Ukraines EU-Botschafter Wsewolod Tschentsoz (auch: Vsevolod Chentsov) fordert Beitrittsgespräche mit Fokus auf Inhalte statt auf Begrifflichkeiten, Kyjiw drängt auf einen raschen Fortschritt im EU-Aufnahmeprozess.
Eine schrittweise Einbindung der Ukraine in die EU kann die Vorteile der Erweiterung frühzeitig spürbar machen. Doch der Schwerpunkt sollte auf Inhalten liegen, nicht auf Begrifflichkeiten. Das sagt Kyjiws Botschafter in Brüssel im Gespräch mit Euronews.
In den vergangenen Wochen haben europäische Hauptstädte verschiedene Reformideen für den EU-Beitrittsprozess ins Spiel gebracht, darunter ist Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz für einen Status einer "assoziierten Mitgliedschaft“, der Sicherheitsgarantien einschließen würde.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält dagegen: Die Ukraine habe Anspruch auf eine volle Mitgliedschaft, nicht auf irgendeine Form einer Teilbeteiligung.
"Konzentrieren wir uns nicht auf den Begriffe, sondern auf den Inhalt“, sagt Wsewolod Tschentsov (auch: Vsevolod Chentsov), der Leiter der Mission der Ukraine bei der Europäischen Union, am Montag im Interview mit Euronews.
Tschentsow betont, dass nicht nur Deutschland nach Wegen sucht. Andere Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission prüfen ebenfalls, wie sie die Ukraine schrittweise in die Union integrieren können.
"Die Idee ist sinnvoll. Wir müssen unsere Partnerschaft vertiefen, unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit und die institutionellen Strukturen. Es gibt mehrere Ansätze, um die Ukraine näher heranzuführen. Wir müssen nur gemeinsam dafür sorgen, dass die Ukraine die Vorteile der Erweiterung schon in dieser Phase spürt“, fordert er.
Ukraine und Moldau sind einen Schritt weiter
In der vergangenen Woche haben die Ukraine und Moldau einen weiteren Meilenstein im Erweiterungsprozess erreicht. Alle EU-Länder einigten sich darauf, voranzugehen und den zweiten von sechs Beitrittsclustern zu öffnen, auch wenn die formelle Bestätigung erst am 14. Juli erfolgen soll.
Die Ukraine und die EU-Kommission haben in den vergangenen Wochen darauf gedrängt, alle verbleibenden Cluster gleichzeitig zu öffnen. Sie verweisen darauf, dass die Vorarbeit bereits geleistet wurde, als der Beitrittsantrag Kyjiws noch durch den damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán blockiert war.
Seit Orbán im April nach einem überwältigenden Wahlsieg von Péter Magyar aus dem Amt gedrängt wurde, zeigt Budapest langsam mehr Bereitschaft, den Prozess voranzutreiben. Zugleich widersteht die Regierung dem Druck, das Tempo aus innenpolitischen Gründen zu stark zu erhöhen.
"Wir sind bereit, heute alle EU-Beitrittscluster zu öffnen“, erklärt Tschentsow. "Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, dieses Verfahren weiter aufzuschieben. Wir müssen so schnell wie möglich vorankommen.“