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NATO-Wettbewerb: Litauische Schülerin gewinnt Panzerfahrt mit der Bundeswehr

Die litauische Schülerin Kamilė hat eine Panzerfahrt mit der Bundeswehr gewonnen. Die hat die vergangenen Wochen auf dem Truppenübungsplatz Pabradė nahe Belarus geübt.
Die litauische Schülerin Kamilė hat eine Panzerfahrt mit der Bundeswehr gewonnen. Die hat die vergangenen Wochen auf dem Truppenübungsplatz Pabradė nahe Belarus geübt. Copyright  Euronews/Franziska Müller
Copyright Euronews/Franziska Müller
Von Franziska Müller & Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Bis Ende 2027 soll die Litauen-Brigade mit 5.000 deutschen Soldaten nahe der belarussischen Grenze stationiert werden. Eine litauische Schülerin hat die Bundeswehr dort bereits kennengelernt. Sie hat in einem Essay-Wettbewerb eine Panzerfahrt gewonnen.

Spätestens Ende des kommenden Jahres sollen 5.000 deutsche Soldaten langfristig zwischen der litauischen Hauptstadt Vilnius und der belarussischen Grenze stationiert werden: die sogenannte Litauen-Brigade 45. Im Mai und Juni fand eine große Übung statt und mittendrin stand die litauische Schülerin Kamilė V.

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Denn sie hat in einem NATO-Essaywettbewerb eine Panzerfahrt mit der Bundeswehr gewonnen. Euronews hat sie kurz davor auf dem Truppenübungsplatz in Pabradė getroffen. Dort durfte die Schülerin Soldaten aus dem Panzergrenadierbataillon, das der Brigade 45 bereits unterstellt ist, begleiten. Sie haben gerade die fast sechswöchige Übung Freedom Shield hinter sich gebracht.

Unweit der Grenze zu Belarus trainieren Soldaten aus acht NATO-Staaten verschiedene Gefechtsszenarien. Der deutsche Anteil von 2.300 Soldaten ist eine Vorbereitung auf die geplante Litauen-Brigade. Geübt wurde jetzt der Zusammenhalt der Streitkräfte im Bündnis an der Ostflanke.

Hauptgewinn Panzerfahrt

Kamilė steht jetzt neben der Reihe von mehreren Dutzend Panzern verschiedenster Generationen, weil sie an einem jährlichen Aufsatzwettbewerb der litauischen Behörden teilgenommen hat.

"Ich habe erstmal geschrieben, was überhaupt hybride Bedrohungen sind und welche Auswirkungen sie auf uns haben. Und dann habe ich auch noch geschrieben, wie junge Menschen helfen könnten, sich gegen die Gefahr zu wappnen", erklärt Kamilė Euronews.

Sie beschäftigte sich damit, was junge Menschen "überhaupt gegen hybride Bedrohungen machen könnten". Mit diesem Aufsatz gewann sie im Essay-Wettbewerb des Verteidigungsministeriums den ersten Preis. Ihre Schule bezeichnete sie als "Stolz des Gymnasiums".

Philipp vom Panzergrenadierbataillon 122 zeigt der litauischen Schülerin Kamilė den Puma, bevor sie eine Runde mitfahren darf.
Philipp vom Panzergrenadierbataillon 122 zeigt der litauischen Schülerin Kamilė den Puma, bevor sie eine Runde mitfahren darf. Euronews/Franziska Müller

"Kamilės Erfolg ist außergewöhnlich, nicht nur wegen der hohen Bewertung, sondern auch wegen der gewählten Sprache ihres Essays, heißt es auf der Webseite der Schule. Die Schülerin habe ihren Essay auf Deutsch verfasst und damit nicht nur Kreativität bewiesen, sondern auch hervorragende Fremdsprachenkenntnisse.

Bei der Preisverleihung übergab der deutsche Botschafter in Litauen, Dr. Cornelius Zimmermann, ihr eine Einladung. Sie darf die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Pabradė besuchen.

