Mychajlo Fedorow wird Berater von Guido Crosetto für Verteidigungsinnovation. Schwerpunkt der Kooperation Italien–Ukraine sind Drohnen, autonome Systeme, Luftverteidigung und Militärtechnik.
Italien setzt im technologischen Krieg auf die Erfahrung der Ukraine. Guido Crosettohat Mykhailo Fedorow, den früheren ukrainischen Verteidigungsminister, zum Berater für Verteidigungsinnovationen ernannt.
Fedorow kündigte seine Ernennung nach einem Treffen mit dem italienischen Minister an. Dabei sprachen sie über Drohnen, autonome Systeme, Luftverteidigung und den Aufbau einer militärischen Technologieindustrie.
Fedorow beschrieb das Treffen in einem Beitrag in sozialen Netzwerken. Er erklärte, er habe eine internationale Dienstreise begonnen, die neuen Initiativen zur Digitalisierung und Verteidigungstechnologie gewidmet ist. Erste Station war Rom.
„Ich habe Guido für seine persönliche Unterstützung und dafür gedankt, dass er mir anbietet, als sein Berater für Verteidigungsinnovationen zu arbeiten“, schrieb Fedorow. In seiner neuen Rolle will er Italien helfen, moderne Militärtechnologien einzuführen, den eigenen Verteidigungssektor zu stärken und neue Herausforderungen für die globale Sicherheit anzugehen.
Crosetto: „Ukrainische Erfahrung ist wertvoll“
Auch das italienische Verteidigungsministerium bestätigte den Auftrag. Crosetto bezeichnete Fedorow als Persönlichkeit mit „umfangreicher Erfahrung im Bereich digitaler Innovation in der öffentlichen Verwaltung und in der Verteidigung“.
„Mykhailo Fedorow, der ehemaligen ukrainischen Verteidigungsminister, hat mich besucht“, erklärte der Minister. Das Treffen bot vor allem Gelegenheit für einen vertieften Austausch über Drohnen, unbemannte Systeme und die Luftverteidigung sowie über die Entwicklung des technologischen Ökosystems.
Für Crosetto wird es in einer Welt mit beispiellos schnellem technologischem Wandel entscheidend, mit Menschen zu sprechen, die diese Veränderungen bereits direkt im Einsatz erlebt haben.
Deshalb erhält Fedorow offenbar nun die Aufgabe, als Berater für Verteidigungsinnovationen zu arbeiten.
Der italienische Minister sieht jedoch eine zentrale Herausforderung: Es reicht nicht, neue Technologien zu kennen. Staaten müssen sie schnell in einsatzfähige Instrumente verwandeln können.
„Heute genügt das bloße Wissen über neue Technologien nicht mehr. Entscheidend ist die Fähigkeit, organisatorische Abläufe anzupassen und Tests rasch in operative Lösungen umzuwandeln, die im großen Maßstab nutzbar sind“, betonte Crosetto.
Wer ist Mykhailo Fedorov
Mykhailo Fedorov gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten der digitalen Transformation der Ukraine. Geboren 1991, baute er zunächst eine Karriere im Technologiesektor auf, bevor er in die Regierung von Wolodymyr Selenskyj eintrat.
Er war Minister für die digitale Transformation und später Verteidigungsminister. In diesen Jahren trieb er die umfassende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung voran. Mit der russischen Invasion beschleunigte er die Integration digitaler Technologien in die Verteidigung.
Drohnen, Kommunikationssysteme, Datenerfassung und -analyse, künstliche Intelligenz und Software sind zu immer wichtigeren Bestandteilen der ukrainischen Militärmaschinerie geworden.
Fedorow gehörte zu den zentralen Akteuren dieser Entwicklung. Die Ukraine musste ihre Verteidigung schnell modernisieren, um einem russischen Heer zu begegnen, das bei Personal und Ressourcen deutlich größer ist.
Im Juli 2026 verließ er das Verteidigungsministerium im Zuge der von Selenskyj beschlossenen Regierungsumbildung. Kurz darauf bot ihm Crosetto den Posten in Italien als Berater für Verteidigungsinnovationen an.
