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Mehr als 8.500 verdächtige Follower folgen Kandidaten der Wahl in Schweden

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Wähler stehen am Sonntag, 13. September 2026, vor einem Wahllokal in Landskrona in Schweden Schlange.
Wählerinnen und Wähler stehen am Sonntag, 13. September 2026, vor einem Wahllokal in Landskrona in Schweden Schlange. Copyright  Johan Nilsson/TT News Agency via AP
Copyright Johan Nilsson/TT News Agency via AP
Von Inês Trindade Pereira & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Vor Schwedens Parlamentswahl stuften Ermittler mehr als 8.500 X-Konten als verdächtig ein. Die Mitte-links-Opposition liegt in den Wahlergebnissen knapp vorn.

Auf den ersten Blick wirkt der unten gezeigte X-Account, als gehöre er einer Schwedin namens Ingrid Karlsson.

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Nach Angaben von Forschenden verwendet das Profil jedoch ein gestohlenes Foto. Es veröffentlicht kaum eigene Inhalte. Und laut der Plattform X ist es in Benin in Westafrika verortet.

Bot-Account mit gestohlenem Foto, von X als in Benin in Westafrika ansässig geführt.
Bot-Account mit gestohlenem Foto, von X als in Benin in Westafrika ansässig geführt. Euronews

Es gehört zu mehr als 8.500 Accounts, die das niederländische Analyseunternehmen Trollrensics und die Nichtregierungsorganisation Alliance4Europe gemeinsam mit dem schwedischen Sender SVT identifiziert haben.

Die Forscherinnen und Forscher sehen in den Profilen Hinweise auf abgestimmtes Verhalten. Dazu zählen ähnliche Identitäten, wiederverwendete Fotos und sich überschneidende Muster bei den politischen schwedischen Accounts, denen sie folgen.

Statt in Schweden zu sitzen, sind diese Accounts auf X als in Nigeria, Ghana und Teilen Asiens ansässig ausgewiesen.

Die Accounts tauchten im Vorfeld der schwedischen Parlamentswahl auf. Die hat am Sonntag stattgefunden. Erste Ergebnisse sehen das Oppositionslager mit den Sozialdemokraten der früheren Ministerpräsidentin Magdalena Andersson knapp vor dem regierenden rechtsgerichteten Bündnis.

Bei 95 Prozent ausgezählter Wahlkreise lagen die Oppositionsparteien bei voraussichtlich 176 der 349 Sitze im Parlament. Der von Parteichef Ulf Kristersson geführte Block der Mitte-rechts-Partei Moderaterna kam demnach auf 173 Sitze.

Die Zahlen sind noch vorläufig. Nach Angaben der schwedischen Wahlbehörde wird das endgültige Ergebnis etwa eine Woche nach dem Wahltag erwartet.

So werden die Accounts erkannt

Trollrensics-Mitgründer Robert van der Noordaa sagte The Cube, dem Faktencheck-Team von Euronews, sein Unternehmen nutze 26 Indikatoren. Damit prüft es, ob eine Sammlung von Profilen ein koordiniertes Netzwerk bildet.

Dazu gehören auffällige Häufungen neu angelegter Accounts an bestimmten Tagen, gestohlene Fotos und Profile, die zur gleichen Zeit identische Beiträge veröffentlichen.

Die untersuchten schwedischen Accounts veröffentlichen meist kaum oder gar keine eigenen Inhalte. Stattdessen folgen sie zahlreichen echten schwedischen Profilen, die sich im Vorfeld der Wahl an politischen Debatten beteiligen.

Nach Angaben von van der Noordaa scheinen einige Profile mit Tausenden Followern bis zu 30 Prozent ihrer Gefolgschaft von verdächtigen Accounts zu beziehen, die auf X in Nigeria, Benin und Teilen Asiens verortet sind.

Die Accounts folgen Personen aus unterschiedlichen Teilen des politischen Spektrums. Besonders stark vertreten sind jedoch rechte Stimmen und Personen aus dem Umfeld der Moderaten Partei.

Nach Einschätzung der Forschenden kann massenhaftes Folgen die Popularität eines Profils künstlich erhöhen. Gleichzeitig verstärken koordinierte Likes und Reposts einzelne Beiträge.

