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Energiearmut in Europa

Von Naomi Lloyd, Sabine Sans
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Energiearmut in Europa
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Was ist Energiearmut?

Als Energiearmut wird eine Form der Armut bezeichnet, bei der Haushalte keinen Zugang zu wesentlichen Energiedienstleistungen haben, die einen angemessenen Lebensstandard und Gesundheit ermöglichen. Mit anderen Worten: Sie können es sich nicht leisten, ihre Wohnungen angemessen zu heizen. Es kann sich auch darauf beziehen, dass sie es sich nicht leisten können, die Wohnung im Sommer kühl zu halten.

Das Recht auf Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Energie ist in Grundsatz 20 der Europäischen Säule sozialer Rechte verankert, der besagt, dass "jeder Mensch das Recht auf Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen von guter Qualität hat, einschließlich Wasser, Sanitärversorgung, Energie und Verkehr". Die europäische Säule sozialer Rechte ist ein Wegweiser zur Stärkung der sozialen Rechte in Europa.

Wie wirkt sich Energiearmut auf Menschen in Europa aus?

Nach den neuesten Daten (EU-SILC - EU-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen für 2019/2020) können es sich mehr als 35 Millionen Europäer nicht leisten, ihre Wohnungen im Winter warmzuhalten. Das entspricht der gesamten Bevölkerung Griechenlands, Portugals, Ungarns und Irlands zusammengenommen, die sich entscheiden müssen zwischen der Beheizung ihrer Wohnungen und Essen auf den Tisch bringen. Man geht jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch höher ist als diese.

Kalte Wohnungen tragen zum Anstieg der Sterblichkeit bei, und obwohl dies hauptsächlich im Winter geschieht, hängt es mehr von den Wohnverhältnissen als vom Klima ab.

Besonders gefährdet sind Menschen mit Behinderungen, Alleinerziehende, Kinder, ältere Menschen, Frauen und Arbeitslose. Die Pandemie bedeutet jedoch auch, dass neue Gruppen wie Studenten und Selbstständige eher von Energiearmut betroffen sind.

Was steckt hinter der Energiearmut?

Die beiden Hauptursachen für Energiearmut sind niedrige Einkommen und das Leben in Gebäuden mit geringer Energieeffizienz.

Die in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Energiepreise in Europa und die anhaltende Pandemie haben den Kampf verschärft und machen es den Menschen noch schwerer, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Energiearmut betrifft alle EU-Mitgliedstaaten. Während die Winter in Nordeuropa kälter sind, ist das Problem in den süd- und osteuropäischen Ländern am akutesten. Dies lässt sich nicht nur mit dem niedrigeren Einkommen erklären, sondern auch mit der Tatsache, dass dort mehr Menschen in Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz leben.

Was muss getan werden, um Energiearmut zu bekämpfen?

Die EU hat den Ländern Maßnahmen vorgeschlagen, um die Energiepreise niedrig zu halten, darunter Einkommensnothilfen und Steuersenkungen.

Längerfristig müssen die Länder in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren.