Reisen in gerettete Gemäuer werden zum Trend: Wir besuchen berüchtigte Gefängnisse, die heute als exklusive Designhotels Gäste empfangen.
Enge Zellen und wenig appetitliches Essen – Gefängnisse gelten nicht gerade als Inbegriff eines Luxusurlaubs, oder eines Urlaubs überhaupt.
Doch sogenannte „salvaged stays“ – historische Gebäude, die zu Hotels umgebaut wurden – zählen zu den wichtigsten Reisetrends des Jahres 2026. Einige ehemalige Gefängnisse erleben dadurch eine zweite Karriere als Fünf-Sterne-Häuser.
Vom Gefängnis aus osmanischer Zeit bis zum Bau für deutsche Revolutionäre – hier einige der exklusivsten „Gefängnisausbrüche“ weltweit.
Bald übernachten Gäste in einem ehemaligen Jugendgefängnis in Japan
Die Eröffnung ist für Juni dieses Jahres geplant; dieses Haus der Hotelgruppe Hoshino Resorts zieht in das frühere Jugendgefängnis von Nara ein.
Der Gefängnisbau stammt aus dem Jahr 1908 aus der Meiji-Zeit. Bis 2017 diente er als Jugendstrafanstalt, dann schloss er und steht seither als nationales Kulturgut unter Schutz.
Die japanische Hotelmarke hat den Charakter des Gebäudes bewusst bewahrt. Die Fassade aus roten Ziegeln und die markanten Stahlkonstruktionen im Inneren bleiben erhalten, trotzdem sollen die Räume großzügig wirken.
Das Haus bietet ausschließlich Suiten. Für jede der 48 Einheiten wurden zwischen neun und elf frühere Einzelzellen zusammengelegt. Im früheren Haftrakt zieht nun ein japanisch-französisches Restaurant ein.
Auf dem Gelände öffnet im April zudem das Nara Prison Museum. Besucherinnen und Besucher erfahren dort mehr über die Geschichte der Anstalt und ihre Architektur.
Vor den Toren des Hotels locken der Nara-Park mit seinen frei herumlaufenden Hirschen und mehrere Tempel. Dazu gehört der zum UNESCO-Welterbe zählende Todai-ji, einer der Sieben Großen Tempel der Stadt.
Istanbuls Gefängnis für Intellektuelle ist heute ein Four Seasons Hotel
Das heutige Four Seasons Hotel Istanbul at Sultanahmet entstand 1918 nach Plänen des Architekten Mimar Kemaleddin Bey im türkischen neoklassizistischen Stil.
Bis 1969 diente das Gebäude als Gefängnis. Hier saßen vor allem regimekritische Intellektuelle wie Schriftstellerinnen, Schriftsteller und Journalistinnen und Journalisten ein. In den Zellen entstanden zahlreiche Klassiker der türkischen Literatur, darunter „Menschenlandschaften aus meinem Land“ von Nazım Hikmet Ran und „Abteilung 72“ von Orhan Kemal.
In den achtziger Jahren nutzten die Behörden den Komplex noch einmal kurz als Haftanstalt für politische Gefangene. Danach wurde er umfassend saniert und 1996 als Four Seasons Hotel Istanbul at Sultanahmet eröffnet.
Heute erinnert nur noch die Fassade sowie der erhaltene Marmor und Stein in Bereichen wie dem Spa an die frühere Nutzung. Das Haus verfügt über 65 großzügige Zimmer und Suiten mit Blick auf den Bosporus.
Im Inneren warten das traditionelle Kurna Spa mit Hamam-Erlebnis sowie mehrere Restaurants und Bars.
Durch die Lage im Stadtteil Sultanahmet erreichen Gäste Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia und den Topkapi-Palast zu Fuß.
Aus dem Gefängnis für Freiheitskämpfer wurde das Hotel Liberty
Die Geschichte des heutigen Hotel Liberty reicht bis in die vierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts zurück. Die ersten „Gäste“ waren politische Häftlinge der gescheiterten Badischen Revolution von 1848.
Seit 2017 empfängt das Haus Gäste als Designhotel. Architekt Jürgen Grossmann verband die beiden früheren Trakte mit einem gläsernen Kubus, der heute die Lobby beherbergt.
An vielen Stellen erinnert das Konzept an die Vergangenheit. Die alten Zellentüren sind für den Hotelalltag zwar zu klein, hängen aber neben jeder der 38 Suiten. Auch der Name des Restaurants, Wasser&Brot, spielt auf die frühere Häftlingskost an.
Offenburg gilt als Tor zum Schwarzwald. Rundherum warten zahlreiche Wander- und Spazierwege.
Aus dem berüchtigten Charles Street Jail wurde das Hotel The Liberty in Boston
Das Charles Street Jail öffnete 1851. Es entstand in Zusammenarbeit mit dem Gefängnisreformer Reverend Louis Dwight.
Der Entwurf mit einem achteckigen Zentralbau und dreistöckigen Rundbogenfenstern in jedem der vier Flügel ließ viel Tageslicht in das Innere strömen.
Bis 1990 diente der Komplex als Gefängnis. Das lichtdurchflutete Atrium prägt heute das Hotel, das 2007 eröffnet hat.
Weitere historische Details sind das schmiedeeiserne Fenstergitter und einige erhaltene Zellen im Hotelrestaurant. Der frühere Hof für den Gefängnissport ist inzwischen ein begrünter Innenhof.
Auch die Restaurantnamen spielen augenzwinkernd mit der Gefängnisgeschichte. Die Bar Alibi befindet sich etwa in der früheren Ausnüchterungszelle. Auf wöchentlichen Führungen können Gäste mehr über die Vergangenheit des Hauses erfahren.
Das Hotel liegt im historischen Viertel Beacon Hill. Von hier spazieren Gäste zur Charles River Esplanade oder in den Boston Common.
Übernachten im einst berüchtigten Gefängnis: The Interlude in Australien
Das Pentridge Prison, einst Haftort berüchtigter Krimineller wie Ronald Joseph Ryan und Mark „Chopper“ Read, befindet sich seit rund einem Jahrzehnt im Wandel.
Zwischen 1851 und 1997 war es in Betrieb. Heute beherbergt das Areal verschiedene Restaurants und Bars, ein Kino und sogar eine Hochzeitslocation.
Im Trakt B entstand The Interlude, ein kleines Boutiquehotel mit nur 19 Suiten.
Für jede Suite wurden vier oder fünf ehemalige Zellen zusammengelegt. Die Innenräume zeigen weiterhin das ursprüngliche Mauerwerk, sind aber mit zeitgemäßem Komfort ausgestattet.
Das Haus versteht sich als weltweit erstes „urbanes Wellness-Retreat in einem umgebauten Gefängnis“. Herzstück ist ein unterirdischer Pool.
Mehr über die Geschichte der Haftanstalt erfahren Besucherinnen und Besucher auf einer Pentridge-Prison-Tour durch den Trakt H.
Pentridge wurde auf einem für das Volk der Wurundjeri heiligen Gebiet errichtet. Bevor das Hotel eröffnete, führte der lokale Wurundjeri-Älteste Bill Nicholson dort eine rituelle Reinigung durch.
Rund um den Pentridge-Coburg-Komplex lockt der Stadtteil zudem mit vielen Cafés und nahöstlicher Küche.