Auf der Vivatech in Paris erklärt Emilie Sidiqian, Chefin von Salesforce Frankreich, Euronews Next, wie Firmen KI sinnvoll nutzen sollen und warum ihre Führungspersönlichkeiten den Wandel anstoßen müssen.
Salesforce war früher vor allem für seine Software bekannt, mit der Unternehmen Kunden, Verkaufskontakte und Serviceanfragen verfolgen. Inzwischen dringt der Konzern nach eigenen Angaben deutlich stärker in die Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) vor.
Der US-Konzern wirbt für das Konzept des „agentic enterprise“ – eines Unternehmensmodells, in dem KI-Agenten über alle Geschäftsbereiche hinweg Seite an Seite mit Menschen arbeiten.
Im Jahr 2024 brachte Salesforce mit Agentforce eine eigene Plattform für KI-Agenten auf den Markt. In diesem Monat kündigte das Unternehmen zudem die Übernahme von Fin an, einem auf Kundenservice spezialisierten KI-Anbieter – Preis: 3,6 Milliarden Dollar (3,14 Milliarden Euro). Dessen virtueller Agent beantwortet Kundenfragen und löst Supportfälle.
„Wir sind vom klassischen Customer Relationship Management (CRM) zu Daten, von Daten zu KI und von KI zum agentic enterprise übergegangen“, sagte Emilie Sidiqian, Geschäftschefin von Salesforce Frankreich, im Gespräch mit Euronews Next auf der Tech-Konferenz Vivatech in Paris.
„Unser Anspruch ist es, die Art und Weise neu zu denken, wie Unternehmen die KI-Revolution für sich nutzen“, so Sidiqian weiter.
Nach Angaben von Salesforce liefert Agentforce „echte konversationale KI“ in Service-, Vertriebs- und Marketingprozessen. Der Konzern verweist auf 66 % aller Fälle, die das System eigenständig löst, auf 15 % mehr Marketing-Pipeline und auf eine 1,8‑mal höhere Lead-Conversion.
Die KI-Agenten laufen nach Angaben von Sidiqian bereits bei Kunden. Dazu gehört SharkNinja, ein US-Hersteller von Haushaltsgeräten, der sie für rund um die Uhr verfügbaren Kundensupport in 30 Ländern einsetzt.
Die Schweizer Personaldienstleisterin Adecco setze KI-gestützte Gespräche mit Bewerberinnen und Bewerbern ein und habe so 1,2 Millionen Konversationen geführt und 50.000 Stellenbesetzungen beschleunigt, sagt sie.
Unternehmens-KI sei „für alle“ da – von kleinen Firmen über mittelgroße Betriebe bis zu globalen Konzernen, betonte die Salesforce-Managerin.
„Das ist kein bloßes Werkzeug“, sagte Sidiqian. „Das ist der Beginn einer neuen Art von Innovation. Das Tempo ist enorm. Man sieht, wie sie alle möglichen Berufe und Tätigkeiten verändert.“
Arbeitswelt im KI-Zeitalter: Berufe im Wandel
Sidiqian betonte, Ziel sei nicht, Menschen zu ersetzen. Gefragt sei ein „hybrides“ Arbeitsmodell, in dem Menschen „im Zentrum“ bleiben und KI-Agenten vor allem Routine- und Wiederholungsaufgaben übernehmen.
Aus ihrer Sicht ist dieser Wandel eine Führungsaufgabe: Geschäftsleitungen und Management-Teams müssten entscheiden, wie KI die Tätigkeiten im ganzen Unternehmen verändert.
„KI ist zunächst nur eine Technologie. Wenn man das Geschäftsmodell wirklich neu erfindet, müssen die Führungskräfte verstehen, wie sie jeden einzelnen Job im Unternehmen verändern“, sagte sie.
„Das ist eine Frage der Führung und sie muss vom CEO und von jedem einzelnen Führungsgremium getragen werden“, fügte sie hinzu.
Sidiqian sagt, sie nutze täglich KI-Werkzeuge – etwa Slack, das zu Salesforce gehört. Dort fungiert Slackbot als eine Art Concierge: Er fasst die nächtlichen Aktivitäten der Teams von den USA bis Japan zusammen und markiert Punkte, die eine Freigabe brauchen.
Ziel sei es, nicht ständig zwischen verschiedenen Tools zu wechseln, sondern KI als „Cockpit“ zu nutzen, das Arbeit mit den passenden Rechten und Daten organisiert. Sie ermutigt auch ihre Teams, KI einzusetzen, denn die Einführung müsse von oben vorgelebt werden.
„Mit der richtigen Führung, mit echter Akzeptanz und wenn diese Revolution im Kern des Geschäftsmodells ankommt, eröffnet sich für Unternehmen eine enorme Wachstumschance.“
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