Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

IQ-Booster Ernährung? So können Kinder 10 Punkte schlauer werden

Kind in Belarus, Archiv
Kind in Belarus, Archiv Copyright  BelTA
Copyright BelTA
Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Eine Analyse von 73 Studien legt nahe: Die Ernährung in den ersten Lebensjahren beeinflusst die spätere geistige Entwicklung. Besonders Eisen, Jod und Zink spielen offenbar eine Schlüsselrolle für IQ und kognitive Fähigkeiten.

Was Kinder in den ersten Lebensjahren essen, könnte Auswirkungen auf ihre Intelligenz haben. Das legt eine umfassende Analyse internationaler Forschungsarbeiten nahe. Demnach stehen bestimmte Ernährungsweisen sowohl im Kleinkindalter als auch während der Pubertät mit der späteren kognitiven Leistungsfähigkeit in Verbindung.

WERBUNG
WERBUNG

Ein Forschungsteam der britischen Swansea University wertete insgesamt 73 wissenschaftliche Studien aus. Darunter befanden sich sowohl Langzeituntersuchungen als auch Studien, in denen gezielt Ernährungsmaßnahmen getestet wurden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Advances in Nutrition" veröffentlicht.

Besonders sensible Phasen der Gehirnentwicklung

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf zwei Lebensabschnitte: die ersten Lebensjahre und die Pubertät. Beide Phasen gelten als Zeiten besonders intensiver Gehirnentwicklung. Während sich in den ersten zwei Lebensjahren grundlegende neuronale Strukturen ausbilden, kommt es während der Adoleszenz zu einer erneuten Umorganisation zahlreicher Hirnnetzwerke.

Nach Einschätzung der Forscher reagiert das Gehirn in diesen Entwicklungsfenstern besonders empfindlich auf eine unausgewogene Ernährung. Defizite bei wichtigen Nährstoffen könnten daher langfristige Folgen haben.

Obst, Gemüse und Vollkorn mit positiven Effekten verbunden

Die deutlichsten Zusammenhänge fanden die Wissenschaftler bei Kindern unter drei Jahren. Mehrere Langzeitstudien zeigten, dass eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Milchprodukten später mit besseren Ergebnissen bei Intelligenztests verbunden war.

Im Gegensatz dazu standen stark verarbeitete Lebensmittel und zuckerreiche Produkte häufig mit niedrigeren kognitiven Leistungen in Zusammenhang. Die Effekte waren insbesondere im ersten Lebensjahr ausgeprägt.

Eine niederländische Untersuchung, die rund 1.900 Kinder über viele Jahre begleitete, ergab zudem einen Zusammenhang zwischen ungünstigen Ernährungsgewohnheiten im Säuglingsalter und einer geringeren Ausprägung der weißen Hirnsubstanz im Alter von zehn Jahren. Kinder mit weniger weißer Substanz erzielten später tendenziell niedrigere IQ-Werte.

Bei einem behobenen Mangel von Jod, Zink und Eisen könnte der kann der durchschnittliche IQ weltweit um bis zu zehn Punkte angehoben werden, so Studien.

Eisen spielt eine Schlüsselrolle

Besondere Aufmerksamkeit richteten die Forscher auf die Versorgung mit Eisen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass eisenreiche Nahrung zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat mit besseren kognitiven Ergebnissen verbunden sein kann.

Umgekehrt zeigte sich, dass ein Eisenmangel in der frühen Kindheit noch Jahre später mit Einschränkungen bei Aufmerksamkeit, räumlichem Denken, Rechenleistungen und kognitiver Kontrolle zusammenhängen kann. Auffällig war dabei, dass eine spätere Behandlung die Defizite offenbar nicht vollständig ausgleichen konnte.

Neben Eisen untersuchten die Wissenschaftler auch weitere Nährstoffe wie Jod, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Cholin und verschiedene Vitaminkombinationen.

Uneinheitliche Ergebnisse bei Jugendlichen

Während die Befunde für Kleinkinder vergleichsweise konsistent ausfielen, zeigte sich bei Jugendlichen ein differenzierteres Bild. Zusätzliche Mengen an Eisen oder Jod führten vor allem dann zu Verbesserungen, wenn zuvor tatsächlich ein Mangel bestand.

Bei Vitamin D konnten die Forscher dagegen kaum positive Effekte auf die Intelligenz feststellen. Auch die Ergebnisse zu Omega-3-Fettsäuren fielen nicht einheitlich aus.

Interessant war jedoch ein Detail: Positive Auswirkungen zeigten sich vor allem dann, wenn der Omega-3-Spiegel im Blut einen bestimmten Wert überschritt. Allein die Einnahme entsprechender Präparate genügte offenbar nicht. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, ob die Fettsäuren tatsächlich vom Körper aufgenommen werden.

Insgesamt hatten alle Studien jedoch eine Sache gemeinsam: Gesündere Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst, Gemüse sowie Milchprodukten gehen bei Jugendlichen mit einer höheren verablen Intelligenz sowie einem höheren IQ-Wert einher. Eine zuckerreiche Ernährung ging mit einer Minderung der Intelligenz einher.

Forscher mahnen zur Vorsicht

Trotz der insgesamt deutlichen Hinweise warnen die Autoren vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Die ausgewerteten Studien unterschieden sich teilweise erheblich in ihrer Methodik, ihren Messverfahren und den untersuchten Altersgruppen.

Zudem sei Intelligenz ein komplexes Merkmal, das von zahlreichen Faktoren beeinflusst werde. Neben der Ernährung spielen unter anderem genetische Voraussetzungen, Bildung, familiäres Umfeld und soziale Bedingungen eine wichtige Rolle.

Für zukünftige Studien empfehlen die Wissenschaftler deshalb eine genauere Einteilung nach biologischen Entwicklungsphasen sowie die Nutzung von Biomarkern, um die tatsächliche Nährstoffaufnahme objektiver erfassen zu können.

Die aktuelle Analyse liefert weitere Hinweise darauf, dass eine ausgewogene Ernährung in frühen Lebensphasen die geistige Entwicklung unterstützen kann. Besonders in den ersten Lebensjahren scheint die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen eine bedeutende Rolle zu spielen. Ob und in welchem Ausmaß einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe die Intelligenz beeinflussen, muss jedoch weiterhin genauer untersucht werden.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Beeren und Co.: Warum Flavanole für herzgesunde Ernährung entscheidend sind

Mediterrane Ernährung beeinflusst den Erfolg der künstlichen Befruchtung

Ernährung der Kinder von Hundertjährigen: neue Studie gibt Hinweise