Italienischer Astronaut Luca Parmitano steuert die Artemis-III-Mission, NASAs nächsten Schritt zur ersten Mondlandung seit Jahrzehnten. Gegenüber Euronews spricht er über seine Vorbereitung, den Wettlauf im All und europäische Perspektiven im Orbit.
„Wir Europäer, wir Italiener, wollen bei diesem Wettlauf starke Partner der Vereinigten Staaten sein“, sagte der Astronaut Luca Parmitano im Gespräch mit Euronews. Er sprach über die aktuelle Grenze der Raumfahrt: die Rückkehr zum Mond.
Der Italiener Luca Parmitano von der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist von der US-Raumfahrtbehörde NASA für die Mission Artemis III ausgewählt worden. Sie gilt als Testflug für das Mondlandeprogramm der NASA.
Artemis III soll 2027 starten. Die Mission bringt drei NASA-Astronauten und Parmitano in eine niedrige Erdumlaufbahn. Sie fliegen mit der Raumkapsel Orion, die dort mit zwei Mondlandern ankoppelt, gebaut von Elon Musks Unternehmen SpaceX und Jeff Bezos’ Firma Blue Origin.
Die NASA bezeichnet Artemis III als eine der komplexesten bemannten Missionen der jüngeren Geschichte. Parmitano bereitet sich bereits darauf vor. In der Euronews-Sendung 12 Minutes With berichtete er, wie das Training läuft, welche Herausforderungen warten und wie er den aktuellen Stand des Wettlaufs im All sieht.
Europäische Identität im Orbit
„Mit dieser Mission habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Parmitano. „Ich war sprachlos, was bei mir eher selten vorkommt, und ich war sehr dankbar.“
Parmitano war der erste italienische Kommandant auf der Internationalen Raumstation ISS. Insgesamt verbrachte er mehr als 366 Tage im All, verteilt auf die Langzeitmissionen Volare (2013) und Beyond (2019–2020). Als erster Italiener absolvierte er einen Außeneinsatz im All. Nun wird er der erste Europäer sein, der mit dem Artemis-Programm in den Orbit fliegt.
Die NASA hat die Besatzung für Artemis III am 9. Juni im Johnson Space Center in Houston im US-Bundesstaat Texas vorgestellt. Parmitano hielt dort eine emotionale Rede. Darin bezeichnete er Italien als seine „Startrampe“ und die ESA als seinen „Startturm“.
Gegenüber Euronews betonte Parmitano, wie dankbar er dem öffentlichen Bildungssystem in Italien ist. In den Orbit will er den Geist der Entschlossenheit mitnehmen – für ihn ein Kernstück der europäischen Identität.
„Menschen meines Alters sind nicht als Europäer geboren“, sagte er. „Wir sind zu Europäern geworden. Diese Identität war gewollt, sie war ein Ziel, etwas, das wir erreichen wollten.“
Artemis III: komplexe Mission zum Mond
Trotz der Vorfreude ist Parmitano sich der Herausforderungen von Artemis III bewusst. „Wir haben drei Starts, die zeitlich eng beieinander liegen und von sehr unterschiedlichen Raumfahrzeugen erfolgen müssen“, erklärte er.
Für den Erfolg der Mission müssen viele Faktoren zusammenkommen. Die Mondlander und die Orion-Raumkapsel der NASA müssen startklar sein und funktionieren. Entscheidend sind außerdem die komplexen Manöver im Orbit.
Die Astronauten werden zudem in der Orion-Kapsel leben, die nur einen bewohnbaren Raum von etwa acht bis neun Kubikmetern bietet. Sie ist für den Einsatz im tiefen Weltraum ausgelegt – unter anderen Bedingungen als in der niedrigen Erdumlaufbahn, in der diese Mission stattfindet.
Zur Vorbereitung auf die anspruchsvolle Reise absolvieren Parmitano und seine drei NASA-Kollegen Randy Bresnik, Frank Rubio und Andre Douglas derzeit ein intensives Trainingsprogramm.
Das Programm umfasst das Einüben entscheidender Fertigkeiten, zahlreiche Simulationen und Übungen für mögliche Fehlerszenarien. „Unser Training ist sehr komplex und auf wunderbar unterschiedliche und vielfältige Weise gestaltet“, sagte Parmitano.
Stand des Wettlaufs im All
Auf der Erde gelten die Beziehungen zwischen EU und USA zuletzt als angespannt. Im All ist das nach Parmitanos Eindruck anders. „Wir schauen nicht darauf, was politisch passiert, wir sind Praktiker.“
Parmitano sieht Artemis III als Teil des aktuellen Wettlaufs zurück zum Mond. Er betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen EU und USA im Orbit weiterhin eng ist. „Wir alle verfolgen dasselbe Ziel: das Leben der Menschen auf der Erde zu verbessern – und dieser Flug ist der nächste Schritt dahin“, sagte er.
Die ESA spielt in der Architektur des Artemis-Programms eine wichtige Rolle. So hat sie das Europäische Servicemodul entwickelt, das die Orion-Kapsel mit Strom, Temperaturregelung sowie Sauerstoff, Stickstoff und Wasser versorgt.
Der Beitrag der ESA zum Programm verändert sich jedoch. Die NASA hat Anfang des Jahres beschlossen, die Arbeiten an der Mondraumstation Lunar Gateway vorerst zu pausieren. Europa entwickelte dafür zentrale Module, deren Zukunft nun offen ist.
Viele Fachleute halten den angepeilten Starttermin 2027 für sehr ehrgeizig. Parmitano konterte: „Um komplexe Ziele zu erreichen, muss man ehrgeizig sein und hart darum kämpfen.“