Besuch bei der Litauen-Brigade

Für Kamilė war das Thema allgegenwärtig. "Junge Menschen sind sehr viel auf Social Media und können dort auch Probleme und Konflikte zwischen Ländern sehen", erklärt sie. In ihrem Aufsatz betonte sie kritisches Denken, "das könnte uns sehr helfen", beispielsweise um Desinformation und falsche Informationen aufzudecken.

Die Schülerin spricht während ihres Besuches bei der Brigade 45 von einer Chance. "Es wird eine sehr große Erinnerung für mich sein", sagt sie. "Also auf jeden Fall bin ich sehr aufgeregt", sagt sie auf dem Truppenübungsplatz zwischen mehreren Dutzend Panzern. "Ich glaub, es wird auf jeden Fall ganz anders sein als mit dem Auto oder mit dem Bus oder mit dem Zug oder so". Als Gewinn darf sie eine Runde mit dem Panzer drehen.

Die Litauen-Brigade soll mit 5.000 Soldaten der Bundeswehr die NATO-Ostflanke besser schützen.
Die Litauen-Brigade soll mit 5.000 Soldaten der Bundeswehr die NATO-Ostflanke besser schützen. Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.

Die geplante deutsche Unterstützungsbrigade kommt in Litauen größtenteils positiv an, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Botschaft aus dem Juni 2025 zeigt. 72 Prozent finden die deutsche Truppe nahe Pabradė gut, 13 Prozent sprachen sich dagegen aus, 15 Prozent gaben an, darauf nicht antworten zu können. Befragte, die die Brigade positiv sehen, bestätigten, dass sie die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit Litauens verbessern werde. Panzerfahrten werden dort unweit der Hauptstadt auch als Ausflugserlebnis für Gruppen angeboten.

Nach Einschätzung der Litauer ist die Verteidigung das zweitwichtigste Feld der Beziehungen mit Deutschland. Lediglich die Wirtschaft und Handel steht davor.

Kamilė: "Sieht aus wie eine Playstation Konsole"

Kamilė läuft an verschiedensten Fahrzeugen vorbei, bis ihr Philipp entgegenkommt. Er führt sie direkt zu den Pumas des Panzergrenadierbataillons 122, das ursprünglich in Oberviechtach stationiert ist. Für die Brigade Litauen soll es vollständig ins Baltikum verlegt werden.

Sie dürfe alles fragen, bietet Philipp Kamilė an und erklärt das Fahrzeug. "Wir können uns das Ganze gerne mal anschauen. Früher war es so, da ist man im Turm drin gesessen, hat sich mitbewegt mit dem Fahrzeug und das ist jetzt nicht mehr der Fall", erklärt er, während er über den Panzer auf den Aufbau zeigt. Jetzt werde der Turm aus besseren Sicherheitsgründen ferngesteuert. Das System habe sich weiterentwickelt.

Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach fährt mit Puma-Panzern (Symbolbild).
Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach fährt mit Puma-Panzern (Symbolbild). (c) Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

"Dann haben wir einmal obendrauf eine 30 Millimeter Maschinenkanone mit einer Kadenz von ungefähr 200 Schuss die Minute, ist aber mechanisch gedrosselt, sodass wir Munition sparen", erklärt Philipp die Schussfrequenz des Panzers.

Für Philipp zeichnet die Panzergrenadiere aus, dass sie sowohl aufgesessen - also auf dem Panzer - als auch abgesessen Feuerkampf führen können. Das erhöhe das Einsatzspektrum deutlich, so ist beispielsweise auch der Häuser- oder Grabenkampf für diese Truppe kein Problem. Das Bataillon besteht aus 600 Soldaten in vier Kompanien.

