Angesichts immer häufigerer Extremtemperaturen in Europa rüstet Eurostar seine nächste Zug-Generation mit Klimaanlagen aus, die auch bei bis zu 55 Grad für fahrende Züge sorgen.
Extrem heiße Sommer werden in Europa zunehmend zur neuen Normalität. Selbst der Hochgeschwindigkeitsverkehr muss sich darauf einstellen.
Eurostar hat beschlossen, seine neue Zugflotte aufzurüsten, damit sie Temperaturen von bis zu 55 Grad standhält. Die intensiven Hitzewellen dieses Sommers haben deutlich gemacht, wie verwundbar Verkehrsnetze bei extremem Wetter sind.
Die neuen Züge sollen 2031 in Betrieb gehen und mehrere Jahrzehnte fahren. Das Unternehmen setzt damit auf eine Zukunft, in der heutige Rekordtemperaturen womöglich keine Ausnahme mehr sind.
Ende vergangenen Jahres teilte das Unternehmen mit, dass der Auftrag für eine neue Generation von Doppelstockzügen bestätigt ist. Die „Celestia“-Züge waren ursprünglich dafür ausgelegt, bei Temperaturen bis 45 Grad zu funktionieren.
Nun hat sich das Unternehmen für bis zu 50 Züge entschieden, die Temperaturen bis 55 Grad aushalten. Ausschlaggebend waren anhaltende Hitzewellen in vielen Teilen Europas, in denen Eurostar unterwegs ist.
Vor allem Frankreich litt unter der extremen Hitze. In Pissos, einer Kleinstadt im Südwesten des Landes, wurden im Juni 44,3 Grad gemessen – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.
„Wir haben beschlossen, unsere neue Flotte von bis zu 50 Celestia-Zügen mit Klimaanlagen auszustatten, die auch bei Temperaturen bis 55 Grad arbeiten“, sagte ein Eurostar-Sprecher der britischen Zeitung Daily Mail (Quelle auf Englisch).
„Diese Züge gehen 2031 in Betrieb und werden bis in die 2060er-Jahre fahren. Daher ist es entscheidend, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“
Eurostar: Neue Züge revolutionieren den Bahnverkehr
Abgesehen von der höheren Hitzebeständigkeit bleiben die von der Alstom-Gruppe gebauten Züge weitgehend so, wie ursprünglich vorgesehen.
Die Doppelstockzüge werden als erste ihrer Art durch den Ärmelkanal-Tunnel und auf dem britischen Bahnnetz fahren.
Die Züge sollen rund zweihundert Meter lang sein. Die Sitzplatzkapazität steigt um 20 Prozent auf insgesamt 540 Fahrgäste. Jeder Zug wird zwischen den fünf Ländern verkehren, die Eurostar derzeit bedient, und zusätzlich die neuen Ziele Genf und Frankfurt ansteuern.
Bisher hat Eurostar dreißig Züge bestellt, mit der Option auf weitere 20. Das Unternehmen will die jährliche Zahl der Fahrgäste auf 30 Millionen steigern.
Der Betreiber kennt die Auswirkungen großer Hitze auf seinen Betrieb nur zu gut.
Allein am 25. Juni fielen vier Züge zwischen London St Pancras und Paris Gare du Nord aus, weil die Hitze das Netz lahmlegte.
Die Meldung über die neuen Züge kommt zu einem Zeitpunkt, an dem bekannt wurde, dass Eurostar jährlich 2 Milliarden Pfund (2,34 Milliarden Euro) zur britischen Wirtschaft beiträgt. Dieser Wert dürfte im kommenden Jahrzehnt weiter steigen, da der internationale Bahnverkehr wächst.