Loader
Finden Sie uns
Werbung

Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch: Toskana meldet 638 Fälle

Schweinepest: Aufnahme aus einem Mastbetrieb (Archiv)
Schweinepest: Foto aus einem Betrieb (Archiv) Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

In der Toskana haben sich nicht nur Wildschweine, sondern auch gehaltene Schweine mit der Schweinepest infiziert. Die Behörden warnen davor, dass Menschen das Virus "passiv" weiterverbreiten könnten.

Die Toskana entwickelt sich zum neuen Brennpunkt der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Seit dem ersten Januar 2026 haben die Behörden in der Region 638 infizierte Wildschweine erfasst, der höchste Wert in Italien in diesem Jahr. Die Zahl zeigt, wie schnell sich das Virus in der Toskana ausgebreitet hat. Es setzt inzwischen nicht nur die Wildfauna unter Druck, sondern auch die Schweinebetriebe und die gesamte Wertschöpfungskette.

WERBUNG
WERBUNG

Die neuen Zahlen wurden am 18. August in einer Online-Sitzung mit Bürgermeistern vorgestellt, zu der Anci Toscana und die Region Toskana eingeladen hatten, um die Eindämmungsmaßnahmen abzustimmen. Das Ziel: Die Reaktion auf die Notlage soll nicht länger unkoordiniert verlaufen. In den Provinzen entstehen provinzielle territoriale Einsatzgruppen (Got). In den betroffenen Gemeinden sind Informationskampagnen mit Hinweisschildern und QR-Codes sowie Kontrollen auf öffentlichen Flächen geplant.

„Wir müssen vor allem verhindern, dass jede Gemeinde für sich allein agiert“, betonte die Präsidentin von Anci Toscana, Susanna Cenni. Sie forderte eine Koordination über die Provinzen, besonders für heikle Aufgaben wie das Aufspüren und Einsammeln von Wildschweinkadavern.

Virus breitet sich von Nordtoskana aus

Die Epidemie nahm ihren Anfang in der Provinz Massa-Carrara. In den vergangenen Monaten erreichte sie auch Lucca und Pistoia. Der Sprung von der Wildfauna zu Nutztieren ist bereits erfolgt: Betroffen sind zwei Betriebe, einer in Comano in der Provinz Massa-Carrara und einer in San Marcello Piteglio in der Provinz Pistoia.

Das ist einer der sensibelsten Punkte der aktuellen Lage. Die ASP gefährdet nicht die menschliche Gesundheit, sie kann jedoch die Schweinehaltung schwer treffen. Dringt das Virus in einen Betrieb ein, greifen sofort strenge Auflagen: Tiere werden getötet, Tiertransporte eingeschränkt und der Handel mit Schweinen und Schweinefleisch begrenzt.

Das Gesundheitsministerium ordnet die ASP in die Kategorie A ein. Für diese Krankheiten schreibt die Europäische Union eine sofortige Tilgung vor, sobald ein Fall entdeckt wird. Es gibt derzeit weder eine wirksame Behandlung noch einen zugelassenen Impfstoff für Tiere.

Problem geht über Wildschweine hinaus

Das Virus lässt sich besonders schwer kontrollieren, weil es sich auch ausbreiten kann, ohne dass sich ein infiziertes Tier bewegt. Schuhe, Kleidung, Ausrüstung, Fahrzeuge und andere kontaminierte Materialien können das Virus von einem Gebiet ins andere tragen.

Darum betrifft der Notstand in der Toskana auch Menschen, die Wälder und Felder besuchen. Wie der Sonderbeauftragte für die ASP, Giorgio Briganti, erklärt, erkrankt ein Mensch nicht, kann aber zu einem sogenannten „passiven Träger“ werden. Schlamm und organisches Material an Schuhsohlen oder Fahrradreifen können dazu beitragen, das Virus in neue Gebiete zu verschleppen.

Die Behörden raten deshalb, Schuhe nach Ausflügen sorgfältig zu reinigen und zu desinfizieren und jeden Kontakt mit Wildschweinkadavern strikt zu vermeiden.

Lage in Italien: Piemont und Ligurien bleiben unter Druck

Die Toskana ist nicht die einzige Region Italiens, in der das Virus stark zirkuliert.

Ein Update des italienischen Instituts für Tiergesundheit, Istituto Zooprofilattico Sperimentale für Piemont, Ligurien und das Aostatal vom 26. Juli meldete insgesamt 2.194 positive Wildschweine in Piemont und Ligurien: 823 in Piemont und 1.371 in Ligurien. Allein in Ligurien wurden beim letzten Update 15 neue Fälle registriert. In beiden Regionen zusammen meldeten 205 Gemeinden mindestens eine bestätigte Infektion.

Nach demselben Bericht waren 10 Schweinebetriebe direkt betroffen. Damit bleibt der Nordwesten neben der neuen Front in der Toskana eine der Hauptregionen für die Ausbreitung der ASP in Italien.

Die Lage entwickelt sich weiter, die regionalen Zahlen lassen sich nur eingeschränkt vergleichen, weil sie sich auf unterschiedliche Stichtage beziehen: Die 638 Fälle in der Toskana, die am 18. August genannt wurden, erfassen alle positiv getesteten Wildschweine seit dem ersten Januar 2026. Die Daten für Piemont und Ligurien sind bis zum 26. Juli aktualisiert.

Warum Europa die Lage mit Sorge verfolgt

Das Problem beschränkt sich nicht auf Italien. Die neuesten Zahlen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zeigen, dass die Afrikanische Schweinepest in der Europäischen Union im Jahr 2025 erneut an Dynamik gewonnen hat.

Die Fälle bei Wildschweinen stiegen auf 11.036, den höchsten Stand seit 2021 und ein Plus von 44 Prozent gegenüber 7.677 Fällen im Jahr 2024. Auch die Schweinebetriebe waren häufiger betroffen: Die Ausbrüche bei Hausschweinen nahmen um 76 Prozent zu und erreichten 585 Herde. Zugleich kehrte die Krankheit nach 31 Jahren nach Spanien zurück, sodass inzwischen 14 Mitgliedstaaten betroffen sind.

Auch Finnland meldete Ende Juli 2026 zum ersten Mal Afrikanische Schweinepest und bestätigt damit, dass sich das Problem geografisch ausweitet.

Besonders wichtig sind die Zahlen zur Überwachung: 2025 untersuchten die Behörden in der EU mehr als 518.000 Proben von Hausschweinen und 618.000 Proben von Wildschweinen. Die passive Überwachung, also die Untersuchung von tot aufgefundenen oder verdächtigen Tieren, machte die Entdeckung von 73 Prozent der Ausbrüche bei Wildschweinen möglich. Für die EFSA soll gerade diese Form der Kontrolle weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Schweinepest-Erreger aus dem Labor entwichen? Die Polizei in Spanien ermittelt

Türkei blockiert 1.200 km langes Untersee-Stromkabel nach Zypern

Entlassener Verteidigungsminister Fedorow fordert Wahlen in der Ukraine