Geheimdienstverbund Five Eyes warnt vor Cyberangriff in den nächsten Monaten: USA schränken Zugang zu Anthropic-KI stark ein
Mächtige KI-Modelle könnten die weltweite Cybersicherheit aus den Angeln heben und Regierungen wie Unternehmen massiv schädigen. Nach Einschätzung führender Geheimdienste sind sie nur noch wenige Monate entfernt.
Der Geheimdienstverbund Five Eyes, dem Australien, die USA, das Vereinigte Königreich, Neuseeland und Kanada angehören, warnt, dass hochentwickelte neue KI-Modelle Angreifern Cyberattacken erleichtern könnten.
Der Bericht erscheint, nachdem US-Präsident Donald Trump im Juni ausländischen Staatsangehörigen die Nutzung von Anthropic neuestem KI-Modell Fable 5 und Mythos 5 untersagt hat. Das Unternehmen nahm die Modelle daraufhin vom Netz.
In der Erklärung der Five Eyes heißt es, KI werde „uns helfen, die Cyberabwehr im Laufe der Zeit zu verbessern, sie beschleunigt aber zugleich Tempo, Umfang und Raffinesse von Cyberbedrohungen“.
Demnach werden sogenannte Frontier-KI-Modelle die derzeitigen Erwartungen der Branche übertreffen und offensive wie defensive Cyberfähigkeiten grundlegend verändern. „Der Zeithorizont liegt nicht bei Jahren, sondern bei Monaten“, heißt es in der Warnung der Five-Eyes-Behörden.
Der Bericht ruft zu entschlossenem Handeln auf. Er empfiehlt Entscheidungsträgern, die Risiken zu verstehen und zu bewerten, grundlegende Cybersicherheitspraktiken und -kontrollen zu priorisieren, Verantwortliche für IT-Sicherheit mit Befugnissen und Ressourcen auszustatten und aufmerksam zu bleiben, wenn sich Bedrohungen und Empfehlungen weiterentwickeln.
„Erfolg entsteht, wenn die Grundlagen stimmen, schnell gehandelt wird und Cybersicherheit Teil der zentralen Unternehmensstrategie ist“, heißt es weiter.
Wer das nicht tut, gerät zunehmend in einen operativen und strategischen Nachteil.
Der Bericht nennt kein konkretes Unternehmen und kein einzelnes Modell. Generative KI-Systeme können jedoch gezielt nach Schwachstellen in Sicherheitsarchitekturen suchen und sie ausnutzen.
Die Analyse bestätigt Aussagen von Cybersicherheitsexperten gegenüber Euronews Next: Viele bereits verfügbare KI-Modelle sind in der Lage, bestehende Schwachstellen in der digitalen Sicherheit auszunutzen.
Die Geheimdienste warnen außerdem, dass unnötige Internetanbindungen, schwache Identitäts- und Zugriffskontrollen, mangelnde Planung in Organisationen, veraltete Systeme und langsame Update-Zyklen Ansatzpunkte sind, die KI ausnutzen wird.
Mit steigenden Fähigkeiten der Modelle und ihrer breiten Verfügbarkeit über Open-Source-Software wächst auch das Cybersicherheitsrisiko.
„Das hohe Tempo bei der Entwicklung von Frontier-KI führt dazu, dass Annahmen über Cyberrisiken schon nach wenigen Monaten veraltet sein können, nicht erst nach Jahren“, schreiben die Behörden.
„Wir müssen rechtzeitig handeln und darauf vorbereitet sein, uns anzupassen und wachsenden Bedrohungen standzuhalten.“