Seit 2020 nimmt die Zahl der Salmonellenfälle in Europa stetig zu und verursacht jährlich bis zu 3 Milliarden Euro Schaden. Welche Länder leiden unter den Ausbrüchen am stärksten?
Ob alltägliche Grundnahrungsmittel wie Milch- und Geflügelprodukte oder regionale Ausbrüche mit Rekordzahlen: Salmonellenfälle in Europa häufen sich. Gesundheitsbehörden sind alarmiert, denn die Infektionen erreichen Werte, wie sie seit Jahren nicht mehr beobachtet wurden.
Nudeln, Eier und Kürbiskerne gehören zu den Produkten, die in den vergangenen Monaten mit Salmonellen-Ausbrüchen in Verbindung gebracht wurden.
Im Juli erkrankten europaweit mindestens 106 Menschen in 14 Ländern nach dem Verzehr aromatisierter Instantnudeln, mindestens 49 von ihnen mussten ins Krankenhaus. Im August traf es Belgien besonders hart: Dort erkrankten mehr als 300 Menschen nach dem Verzehr von Eiern an Salmonellen, der bislang größte Ausbruch in der Geschichte des Landes. Erst kürzlich, Anfang September, rief Frankreich zudem Kürbiskerne zurück, nachdem mehr als 80 Salmonellosefälle mit dem Produkt in Verbindung gebracht wurden.
Salmonellen gelten weltweit als zweithäufigste Ursache lebensmittelbedingter Erkrankungen. In Europa steigt die Zahl der Fälle seit 2020 kontinuierlich, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten, kurz ECDC, mitteilt. Besonders häufig betroffen sind Säuglinge und Kinder bis zu vier Jahren.
So verteilen sich die Fälle in Europa
Zwischen Mai 2025 und August 2026 registrierten die Behörden europaweit 341 bestätigte Salmonellenfälle. Fast die Hälfte davon wurde seit Mai 2026 gemeldet, so die jüngsten ECDC-Zahlen. Die meisten Fälle entfielen in diesem Zeitraum auf das Vereinigte Königreich mit 207 Fällen, gefolgt von den Niederlanden mit 106 Fällen sowie Belgien mit 15 Fällen. Deutschland verzeichnete sechs Fälle, Frankreich vier, Österreich zwei und Dänemark einen Fall.
Das Vereinigte Königreich hat seine Fallzahlen inzwischen nach oben korrigiert und geht mittlerweile von insgesamt 474 Infektionen aus. Die Ermittlungen laufen dort weiter, Fachleute vermuten, dass sich die Betroffenen eher beim Essen außer Haus als beim Kochen von Eiern zu Hause angesteckt haben. Wichtig zur Einordnung: Die vom ECDC erfassten 15 belgischen Fälle schließen den jüngsten Rekordausbruch im Land noch nicht ein.
Für das Jahr 2024 meldeten Deutschland mit 12.316, Frankreich mit 12.308 und Spanien mit 11.248 Fällen die höchsten Zahlen in der gesamten EU. Deutlich darunter lagen Zypern mit 80, Estland mit 103 und Malta mit 164 gemeldeten Fällen.
Wie stecken sich Menschen an, und wie gefährlich ist eine Infektion?
Unter Salmonellen versteht man eine Gruppe von Bakterien, die eine Lebensmittelvergiftung namens Salmonellose auslösen können. Forschende kennen inzwischen mehr als 2.500 Salmonellen-Varianten, krank machen jedoch nur rund 100 Typen, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden, so die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC.
Eine Ansteckung erfolgt meist über rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch, Geflügel und Eier oder über den Konsum nicht pasteurisierter Milch. Warmes Wetter und ungekühlt gelagerte Lebensmittel bieten den Bakterien ideale Wachstumsbedingungen, weshalb Salmonelleninfektionen im Sommer besonders häufig auftreten.
Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb einer Woche. Für kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Infektion jedoch schwer verlaufen.
In der EU werden jedes Jahr mehr als 91.000 Fälle von Salmonellose gemeldet, wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, mitteilt. Die Bakterien richten aber nicht nur gesundheitlichen Schaden an: Nach EFSA-Schätzungen könnte die wirtschaftliche Gesamtbelastung durch Salmonellen bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr betragen, durch Behandlungskosten, Krankenhausaufenthalte und Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz.