Mehrere Überlebende sagten den Medien, sie hätten kurz vor dem Kentern des Schiffes einen Knall gehört. Die Polizei nahm den Kapitän und über ein Dutzend weitere Personen fest.
Auch am Montag suchten Rettungskräfte weiter nach Überlebenden des Fährunglücks vor der Nordküste Zyperns. Bei dem Unglück am Sonntag kamen nach Angaben der Behörden acht Menschen ums Leben, 18 weitere werden noch vermisst. Die Fähre war am Sonntag gegen Mittag vom Hafen von Girne im Norden Zyperns in Richtung türkisches Festland ausgelaufen.
Kurz darauf kenterte das Schiff und löste einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 267 Menschen an Bord. Nach Angaben der Behörden konnten 241 von ihnen gerettet werden. Acht Menschen kamen ums Leben, 18 gelten weiterhin als vermisst. Angaben zur Staatsangehörigkeit der Opfer und Vermissten lagen zunächst nicht vor. Mehrere Überlebende berichteten lokalen Medien, kurz vor dem Kentern einen Knall gehört zu haben.
Im Zuge der Ermittlungen nahm die Polizei den Kapitän sowie mehr als ein Dutzend weitere Personen fest. Am Montagmorgen wurden der Kapitän und acht weitere Verdächtige einem Richter vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an. Unterdessen riefen die Behörden in Nordzypern eine dreitägige Staatstrauer aus, wie die Nachrichtenagentur TAK berichtete.
Passagiere berichteten, das Schiff habe bereits vor dem Kentern Wasser aufgenommen. Das Unglück ereignete sich rund vier Seemeilen, etwa sieben Kilometer, nach Beginn der Fahrt. Aufnahmen vom Unglücksort, die im türkischen Fernsehen ausgestrahlt wurden, zeigten die gekenterte Fähre. Mehrere Passagiere mit Schwimmwesten hatten sich auf den orangefarbenen Rumpf des Schiffes gerettet.
Kurz darauf sank die Fähre vollständig. Nach Angaben des nordzyprischen Verkehrsministers Erhan Arikli liegt das Wrack inzwischen in einer Tiefe von 514 Metern.
Die Bergung des Schiffsdatenschreibers soll dabei helfen, die Ursache des Unglücks zu klären, sagte Arikli. Einige Überlebende berichteten, kurz vor dem Kentern eine Explosion am Bug des Schiffes gehört zu haben. Andere kritisierten, an Bord habe es nicht genügend Sicherheitsausrüstung gegeben.
"Einige Menschen mussten ohne Rettungsringe oder Schwimmwesten ins Wasser springen", sagte der junge Überlebende Efe Multici dem Sender CNN Türk. "Es war buchstäblich ein Kampf ums Überleben."
Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals besetzte die Türkei den Norden der Insel. Vorausgegangen war ein von der damaligen Militärjunta in Athen unterstützter Putsch griechisch-zyprischer Nationalisten, die einen Anschluss Zyperns an Griechenland anstrebten.
Heute ist die Insel politisch geteilt: Im Norden liegt die selbsternannte "Türkische Republik Nordzypern", die 1983 ihre Unabhängigkeit erklärte und international nur von der Türkei anerkannt wird. Der Süden wird von der international anerkannten Republik Zypern kontrolliert, die seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist. Nordzypern ist durch regelmäßige Flug- und Fährverbindungen mit der Türkei verbunden.