Nach dem 7. Oktober soll Radiant Research Labs dem Nachrichtendienst der israelischen Armee kurzfristig technische Unterstützung bereitgestellt haben. Laut "Jerusalem Post" trugen die eingesetzten Hilfsmittel dazu bei, Hinweise auf den Aufenthaltsort mehrerer israelischer Geiseln zu gewinnen.
Die "Jerusalem Post" berichtet, dass das israelische Startup Radiant Research Labs fortschrittliche Cyber-Tools entwickelt. Gegründet wurde das Unternehmen von ehemaligen Experten des israelischen Militärgeheimdienstes sowie früheren Mitarbeitern von NSO. Im Mittelpunkt stehen demnach sogenannte "Zero-Click"-Tools, die in bestimmten Fällen ohne Nutzerinteraktion funktionieren sollen.
Mit dieser Technologie können Telefone und Computer angegriffen werden, ohne dass Betroffene auf Links klicken oder Dateien öffnen müssen. Seit der Gründung im Mai 2023 soll Radiant rund zehn zentrale Werkzeuge entwickelt haben. Einige davon gelten laut Bericht als streng geheim. Die Produkte richten sich demnach vor allem an westliche und internationale Sicherheits- und Nachrichtendienste.
Nach den Ereignissen vom 7. Oktober habe das Unternehmen dem Geheimdienst der israelischen Armee (IDF) nach Darstellung des Berichts kurzfristig technische Unterstützung bereitgestellt. Diese habe dabei geholfen, Hinweise auf den Aufenthaltsort mehrerer israelischer Geiseln zu gewinnen.
Radiant wird von Tal Slomka und Tzvika Moshkovitz geführt. Beide verfügen über langjährige Erfahrung im IDF-Geheimdienst. Slomka diente in der Luftwaffe und in der Einheit 8200. Dort arbeitete er an Technologien zur Überwachung von Bedrohungen aus der Luft. Später wechselte er zu NSO und ist heute Gründer und CEO von Radiant.
Moshkovitz war im Nachrichtendienst der IDF und im Büro des Premierministers tätig. Auch er arbeitete später bei NSO, unter anderem in Analyse und Marktentwicklung. Bei Radiant verantwortet er laut Bericht das Marketing.
Entwicklungsstrategie und Technologie
Radiant beschreibt seinen Ansatz als anders als bei NSO und Paragon. Das Unternehmen konzentriere sich vor allem auf grundlegende technische Komponenten, also auf die "Motoren" hinter Cyber-Tools. Fertige Endprodukte, die operativ eingesetzt werden, entwickle Radiant demnach nicht selbst.
Mitarbeiter vergleichen die Arbeit mit dem Bau eines Automotors, nicht des Autos. Das erfordere ein hohes Maß an technischem Können und operativem Know-how.
Innerhalb von sechs Monaten habe Radiant sein erstes "Zero-Click"-Tool entwickelt. Danach seien weitere zentrale Werkzeuge entstanden. Details dazu bleiben nach Angaben des Unternehmens vertraulich.
Radiant betont, es arbeite überwiegend mit demokratischen Staaten zusammen. Das Unternehmen verweist dabei auf eigene Compliance- und Ethikstandards, die den Einsatz seiner Tools leiten sollen.
Zu den Ländern, die in der Vergangenheit israelische Cybertechnologie importiert haben, zählen den Angaben zufolge die USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Genannt werden außerdem die Niederlande, Frankreich, Deutschland, Japan und Südkorea.
Die Debatte über den Einsatz solcher Technologien hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Die USA haben Sanktionen gegen Unternehmen wie NSO und Intellexa verhängt. Begründet wurden sie unter anderem mit Vorwürfen, ihre Technologien seien gegen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten eingesetzt worden.
Der Bericht deutet zugleich an, dass die Trump-Administration offensiven Cyberfähigkeiten teils aufgeschlossener gegenüberstand. Das habe insbesondere dann gegolten, wenn entsprechende Operationen zu den strategischen Zielen der USA passten.
Nutzung des israelischen Fachwissens
Radiant setzt gezielt auf Absolventen israelischer Cyber-Einheiten. Viele von ihnen arbeiten im Ausland, etwa in Portugal, Spanien, Griechenland oder Zypern. Dort könnten ihre Fähigkeiten im lokalen Privatsektor häufig nur eingeschränkt eingesetzt werden.
Das Unternehmen will ihnen die Mitarbeit an anspruchsvollen Sicherheits- und Geheimdienstprojekten ermöglichen. Gleichzeitig soll ein Umfeld entstehen, das kontinuierliche Innovation fördert. Neue Ideen und Werkzeuge sollen schneller entwickelt werden als in großen Technologiekonzernen.
Außerdem plant Radiant Konferenzen zur Verteidigungstechnologie. Dafür will das Unternehmen laut Bericht mit hochrangigen israelischen Cybersicherheits-Vertretern zusammenarbeiten. Die Identität zentraler Sprecher soll dabei vertraulich bleiben.