächs waren Deformation und Cybersicherheit.

Der Abgeordnete zeigte sich überzeugt, dass autoritäre Staaten KI schon heute für hybride Angriffe einsetzen.

„Wir leben im Zeitalter von Fake News, Mythen, falschen Informationen – oder, klarer gesagt, von gezielten Lügen“, sagte er.

Nach Einschätzung Koboskos agiert vor allem Russland besonders aktiv und nutzt moderne Technologien, um westliche Gesellschaften zu schwächen.

Das betreffe nicht nur Propaganda, sondern auch massenhafte Cyberangriffe auf staatliche Institutionen und private Unternehmen.

Seit der russischen Aggression gegen die Ukraine hat die Zahl der Cyberangriffe auf europäische Staaten stark zugenommen.

Polen gilt heute als am stärksten angegriffener Staat in der Europäischen Union. Darauf verwies bereits der Vizepremier und Digitalisierungsminister Krzysztof Gawkowski im Interview mit Euronews beim Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice.

Der Europaabgeordnete Marcin Kobosko teilt die Einschätzung von Vizepremier Gawkowski.

„Man muss nicht schießen, keine Drohnen oder Raketen auf uns hetzen, um zu versuchen, die Gesellschaft zu schwächen. Genau darin liegt heute die reale Gefahr“, sagte Kobosko.

„Wie Premier Gawkowski zu Recht betont – das höre ich auch von Marktteilnehmern: So etwas hat es in diesem Ausmaß noch nie gegeben. Seit 2022, also seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, verzeichnen wir einen gewaltigen Anstieg der Attacken von Monat zu Monat. Das ist eine enorme Sorge und ein großes Problem für den polnischen Staat. Ich weiß, dass heute viele Anstrengungen unternommen werden – zivil, durch unsere Dienste und durch die Armee –, um gegen Deformation anzukämpfen. Denn wir leben in der Realität eines hybriden Krieges“, fügte er hinzu.

Der Abgeordnete betonte, dass eine Antwort auf diese Bedrohungen nur in enger Zusammenarbeit der EU-Staaten möglich ist.

Die EU-Institutionen arbeiten derzeit an neuen Instrumenten, um Cyberangriffe und Deformation besser zu bekämpfen.

Arbeitsmarkt vor rasanter Umwälzung?

Viel Diskussionsstoff liefert auch der Einfluss künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt.

Nach Ansicht Koboskos werden viele einfache Tätigkeiten schneller automatisiert, als Expertinnen und Experten heute erwarten. Das bedeute jedoch nicht, dass ganze Berufsbilder vollständig verschwinden.

Der Abgeordnete zeigte sich überzeugt, dass sich Gesellschaften schrittweise an die neuen Bedingungen anpassen werden und rund um KI neue Spezialisierungen und ganze Wirtschaftszweige entstehen.

„Es entsteht eine riesige Branche, die sich mit dem Betrieb und der Betreuung künstlicher Intelligenz befasst. Das passiert bereits jetzt“, betonte er.

Als Beispiel nannte er die Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer im Europäischen Parlament. Zwar werde KI beim Übersetzen immer besser, doch spezialisierte Fachleute blieben seiner Meinung nach unverzichtbar – vor allem dort, wo sprachliche Präzision und rechtlicher Kontext entscheidend sind.

„Bei vielen einfachen Tätigkeiten werden Menschen den Algorithmen unterliegen. Aber ich glaube nicht, dass spezialisierte Berufe von einem Tag auf den anderen vollständig ersetzt werden können“, beruhigte Kobosko.

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