Die Löscharbeiten liefen auch nachts weiter. Laut Behörden waren 500 Einsatzkräfte bis zum Morgengrauen im Einsatz, unterstützt aus der Luft. Die Flammen haben bereits mehr als 6.600 Hektar zerstört.
Im spanischen Andalusien gilt nach dem verheerenden Brand bei Los Gallardos inzwischen eine dreitägige Staatstrauer. Bislang wurden zwölf Todesopfer bestätigt. Sie kamen alle auf dem Gemeindegebiet von Bédar in der Provinz Almería ums Leben.
Das Institut für Rechtsmedizin hat die Obduktionen abgeschlossen und die erforderlichen biologischen Proben entnommen. Diese wurden zur genetischen Analyse nach Madrid geschickt. Aufgrund des Zustands der Leichen, die durch die enorme Hitze des Feuers vollständig verbrannt wurden, können die Behörden bislang weder Angaben zu Geschlecht, Alter noch zur Herkunft der Opfer machen.
Erste Hinweise außerhalb der Laboruntersuchungen deuten jedoch auf eine mögliche Erklärung hin: Nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler stammt die Mehrheit der Opfer vermutlich aus dem Ausland, vor allem aus Großbritannien und Belgien. Vier von ihnen saßen gemeinsam in einem Fahrzeug mit Rechtslenkung, was diese Annahme stützt. Nach bisherigen Erkenntnissen versuchte die Gruppe, den Flammen über eine alternative Route zu entkommen, anstatt den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.
Zwei Überlebende aus Gruppe von zehn
Die meisten weiteren Todesopfer gehörten zu einer Gruppe von zehn Menschen, die ihre Fahrzeuge zurückließen und zu Fuß vor den Flammen fliehen wollten. Nur zwei von ihnen überlebten, darunter eine Spanierin. Die übrigen acht kamen ums Leben, als sie versuchten, ein ausgetrocknetes Flussbett über einen Weg zu überqueren, der sich nach Angaben der Behörden in eine ausweglose „Falle“ verwandelte.
In der Nähe des Fundorts entdeckten Einsatzkräfte zudem Wanderstöcke. Nach Einschätzung der Behörden deutet dies darauf hin, dass die Gruppe abseits der offiziellen Evakuierungsrouten querfeldein unterwegs war.
Neben den Toten gibt es acht Verletzte, vier von ihnen schweben in Lebensgefahr. Zwei Hubschrauber brachten sie am Morgen aus dem Universitätskrankenhaus Torrecárdenas, wo sie zuerst versorgt wurden, in die Spezialklinik für Schwerbrandverletzte des Krankenhauses Virgen del Rocío in Sevilla.
Waldbrand entwickelt sich nach Nacht mit 500 Einsatzkräften günstig
Der Löscheinsatz lief ohne Unterbrechung weiter. In der Nacht waren am Boden 500 Kräfte im Einsatz. Mit dem ersten Tageslicht am Samstag stiegen wieder Löschflugzeuge und -hubschrauber auf, um den Brand aus der Luft zu bekämpfen.
Nach Angaben des andalusischen Waldbrandplans Infoca verlief die Nacht „relativ gut, gemessen an Schwere und Ausmaß“ des Feuers. Fachleute warnen jedoch, dass sich die Ausbreitung weiterhin nach der bekannten 30-30-30-Regel richtet:
- Temperaturen über 30 Grad
- Relative Luftfeuchtigkeit unter 30 %
- Böen von mehr als 30 km/h – eine Kombination, die in den vergangenen Tagen das besonders aggressive Ausbreitungsverhalten der Flammen angeheizt hat.
Der Brand hat zudem zur Evakuierung von mehr als 1.400 Menschen geführt und zeitweise die Autobahn A-7 auf Höhe von Almería lahmgelegt; sie ist inzwischen wieder geöffnet. Die Regierung Ecuadors bekundete derweil ihre Solidarität mit Spanien und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie würdigte zugleich die Arbeit der Einsatzkräfte, die weiter vor Ort im Einsatz sind.
Gestern legten die Zuschauer sowohl vor dem Anpfiff des WM-Spiels Spanien gegen Belgien als auch bei einer Veranstaltung des Königshauses in Murcia eine Schweigeminute ein. Sie gedachten damit der Opfer des jüngsten Waldbrandes, der zu den schlimmsten in der Geschichte der Region zählt.
Am Freitagabend trafen die biologischen Überreste der Opfer in Madrid ein, um DNA-Vergleiche zu ermöglichen und die Identifizierung zu erleichtern.