Diese Accounts sind auf X als in Nigeria, Ghana und Teilen Asiens ansässig aufgeführt.
Diese Accounts sind auf X als in Nigeria, Ghana und Teilen Asiens ansässig aufgeführt. Euronews

Wer steckt hinter dem Netzwerk?

Nach Angaben von Trollrensics sind ähnliche Accounts auch bei anderen Wahlen in Europa aufgefallen, etwa in den Niederlanden und Ungarn. Einige Profile ändern ihre Identität, wenn sie zwischen verschiedenen nationalen politischen Debatten wechseln.

"Sie tragen einen deutschen Namen, eine deutsche Biografie und werden dann irgendwann umfunktioniert", sagte van der Noordaa. "Wir haben in Schweden auch Accounts gefunden, die vielen Schwedinnen und Schweden folgen, ursprünglich aber niederländische Profile waren."

Van der Noordaa geht davon aus, dass die Accounts zu einem kommerziellen Söldnerdienst für Online-Einflusnahme gehören, der sich für verschiedene Auftraggeber einsetzen lässt.

Die meisten Personen, die für die Erstellung dieser Troll-Accounts angeheuert werden, stammen nach seinen Angaben aus afrikanischen Ländern oder aus den USA.

Darren Linvill, Co-Direktor des Media Forensics Hub der Clemson University, hat unabhängig davon eine Stichprobe der Accounts untersucht. Er sagte The Cube, ihr Verhalten passe zu bezahlten Verstärkungsdiensten, die zunehmend von politischen Akteuren und staatlich nahen Gruppen genutzt werden.

Nach Linvills Analyse können solche Operationen von kleinen Marketingfirmen oder einzelnen Dienstleistern betrieben werden. Sie verwalten Accounts und automatisierte Bots, deren Leistungen dann über größere Unternehmen oder Online-Marktplätze weiterverkauft werden.

Zu den angebotenen Diensten gehören bezahlte Follower, Kommentare, Likes, Reposts und automatisierte Bots.

"Sie verschaffen Accounts Follower, damit diese Profile legitimer wirken und scheinbar einen größeren Anteil an der Debatte haben", sagte Linvill. "Sie erwecken den Eindruck, eine größere Gemeinschaft zu vertreten, als tatsächlich existiert."

Linvill zufolge ähneln diese Aktivitäten den Verstärkungsmethoden russischer Einflussoperationen. Auch dort wird ein Netzwerk leicht austauschbarer Accounts eingesetzt, um Falschinformationen zu verbreiten.

Weitergehende Sicherheitsbedenken bei der Wahl

Die Erkenntnisse kommen mitten in einer Wahl, die vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über ausländische Einmischung stattfindet.

Die schwedischen Behörden erklärten vor der Abstimmung, das Land gelte nicht als vorrangiges Ziel russischer Einflussnahme. Dennoch warnten sie vor einer angespannten Sicherheitslage. Feindliche Akteure könnten versuchen, bestehende gesellschaftliche Gräben zu vertiefen oder das Vertrauen in den Wahlprozess zu untergraben.

Unabhängig davon registrierte Alliance4Europe vor der Wahl pro-russische Aktivitäten. Die als Matryoshka bekannte Einflussoperation verbreitete demnach manipulierte Videos, die sich gegen die Regierungskoalition und ukrainische Geflüchtete richteten.

Im Verlauf der Wahl verbreiteten sich unbelegte Behauptungen über weit verbreiteten Wahlbetrug, nachdem ein technischer Fehler die Registrierung von rund 500 Brief- und Vorauswählerinnen und -wählern beeinträchtigt hatte. Andere Beiträge behaupteten fälschlich, eine ranghohe Mitarbeiterin der Wahlbehörde sei mit den Sozialdemokraten verbunden. Wieder andere unterstellten, Menschen in Schweden könnten ohne Ausweis mehrfach wählen.

Nach Angaben der schwedischen Behörde für Psychologische Verteidigung haben die staatlichen Stellen umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um die Bevölkerung vor Desinformation, Propaganda und Versuchen zur Manipulation der öffentlichen Debatte zu schützen.

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