Die Vibrionen-Saison hat in diesem Jahr ungewöhnlich früh begonnen. Das RKI meldet bereits 17 Infektionen und erklärt, warum vor allem ältere Menschen gefährdet sind.
Zwei Menschen sind in diesem Jahr in Deutschland nach einer Vibrionen-Infektion gestorben. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden bislang 17 Erkrankungen registriert. Die Saison habe ungewöhnlich früh begonnen, die Fallzahlen lägen bereits jetzt über denen der vergangenen Jahre. Allein bis zum 12. Juli zählte das RKI 14 in Deutschland erworbene Fälle. Im Vergleich: 2025 gab es vier, 2024 neun und 2023 lediglich ein Fall. Dass die Infektionen in diesem Jahr früher auftreten, führt das RKI auf die frühe Erwärmung der Küstengewässer zurück.
Was sind Vibrionen?
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Salz-, Brack- und teilweise auch in Süßwasser vorkommen. Nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) sind sie kein Hinweis auf verschmutztes oder fäkal belastetes Wasser, sondern gehören zur natürlichen Bakterienflora vieler Gewässer. Besonders stark vermehren sich sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius und einem Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent.
Laut dem RKI bietet die Ostsee mit ihrem vergleichsweise niedrigen Salzgehalt von durchschnittlich 0,8 Prozent besonders günstige Bedingungen für die Bakterien. Vor allem flache Küstenabschnitte, die sich schnell erwärmen, sowie Bereiche an Flussmündungen gelten nach Angaben des Instituts als besonders anfällig.
Hat die Infektion etwas mit Cholera zu tun?
Zwar gehört auch der Cholera-Erreger zur Gattung der Vibrionen. Wie das RKI erklärt, werden die derzeit in Deutschland beobachteten Erkrankungen jedoch durch sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen verursacht. Während Cholera durch toxinbildende Varianten von Vibrio cholerae ausgelöst und meist über verunreinigtes Trinkwasser übertragen wird, verursachen Nicht-Cholera-Vibrionen vor allem Wundinfektionen, Ohrentzündungen oder – seltener – Magen-Darm-Erkrankungen.
Wie steckt man sich an?
Schwere Krankheitsverläufe betreffen nach Angaben des RKI vor allem ältere Menschen sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder Vorerkrankungen wie Diabetes, Leber- oder schweren Herzerkrankungen. Junge, gesunde Erwachsene erkranken dagegen nur selten schwer.
Die beiden bislang registrierten Todesfälle in diesem Jahr betrafen laut RKI jeweils hochaltrige Menschen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass insbesondere Menschen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden den Kontakt mit sommerwarmem Meerwasser meiden sollten.
Nach Angaben des RKI entstehen die meisten Infektionen, wenn offene Wunden mit bakterienhaltigem Meerwasser in Kontakt kommen. Bereits kleine Schnitte oder Schürfwunden könnten ausreichen, damit die Erreger in den Körper gelangen.
Eine weitere Ansteckung sei außerdem über rohe oder nicht ausreichend gegarte Meeresfrüchte sowie rohen Fisch möglich. Dieser Übertragungsweg spiele in Deutschland bislang allerdings eine untergeordnete Rolle.