Regierungsumbildung und Streit in Kyjiw
Die italienische Ernennung folgt auf eine umstrittene Regierungsumbildung, die Selenskyj im Juli angeordnet hatte. Fedorow musste das Verteidigungsministerium nach nur sechs Monaten verlassen. Sein Abgang löste Proteste und Kritik in der Ukraine aus. Viele befürchteten, dass dadurch die Innovation bei Drohnen und Militärtechnologie gebremst wird.
Fedorow geriet zudem mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, über die Ausrichtung der Verteidigung aneinander. Sein Ausscheiden aus der Regierung eröffnete eine Phase der Unsicherheit über die künftige technologische Strategie der Ukraine.
Kurz nach seiner Entlassung nahm Crosetto Kontakt zu ihm auf und bot ihm einen Posten als Berater an.
Drohnen und autonome Systeme: Was Kyjiw Rom beibringen kann
Kern der neuen Zusammenarbeit ist die Erfahrung, die die Ukraine in einem Krieg gesammelt hat, in dem sich Technologie ständig verändert.
Drohnen sind zu zentralen Werkzeugen für Überwachung, Aufklärung und Angriffe geworden. Die eigentliche Revolution liegt jedoch in der Verbindung von Drohnen, Sensoren, Software, Kommunikation, Datenanalyse-Systemen und künstlicher Intelligenz.
Das Ergebnis ist ein extrem schneller Entwicklungszyklus. Neue Technologien werden direkt an der Front getestet, auf Basis der Erfahrungen der Einsatzkräfte angepasst und kurz darauf erneut eingesetzt – deutlich schneller als in klassischen Militärprogrammen.
Diese Geschwindigkeit sieht Fedorow als einen der Schlüsselfaktoren moderner Kriegsführung. „Die Zukunft der Verteidigung gehört Staaten, die neue Lösungen schnell testen und hochskalieren können, indem sie Spitzentechnologie mit einer soliden Produktion verbinden“, schrieb er.
Nach Ansicht des früheren Ministers kann die Erfahrung Kyjiws zur Grundlage eines neuen europäischen Verteidigungsmodells werden.
Italien und Ukraine: Verteidigungskooperation wird enger
Fedorows Besuch in Rom ist kein Einzelfall. Die Verteidigungskooperation zwischen Italien und der Ukraine hat sich seit Beginn der russischen Invasion Schritt für Schritt erweitert.
Rom hat Kyjiw militärische Unterstützung geliefert, darunter Systeme zur Luftverteidigung. Beide Länder sprechen zudem über eine breitere industrielle und technologische Zusammenarbeit.
Bei dem Besuch von Wolodymyr Selenskyj in Italien im vergangenen April diskutierten Crosetto und der ukrainische Präsident genau über eine Ausweitung der Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich.
Zu den Themen gehörten Luftverteidigung, unbemannte Systeme, Munition, der Marinebereich, der Ausbau militärischer Fähigkeiten und die industrielle Kooperation.
Treffen mit weiteren westlichen Partnern
Italien ist erste Station der neuen internationalen Reise, die Fedorow angekündigt hat. Er stellte weitere Gespräche mit Partnern in Aussicht, die sich für Digitalisierung und Verteidigungstechnologie interessieren.
Der frühere Minister hat in den vergangenen Monaten bereits ein dichtes Netzwerk von Kontakten zu den wichtigsten westlichen Verbündeten der Ukraine aufgebaut. Bei Treffen im Rahmen des Ramstein-Formats sprach er mit britischen und norwegischen Vertreterinnen und Vertretern über Drohnen und Luftverteidigung. Mit Deutschland diskutierte er vor allem den Einsatz digitaler Technologien direkt in militärischen Operationen.
Fedorow arbeitete außerdem mit ausländischen Partnern daran, die in der Ukraine während des Krieges entwickelten Technologien in Plattformen und Systeme zu überführen, die auch Verbündete nutzen können.
Das Ziel ist eine Form der Zusammenarbeit, in der Kyjiw nicht nur Waffen und Finanzmittel erhält, sondern auch Erfahrung, Technologien und militärisches Know-how liefert.