EZB-Chefin Christine Lagarde weist im exklusiven Euronews-Interview Vorwürfe zurück, der digitale Euro solle Bargeld ersetzen oder Zahlungen überwachen. Im Europaparlament beginnt eine neue Phase der Gesetzesarbeit: der Euro soll "erneuert" werden.
Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Ziel sei ausdrücklich nicht, Zahlungen nachzuverfolgen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Exklusivinterview mit Euronews und wies damit Behauptungen zurück, das Projekt solle Bürger überwachen.
Das Europäische Parlament hat am Donnerstag sein Verhandlungsmandat verabschiedet. Damit rückt ein Beschluss bis Ende 2026 näher, nach monatelang stockenden Gesprächen.
Der Vorschlag stieß zunächst auf Kritik von Abgeordneten. Sie warnten, der digitale Euro könnte den Datenschutz schwächen und die Bedeutung von Banknoten und Münzen als Zahlungsmittel zurückdrängen.
„Ich freue mich sehr, dass das Parlament mit großer Mehrheit das Mandat für diese Verhandlungen erteilt hat, die hoffentlich bis Dezember abgeschlossen sind“, sagte Lagarde in der Sendung The Europe Conversation mit Maria Tadeo.
Die EZB-Präsidentin erklärte, der digitale Euro solle das öffentliche Geld – bisher vor allem in Form von Bargeld – ins digitale Zeitalter führen. Der Wettbewerb zwischen Währungsräumen nehme zu. Wie Scheine und Münzen hätte auch der digitale Euro den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels.
„Bargeld und digitaler Euro werden beide gesetzliches Zahlungsmittel sein. Das bedeutet: Niemand in Europa kann sagen: ‚Tut mir leid, ich nehme Ihre Banknoten nicht an‘“, so Lagarde.
Sie kündigte zudem an, die EZB werde bis Jahresende eine neue Banknotenstrategie vorstellen.
"Bargeld wird nicht verschwinden, es wird erneuert"
„Wir werden Vorschläge für das neue Design und das neue Erscheinungsbild unserer Banknoten vorlegen. Bargeld wird nicht verschwinden, es wird erneuert“, sagte sie.
Im Kern soll der digitale Euro nach ihren Worten auch Europas strategische Autonomie bei Zahlungen und der Abwicklung von Transaktionen stärken.
Der Großteil der Kartenzahlungen in Europa läuft heute über ausländische Zahlungsnetzwerke. Vor diesem Hintergrund drängen EU-Politikerinnen und -Politiker auf eine eigene Lösung, zumal die geopolitischen Spannungen die Abhängigkeit der EU von meist US-basierten Anbietern deutlich machen.
„Am liebsten wäre mir eine europäische Lösung. Die haben wir im Moment nicht. Wenn Sie bezahlen, nutzen Sie in den meisten Fällen – in 60 Prozent der Fälle – eine Zahlungsinfrastruktur, die sich in ausländischem Besitz befindet“, sagte Lagarde unter Verweis auf EZB-Daten zu Kartenzahlungen.
„Wir sind in hohem Maß von US-Netzwerken abhängig, zum Teil auch von chinesischen Anbietern. Wir brauchen eine europäische Lösung, weil wir zu Hause souverän sein wollen“, sagte sie.