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KI in Europa: Wer sie nutzt und wo sie noch tabu ist

Die EU finanziert die Einführung von KI, erarbeitet Vorsorgepläne und veröffentlicht Ethikleitlinien. Doch der Einsatz von KI-Tools bleibt uneinheitlich und teils tabu.
Die EU fördert die Einführung von KI, erarbeitet Vorsorgepläne und gibt ethische Leitlinien heraus. Dennoch bleibt der Einsatz von KI-Werkzeugen uneinheitlich und teils tabu. Copyright  Canva
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Von Egle Markeviciute, EU Tech Loop with Euronews
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die EU treibt KI voran, doch der Einsatz bleibt ungleich und tabu. 64% halten KI-Kompetenz bis 2030 für essenziell. Jetzt müssen Ziele messbar werden.

Die Europäische Union investiert weiter parallel in Maßnahmen, die die Nutzung von KI durch Privatpersonen und Unternehmen fördern. Sie erarbeitet neue Vorsorge-Strategien und veröffentlicht verschiedene neue Richtlinien für den ethischen Einsatz von KI.

Laut der Eurobarometer-Umfrage zu künftigen Bedarfen in der digitalen Bildung sind 64 Prozent der Europäer der Ansicht, dass bis 2030 alle KI-Kompetenzen brauchen.

Seit 2021 ist der Einsatz von KI-Technologien in europäischen Unternehmen um 12,30 Prozent gewachsen. Fast ein Drittel (32,7 Prozent) der Europäer gibt an, KI-Werkzeuge genutzt zu haben.

Die Nutzung unterscheidet sich stark zwischen den EU-Ländern. In manchen Staaten sind generative KI für Schule und Beruf akzeptiert und werden gefördert. Anderswo gilt sie noch als Tabu. Das spiegelt sich in extrem niedrigen, teils unrealistischen Selbstauskünften zur Nutzung.

Die beliebtesten KI-Werkzeuge in Europa

Im Jahr 2025 gab OpenAI bekannt, in der Europäischen Union 120,4 Millionen aktive Nutzer zu haben. Das entspricht rund 26 Prozent der EU-Bevölkerung und spiegelt die europäischen Zahlen zur Nutzung generativer KI im Jahr 2025 wider.

Andere Chatbots und Tools nennen ihre EU-Nutzerschaft selten. Da OpenAIs ChatGPT über 80,02 Prozent Marktanteil hat, dürfte der verbleibende Anteil von 19,8 Prozent auf Perplexity, Microsoft Copilot, Google Gemini und Claude entfallen.

Generative KI wird in der formalen Bildung wenig genutzt

Im Jahr 2025 geben im Durchschnitt weniger als ein Zehntel, nämlich neun Komma acht Prozent der Europäerinnen und Europäer, an, generative KI für formale Bildungszwecke zu nutzen.

Am unteren Ende liegen Ungarn mit extrem niedrigen (und höchst unwahrscheinlichen) 0,62 Prozent, gefolgt von Rumänien (3,37 Prozent), Polen (4,59 Prozent), Bulgarien (5,17 Prozent) und Deutschland (6,04 Prozent). Spitzenreiter in der Bildung sind Schweden mit 20,99 Prozent, Malta mit 20,22 Prozent, Dänemark mit 17,86 Prozent, Spanien mit 16,26 Prozent und Estland mit 15,41 Prozent.

Laut der jüngsten Eurobarometer-Umfrage zu künftigen Bedarfen in der digitalen Bildung sehen 54 Prozent Vor- und Nachteile von KI im Unterricht. Weniger als ein Viertel, nämlich 22 Prozent, sind der Meinung, KI habe dort gar nichts zu suchen.

EU Tech Loop
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Die EU hat bereits ethische Leitlinien für den Einsatz von KI in der Bildung veröffentlicht. Manche Lehrkräfte lehnen die wachsende Nutzung durch Studierende offen ab oder sind davon ermüdet. Zwei Bereiche brauchen nun schnelle Aufmerksamkeit.

Erstens sollte die EU den Zugang zu sicheren, altersgerechten KI-Werkzeugen für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrkräfte verbessern, damit alle unter Aufsicht Kompetenzen aufbauen können. Das ist besonders relevant in Ländern mit niedrigen Digitalfähigkeiten insgesamt und begrenztem Internetzugang.

