Größer als gedacht, älter als der EU-Schnitt und beim Fleischkonsum überraschend zurückhaltend: Aktuelle Zahlen von Destatis und Eurostat zeichnen ein Bild davon, wie sich der typische Deutsche vom typischen Europäer unterscheidet.
Niemand will Durchschnitt sein. Und doch erzählt ausgerechnet der Durchschnitt ziemlich viel darüber, wie ein Land lebt. In Deutschland ist diese statistische Figur 1,73 Meter groß, wiegt 78,3 Kilogramm, ist Mitte 40, verdient im europäischen Vergleich gut und wohnt trotzdem eher zur Miete als im Eigenheim. Sie isst weniger Fleisch, als das Klischee vom Wurstland vermuten lässt. Dafür zeigt die Waage ein Problem, das Deutschland mit vielen europäischen Ländern teilt: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen gilt nach Body-Mass-Index (BMI) als übergewichtig.
Im EU-Vergleich ist der Durchschnittsdeutsche kein völliger Sonderfall, aber auch kein bloßes Abbild Europas. Der Durchschnittseuropäer ist ebenfalls Mitte 40, lebt in einer alternden Gesellschaft und kämpft mit ähnlichen Gesundheitsrisiken. Die Unterschiede zeigen sich vor allem im Alltag: In vielen EU-Ländern besitzen deutlich mehr Menschen Wohneigentum, das Einkommen liegt im Schnitt niedriger als in Deutschland, und beim Fleischkonsum fällt der europäische Durchschnitt höher aus.
Körpermaße und Alter
Der Durchschnittsmensch in Deutschland misst 1,73 Meter und wiegt 78,3 Kilogramm. Das zeigen die Erstergebnisse des Mikrozensus 2025. Frauen sind im Schnitt 1,66 Meter groß und wiegen 69,7 Kilogramm. Männer kommen auf 1,79 Meter und 86,5 Kilogramm. Damit sind Frauen durchschnittlich 13 Zentimeter kleiner und knapp 17 Kilogramm leichter als Männer.
Auch das Alter verändert den Durchschnitt. Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren sind mit 1,75 Metern am größten. Menschen ab 75 Jahren messen im Schnitt nur noch 1,68 Meter. Beim Gewicht liegt der Höchstwert in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen: Sie wiegt durchschnittlich 81,3 Kilogramm.
Demografisch liegt Deutschland mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren leicht über dem europäischen Mittel von 44,9 Jahren. Italien ist mit durchschnittlich 49,1 Jahren deutlich älter, Irland mit 39,6 Jahren das jüngste EU-Land. Mit rund 83,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern bleibt Deutschland zugleich das bevölkerungsreichste Land der EU. Fast jeder fünfte EU-Bürger lebt hierzulande.
Einkommen: Deutschland liegt deutlich über dem EU-Schnitt
Beim Verdienst gehört Deutschland zu den stärkeren EU-Ländern. Der mittlere Bruttojahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten lag 2025 bei 54.066 Euro, knapp 1.900 Euro mehr als im Vorjahr. Der EU-weite Vergleichswert liegt bei rund 39.800 Euro pro Jahr. Auch wenn solche Zahlen methodisch nicht immer vollständig deckungsgleich sind, ist die Richtung klar: Deutsche Beschäftigte verdienen überdurchschnittlich gut.
Auch beim kaufkraftbereinigten Haushaltseinkommen liegt Deutschland über dem EU-Mittel. Deutsche Haushalte kommen im Schnitt auf ein Äquivalenznettoeinkommen von 28.891 Euro, der EU-Durchschnitt liegt bei 22.930 Euro. Der Wohlstand ist allerdings ungleich verteilt: Die obersten zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdienten 2025 mindestens 100.719 Euro brutto im Jahr, die unteren zehn Prozent höchstens 33.828 Euro.
Wohnen: Deutschland bleibt Europas Mieterland
Beim Wohnen fällt Deutschland besonders aus dem europäischen Rahmen. Während in der EU die Mehrheit der Menschen im Eigentum lebt, ist Deutschland das große Mieterland Europas. Die Eigentumsquote liegt hierzulande bei weniger als der Hälfte der Bevölkerung. Im EU-Durchschnitt wohnen dagegen rund zwei Drittel der Menschen im eigenen Zuhause.
