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Dynamische Republik Kongo: "Die schönste Autobahn der Welt"

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Von Serge Rombi  & Euronews
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Dynamische Republik Kongo: "Die schönste Autobahn der Welt"
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Ungeachtet der Pandemie und anderer Probleme hat die Demokratische Republik Kongo eine echte Dynamik entwickelt, um die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen des Landes zu bewältigen.

Euronews-Reporter Serge Rombi hat vor Ort die Möglichkeiten, Errungenschaften und Herausforderungen in den Bereichen Bildung und Wirtschaft unter die Lupe genommen: "Hier im Kongo sind 60 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahre alt. Es ist ganz einfach eines der jüngsten Länder der Welt. Und seit anderthalb Jahren ist die Grundschule wieder für alle kostenlos. Eine Maßnahme, die vier Millionen Kindern die Rückkehr in die Schule ermöglicht hat."

Ein konkretes Beispiel ist die Grundschule "Ecole de la Gombe", an der sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler verdoppelt hat. In einer Klasse, die Serge Rombi besuchte, hat die kostenlose Bildung nicht nur das tägliche Leben erheblich verbessert, sondern auch den Optimismus der Kinder.

"Ich werde nicht weggejagt"

Gola besucht die "Ecole de la Gombe" und sagte dem Euronews-Reporter: "Ich gehe zur Schule. Ich zahle nicht und werde nicht weggejagt."

Serge Rombi: "Und was willst Du beruflich machen?"

Gola: "Ich möchte Richter werden."

In den vergangenen Monaten hatte die Schule mit einem plötzlichen Zustrom von Schülern zu kämpfen. Obwohl die Situation manchmal schwierig war, ist die Schulleitung von den Ergebnissen sehr ermutigt.

Alphonse Kapata Simba ist Direktor der Grundschule "Ecole de la Gombe": "Die Kinder, die vielleicht ihr Leben verlieren würden, wenn sie auf der Straße blieben und Fehler machten, sind jetzt in der Schule und lernen. Und die Eltern geben das, was sie früher für die Schule ausgegeben haben, nicht mehr aus. Sie sparen ein bisschen... Das ist gut für die Familie."

Erst 100 Tage im Amt

Nach der Schule steht für Serge Rombi ein Treffen mit dem neuen Regierungschef auf dem Programm. Jean-Michel Sama Lukonde Kyenge trat sein Amt vor 100 Tagen an. Er setzt auf die Jugend, um seinem Land neuen Schwung zu verleihen: "Wir brauchen sie. Die Demokratische Republik Kongo befindet sich wirklich in einem besonderen Moment ihrer Geschichte. Mit Veränderungen, die eine neue Richtung vorgeben. Das macht Hoffnung, das gibt uns Hoffnung."

Der IWF hat der Demokratischen Republik Kongo gerade einen Kreditrahmen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar gewährt. Im Gegenzug haben sich die Behörden zu einem umfassenden Reformprozess verpflichtet. Ziel ist, das Geschäftsklima zu verbessern und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu gewährleisten.

Regierungschef Jean-Michel Sama Lukonde Kyenge erläuterte: "In erster Linie geht es um die Förderung von Unternehmensgründungen, das ist der Ausgangspunkt. Daneben gibt es viele Instrumente. Das bedeutet Rechtssicherheit, an der wir arbeiten müssen. Und schließlich die Anreize in den Bereichen, in denen wir gerne investieren würden."

Zukunftsmarkt Palmöl

Dies erfordert eine Diversifizierung der Wirtschaft, insbesondere im Agrarbereich. Kalaa Mpinga ist einer der bekanntesten kongolesischen Investoren. Ursprünglich aus dem Bergbausektor stammend, hat er erheblich in Palmölfelder und -fabriken investiert. Ein Produkt, das nun unter anderem den Menschen in Kinshasa zugute kommt.

Kalaa Mpinga sagte im Euronews-Interview: "Die 20 Millionen Einwohner werden hauptsächlich mit importierten landwirtschaftlichen Erzeugnissen ernährt. Aber wir haben die Flächen, wir haben das Klima, wir haben die Menschen, es gibt auf jeden Fall keinen Mangel an Arbeitskräften."

