SNCF kündigt eine neue Option an. Sie richtet sich an Geschäftskunden und alle, die ein besonderes Reiseerlebnis mit persönlicher Hilfe und Flexibilität suchen.
Die staatliche französische Bahn hat in ausgewählten Zügen einen neuen Bereich der Ersten Klasse eingeführt. Er bietet Geschäftsreisenden „einen ruhigen, abgeschirmten Raum“.
Seit Anfang Januar gibt es die neue Klasse Optimum Plus. Sie ersetzt die bisherige Business Première.
Wie die Vorgängerklasse bleibt Optimum Plus Kindern unter zwölf Jahren verwehrt.
Die Ankündigung löste Streit aus. Der Podcast Les Adultes de demain („Die Erwachsenen von morgen“) erklärte: „Es wurde eine rote Linie überschritten, und niemand spricht darüber.“
Neue Zugklasse in Frankreich schließt Kinder aus
Die neuen Optimum-Plus-Wagen fahren vorerst nur in TGV-Zügen zwischen Paris und Lyon.
In diesen Zügen gibt es weiterhin die reguläre Erste Klasse und die Standardklasse.
Die SNCF richtet das Angebot an Geschäftsreisende und an Menschen, die „ein besonderes Reiseerlebnis mit persönlicher Betreuung und Flexibilität“ wünschen.
Dazu gehört: Zutritt erst ab zwölf Jahren. „Um maximalen Komfort zu gewährleisten, sind Kinder nicht zugelassen“, heißt es in den Ticketbedingungen.
„Es entsteht der Eindruck, Komfort für Erwachsene setze die Abwesenheit von Kindern voraus“
Die Einführung sorgte online und in französischen Medien für Wirbel.
Auf Instagram schrieb Les Adultes de demain: „Das führende öffentliche Verkehrsunternehmen in Frankreich folgt nun ebenfalls der ‚No-Kids‘-Linie. Statt eigene Abteile für Kinder zu schaffen, schließt die SNCF-Gruppe sie aus.“
Einige verbanden den Schritt mit der stagnierenden Geburtenrate in Frankreich.
„Das ist der Beweis, dass der Geburtenrückgang auch kulturelle Gründe hat; Kinder werden so selten, dass wir ihre bloße Anwesenheit kaum noch ertragen“, schrieb der Ökonom Maxime Sbaihi auf X.
Andere verwiesen darauf, dass Haustiere dagegen für zehn Euro pro Fahrt erlaubt sind.
Ähnliche Kritik äußerte in einem TV-Interview auch Frankreichs Kinderbeauftragte, Sarah El Haïry.
„Wenn man den Eindruck erweckt, der Komfort für Erwachsene hänge von der Abwesenheit von Kindern ab, ist das schockierend“, sagte sie. „Man kann nicht sagen: ‚Achtung, wir bekommen weniger Kinder, wir haben demografische Probleme‘ und zugleich derart eindeutige Signale aussenden.“
„Kinder sind in unseren Zügen willkommen“
Als Reaktion auf die Kritik betont die SNCF: Optimum Plus gibt es nur montags bis freitags und nur mit sehr wenigen Plätzen (acht Prozent der Sitze).
„Das heißt: Unter der Woche sind zweiundneunzig Prozent der Sitze und am Wochenende hundert Prozent für alle offen“, sagt ein Sprecher gegenüber Euronews Travel.
„Das Kleinkind-Paket und das Kinderticket gelten in diesem Bereich nicht. Das ist nichts Neues: Schon bei Business Première war das über viele Jahre so, ohne negative Rückmeldungen“, heißt es weiter.
Zugleich betont die SNCF, man habe stets Anträge von Kundinnen und Kunden abgelehnt, komplette Wagen, etwa die Erste Klasse, in Zügen der TGV INOUI kinderfrei zu machen.
„Kinder sind an Bord unserer Züge willkommen. Wir bieten sehr attraktive Familientarife und Familienbereiche“, ergänzt der Sprecher. „In TGV-Zügen gibt es Wickelbereiche, und im Programm Junior & Compagnie betreuen wir jedes Jahr 300.000 Kinder.“