"Also ehrlich gesagt, dachte ich, dass es irgendwie mehr Platz da drin sein würde und es ist sehr eng", sagt Kamilė nach ihrem ersten Blick in das Innere des Panzers. Philipp habe ihr erzählt, dass auch noch sehr viele Waffen und andere Sachen dort drinnen seien und dass auch die selbst Soldaten sehr viel anhaben und dadurch noch weniger Platz sei. Während sie mit Philipp den Puma von innen ansieht, müssen Medien draußen bleiben. Fotos und Aufnahmen des Inneren sind nicht erlaubt.

"Da sind sehr viele kleine Geräte, Knöpfe und auch diese Lenkungen, das sieht aus wie eine Playstation Konsole", so Kamilė. "Also, es ist sehr aufregend."

Sie war überrascht vom Inneren des Panzers, erklärt Kamile Euronews.
Sie war überrascht vom Inneren des Panzers, erklärt Kamile Euronews. Euronews/Franziska Müller

Mit ihrer Vorstellung hatte die Führung in das Innere des Pumas am Ende wenig zu tun, erklärt die Litauerin Euronews. Auf die Fahrt mit dem schweren Gerät der Bundeswehr über den Übungsplatz freut sie sich sehr. Den Besuch von Streitkräften beschreibt ihre Schule als Erfahrung, um ihre Bedeutung für die Sicherheit des Landes kennenzulernen. Denn der Wettbewerb soll letztendlich die Bedeutung des NATO-Bündnisses hervorheben.

Nachdem sie das Modell Puma kennengelernt hat, durfte sie mit dem aktuelleren Leopard-Panzer fahren. "Besonders beeindruckend fand ich auch die Größe vom Panzer und die moderne Technik und wie es von drinnen aussah". Sie durfte auf allen vier Sitzen, die es im Leopard gibt, einmal Platz nehmen und auch den oberen Teil des Panzers bewegen, erzählt Kamilė Euronews.

NATO-Wettbewerb zur Sicherheit Litauens

Einmal im Jahr schreibt das Verteidigungsministerium in Litauen einen Aufsatzwettbewerb aus, zum Jahrestag des NATO-Beitritts werden die Gewinner ausgezeichnet. In diesem Jahr haben mehr als 400 Schüler und Schülerinnen teilgenommen, so viele wie noch nie. Im vergangenen Jahr lag der neue Teilnahmerekord noch bei 270.

Der Essay-Wettbewerb für Schüler wird unter dem Thema "Wir sind die NATO" ausgerufen, "Mes esamo NATO" auf Litauisch. Teilnehmer konnten ihre Aufsätze in Litauisch, Polnisch, Englisch, Deutsch oder Französisch verfassen. Einen der 400 Beiträge hat die Schülerin Kamilė V. geschrieben. Sie wählte das Thema "NATO und hybride Bedrohungen". Zur Auswahl standen zwei weitere: "Litauen beim NATO-Jugendgipfel vertreten" und "Brief an die Zukunft". In jedem Fall sollte die junge Generation im Fokus der Arbeiten stehen.

"Die gestiegene Teilnehmerzahl zeigt, dass junge Menschen an den aktuellen Fragen der litauischen NATO-Mitgliedschaft interessiert sind", erklärte Karolis Aleksa, stellvertretender Verteidigungsminister bei der Auszeichnung am 27. März 2026 im litauischen Seimas, dem Parlament, wie das Nachrichtenportal 15min.lt berichtet. Junge Menschen würden ihm zufolge die Nachrichten aktiv verfolgen und konstruktive Vorschläge zur Bewältigung der Herausforderungen des Bündnisses haben.

"Ich bin mir nahezu sicher, dass einige von ihnen künftig dem nationalen Verteidigungssystem beitreten und zu einem sichereren Litauen beitragen werden“, so Karolis Aleksa, stellvertretender Verteidigungsminister.

Der Wettbewerb zur NATO findet seit acht Jahren statt, bisher stetig bei steigendem Interesse. Veranstaltet wird er von der Abteilung für Mobilisierung und Zivilschutz im Verteidigungsministerium.

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