Natürlich gibt es Herausforderungen: die Suche nach langfristigen Investoren, die Änderung bestimmter rechtlicher Vorschriften oder der Ausbau der Infrastruktur. Allerdings gebe es einen großen Vorteil, sagte Investor Kalaa Mpinga: "Wir haben das, was ich die schönste, längste und größte Autobahn der Welt nenne: den Kongo-Fluss."

Lockdown als Chance

Auch die Digitaltechnik kommt voran. In der Schule "Chretienne Le Rocher", wie auch in mehr als 6.000 anderen Schulen anderen im ganzen Land, verwenden Kinder und Lehrer Schoolap, ein von einem kongolesischen Start-up-Unternehmen entwickeltes Lern-Tablet.

Die kleine Morgane besucht die Schule "Chretienne Le Rocher": "Es gibt Fragen, Übungen und während des Lockdowns haben wir es benutzt, weil wir zu Hause geblieben sind."

Albert Mbuyi ist Lehrer an der Schule "Chretienne Le Rocher": "Wir können über Videokonferenzen mit allen Kindern in Kontakt treten. Das Lehrpersonal ist entweder in der Schule oder zu Hause."

Albert Lubamba ist Direktor der Schule "Chretienne Le Rocher": "Dies bedeutete, dass wir mit dem Fortschritt der Aktivitäten nicht hinterher hinkten. Und es war großartig!"

Preisgekrönt: Schoolap

Der Erfinder von Schoolap hat mehrere internationale Preise für seine Innovation gewonnen und sein Konzept sogar auf die Seychellen verkauft. Eine kleine Revolution auch für die Qualität der Bildung im Kongo.

Pascal Kanik ist Mitgründer und Geschäftsführer von Schoolap: "Eine öffentliche Schule mit einem einzigen Schoolap-Tablet auszustatten ist so, als würde man diese Schule mit einer Schulbibliothek ausstatten. Und diese Lösung kann in einem Gebiet eingesetzt werden, in dem es kein Internet oder Strom gibt. Keine Region ist also ausgeschlossen."

Die Strategie besteht also darin, auf kongolesische Champions zu setzen, aber auch das Land für ausländische Investoren attraktiver zu machen.

Dazu sagte Regierungschef Jean-Michel Sama Lukonde Kyenge:_ "Man darf nicht vergessen, dass die Demokratische Republik Kongo ein großes Land im Zentrum Afrikas ist. Sie hat nicht nur einen großen Binnenmarkt, wir sprechen hier von fast 100 Millionen Einwohnern, sondern auch neun Nachbarländer und ist damit ein echtes Bindeglied zwischen dem südlichen Afrika, Nordafrika und Westafrika."_

Dynamisches Wachstum

Die Demokratische Republik Kongo hat Wachstumsprognosen von fast fünf Prozent für 2021. Und alle, die Euronews-Reporter Serge Rombi getroffen hat, haben ihm von ihrer Entschlossenheit erzählt, auf dieser neuen Dynamik zu surfen, so auch der Schoolap-Günder Pascal Kanik: "Wir können der Welt heute mitteilen, dass wir im Kongo junge Menschen haben, die hart daran arbeiten, dem Land ein positives Image zu geben. Wir wollen also unser Land weiter verändern."

Auch Investor Kalaa Mpinga ist zuversichtlich: "Ich glaube an den Kongo. Ich glaube an sein Potenzial, und wir sind gekommen, um zu arbeiten und zu kämpfen."

Regierungschef Jean-Michel Sama Lukonde Kyenge sagte abschließend: "Wenn man sich die verschiedenen Indikatoren ansieht, zeigen alle Pfeile nach oben. Wir treffen jeden Tag wichtige Entscheidungen, die in die richtige Richtung gehen. Für mich ist das sehr motivierend, und ich würde mir wünschen, dass wir diese Richtung beibehalten, diesen Aufwärtstrend, der dem Land endlich einen Aufschwung ermöglichen wird. Aus wirtschaftlicher Sicht und zur Verbesserung der sozialen Lage aller Menschen im Kongo."