In Ländern wie Rumänien lebt mehr als 90 Prozent der Bevölkerung im Eigenheim. In Deutschland dagegen ist Mieten für viele Menschen der Normalfall. Besonders deutlich wird das in den Großstädten: In Berlin liegt die Eigentumsquote auf Haushaltsebene bei nur 15,9 Prozent, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Gründe sind unter anderem eine historisch gewachsene Mietkultur und hohe Immobilienpreise im Verhältnis zum Einkommen, wie eine Analyse der Sparkasse zur europäischen Wohneigentumsquote verdeutlicht.
Auch die Haushaltsstruktur zeigt den Wandel. 42,1 Prozent aller deutschen Haushalte sind Einpersonenhaushalte. Rund 17,3 Millionen Haushalte bestehen also aus nur einer Person. Auch europaweit nimmt das Alleinleben zu, in Deutschland ist dieser Trend aber besonders sichtbar.
Essen: Weniger Fleisch als das Klischee vermuten lässt
Beim Fleischkonsum widersprechen die aktuellen Zahlen einem gängigen Bild. Deutschland gilt international oft als Land von Bratwurst, Schnitzel und Sonntagsbraten. Tatsächlich lag der Pro-Kopf-Verzehr zuletzt bei knapp 55 Kilogramm Fleisch pro Jahr und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von rund 65 bis 66 Kilogramm.
Das macht Deutschland nicht zu einem vegetarischen Vorzeigeland. Aber es zeigt eine Verschiebung: Der Fleischkonsum ist niedriger, als viele erwarten würden. Wohlstand bedeutet also nicht automatisch höheren Fleischkonsum. Ernährung verändert sich durch Preise, Gesundheitsbewusstsein, Klima- und Tierschutzdebatten sowie neue Gewohnheiten jüngerer Generationen.
Körpergewicht: Die Mehrheit hat zu viele Kilos
Weniger erfreulich ist der Blick auf das Körpergewicht. Nach den jüngsten Mikrozensus-Zahlen gelten 53,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland als übergewichtig, gemessen an einem Body-Mass-Index (BMI) über 25. Bei 17,9 Prozent liegt starkes Übergewicht, also Adipositas, vor.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist deutlich: 62,6 Prozent der Männer, aber 43,8 Prozent der Frauen gelten als übergewichtig. Bei der Adipositas ist die Kluft kleiner: 19,9 Prozent der Männer und 15,8 Prozent der Frauen haben einen BMI über 30.
Die letzte EU-weite Vollerhebung zum Körpergewicht stammt aus dem Jahr 2019. Damals lag Deutschland mit rund 54 Prozent übergewichtigen Erwachsenen knapp über dem EU-Durchschnitt von 53 Prozent.
Übergewicht bei jungen Menschen nimmt zu
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Jüngeren in Deutschland. Laut einer aktuellen Auswertung des Robert Koch-Instituts sind die Adipositasraten bei älteren Erwachsenen in den vergangenen zwei Dekaden vergleichsweise moderat gestiegen, während sie bei jüngeren Menschen besonders stark zulegten. Bei den 18- bis 29-Jährigen hat sich die Adipositasrate von 3,4 Prozent im Jahr 2003/2004 auf 11,3 Prozent im Jahr 2023 mehr als verdreifacht, wie die RKI-Daten zeigen. Insgesamt stieg der Anteil adipöser Erwachsener in Deutschland im selben Zeitraum von 12,2 auf 19,7 Prozent.
Als Treiber gilt neben genetischer Veranlagung vor allem eine sogenannte adipogene Lebenswelt: Hochkalorische Lebensmittel sind jederzeit verfügbar, Bewegung verschwindet aus vielen Alltagsroutinen, und sitzende Tätigkeiten prägen Schule, Studium und Arbeitswelt.
Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle – die Adipositasrate liegt in der niedrigsten Bildungsgruppe mit 28,7 Prozent deutlich höher als in der höchsten Bildungsgruppe mit 11,3 Prozent. Die Corona-Pandemie wirkte laut dem DGE-Ernährungsbericht zusätzlich wie ein Verstärker: 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nahmen im ersten Pandemiejahr im Schnitt 5,5 Kilogramm zu.
Wie alt werden die Menschen?
Die Lebenserwartung in einem Land gibt Hinweise auf Lebensstandard, Gesundheitsversorgung und soziale Bedingungen. In Deutschland lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2025 bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland allerdings nicht zur absoluten Spitzengruppe: Mehr als 20 Länder erreichen derzeit höhere Werte, darunter Nachbarn wie Österreich, die Schweiz und Frankreich.