Zweitens sollten Lehrkräfte gemeinsam mit den Bildungsministerien der Mitgliedstaaten genau prüfen, wie KI in der täglichen Arbeit hilft – vor allem bei Lernenden mit Schwierigkeiten und Behinderungen wie Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS, Autismus und anderen. Richtig umgesetzt ist das eine große Chance, neue, personalisierte Ansätze zu testen und Methoden anzupassen, um für Lehrende und Lernende die besten Ergebnisse zu erzielen.

15,07 Prozent der Europäer geben an, generative KI beruflich zu nutzen

Etwas mehr, nämlich im Durchschnitt 15,07 Prozent der Menschen in Europa, geben an, generative KI für berufliche Zwecke zu nutzen.

Wieder am Ende stehen Ungarn (1,31 Prozent), Rumänien (5,24 Prozent), Italien (8,00 Prozent), Polen (8,36 Prozent) und Bulgarien (8,43 Prozent). Malta führt mit 29,64 Prozent, gefolgt von Dänemark (27,17 Prozent), den Niederlanden (26,56 Prozent), Estland (25,12 Prozent) und Finnland (25,11 Prozent).

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Ein Viertel der Europäer gibt an, generative KI privat zu nutzen

Bei der privaten Nutzung sind viele Europäer offener in der Auskunft für private Zwecke.

Zypern liegt mit 43,13 Prozent vorn, gefolgt von Griechenland (40,91 Prozent), Estland (37,47 Prozent), Malta (37,20 Prozent) und Luxemburg (35,71 Prozent). Ungarn steht erneut am Ende mit nur 2,12 Prozent, gefolgt von Italien (12,81 Prozent), Rumänien (14,85 Prozent), Polen (19,13 Prozent) und Bulgarien (20,15 Prozent).

EUROSTAT / Nutzung generativer KI-Tools durch Einzelpersonen für private Zwecke / 2025

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Dänemark liegt bei der KI-Einführung in Unternehmen vorn

Im Durchschnitt nutzen rund 19,95 Prozent der europäischen Unternehmen mindestens eine KI-Technologie. Das ist ein Plus von 12,3 Prozent seit 2021.

Die Werte unterscheiden sich deutlich zwischen den Ländern. Nordische und Benelux-Länder führen, südliche und östliche Staaten bleiben zurück. Auch die Reifegrade der Unternehmen gehen weit auseinander: Manche sind bei der KI-Transformation schon weit oder verfügen immerhin über starke Prozesse und Datenfundamente. Andere arbeiten noch sehr basal, Tool für Tool.

Dänemark führt bei der Nutzung von KI-Tools in Unternehmen mit 42,03 Prozent (plus 18,14 Prozent seit 2021). Es folgen Finnland mit 37,82 Prozent (plus 22,03 Prozent), Schweden mit 35,04 Prozent (plus 25,11 Prozent), Belgien mit 34,54 Prozent (plus 24,22 Prozent) und Luxemburg mit 33,61 Prozent (plus 20,61 Prozent).

Am Ende der Liste stehen Rumänien mit 5,21 Prozent (plus 3,83 Prozent seit 2021), Polen mit 8,36 Prozent (plus 5,5 Prozent), Bulgarien mit 8,55 Prozent (plus 5,26 Prozent), Griechenland mit 8,93 Prozent (plus 6,32 Prozent) und Zypern mit 9,27 Prozent (plus 6,68 Prozent).

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Der EU-Aktionsplan „AI Continent“ und die Strategie „Apply AI“ gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Jetzt sollte die EU tiefer in sektorale KI-Anwendungen, Geschäftsprozesse und die tatsächliche Einsatzbereitschaft unterschiedlicher Unternehmensarten und -größen einsteigen.

Politische Strategien sind oft das Ergebnis konkurrierender Ideen und Ambitionen. Beide Papiere spiegeln das deutlich wider.

Messbare KPIs auf Ebene der Mitgliedstaaten, ein fortgesetzter Fokus auf großskalige Initiativen (ob KI-Weiterbildung oder Zugang zu Rechenleistung und Daten) und eine klare Differenzierung nach Unternehmenstyp, Größe und KI-Reife können der EU helfen, mit gezielter Unterstützung rasch voranzukommen – ohne Zeit und Steuergeld für teure Maßnahmen mit wenig Wirkung zu verschwenden.

Diese Geschichte erschien ursprünglich bei EU Tech Loop und wurde im Rahmen einer Vereinbarung mit Euronews geteilt.

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