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US-Studie: Vogelbestände schrumpfen rasant durch Klimawandel und Agrarindustrie

Nordamerikas Vogelbestände schrumpfen immer schneller. Fachleute machen vor allem die Landwirtschaft und die Erderwärmung dafür verantwortlich.
Nordamerikas Vogelbestände schrumpfen immer schneller. Fachleute machen die Landwirtschaft und den Klimawandel verantwortlich. Copyright  AP Photo
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Von Joshua Bickel and Julián Trejo Bax
Zuerst veröffentlicht am
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Selbst extrem anpassungsfähige Vogelarten verschwinden rasant – ein alarmierendes Signal mit möglichen Folgen für unsere eigene Zukunft.

Über Nordamerika ziehen heute Milliarden Vögel weniger als noch vor einigen Jahrzehnten. Ihre Bestände schrumpfen zudem immer schneller, wie eine neue Studie zeigt. Hauptursachen sind intensive Landwirtschaft und steigende Temperaturen.

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Von den 261 untersuchten Arten verzeichneten fast die Hälfte so starke Rückgänge, dass sie statistisch ins Gewicht fallen. Bei mehr als der Hälfte dieser schrumpfenden Arten beschleunigt sich der Bestandsverlust seit 1987, heißt es in der Fachzeitschrift „Science“.

Die Untersuchung blickt über bloße Gesamtzahlen der Vogelbestände hinaus. Sie analysiert, wie sich die Bestände im Zeitverlauf entwickeln, wo sie am stärksten einbrechen und mit welchen Faktoren diese Verluste zusammenhängen.

„Wir verlieren nicht nur Vögel, wir verlieren sie von Jahr zu Jahr immer schneller“, sagt Mitautorin Marta Jarzyna, Ökologin an der Ohio State University.

Sind schrumpfende Vogelarten vom Aussterben bedroht?

Ein kleiner Trost: Besonders schnell schrumpfen derzeit Arten wie der europäische Star, die amerikanische Krähe, Grackel und der Haussperling. Ihre Bestände sind noch so groß, dass sie bislang nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, sagt Studienleiter Francois Leroy, ebenfalls Ökologe an der Ohio State University.

Der Naturschutzforscher Kenneth Rosenberg von der Cornell University, der nicht an der Studie beteiligt war, weist darauf hin, dass die nun am stärksten zurückgehenden Arten oft als Schädlinge oder „Drecksvögel“ gelten. „Wenn unsere Umwelt nicht einmal mehr stabile Bestände dieser extrem anpassungsfähigen, wenig anspruchsvollen Arten verkraftet, die eigentlich gut mit dem Menschen zurechtkommen, ist das ein starkes Signal dafür, dass diese Umwelt auch für Menschen und andere Lebewesen toxisch ist.“

Schon Rosenbergs Studie aus dem Jahr 2019 zeigte bei denselben Arten die größten Einbrüche. Damals kam er zu dem Ergebnis, dass es in Nordamerika rund drei Milliarden Vögel weniger gibt als 1970. Die Arbeit untersuchte jedoch weder die Veränderung der Verlustgeschwindigkeit noch die Ursachen.

Wo schrumpfen die Vogelbestände am schnellsten?

Am stärksten beschleunigt sich der Vogelverlust laut Studie im Mittleren Atlantik, im Mittleren Westen und in Kalifornien. Die geografische Lage erwies sich als entscheidend, als Leroy und Jarzyna nach den Gründen für die immer rascheren Bestandsverluste suchten.

Beim Blick auf den allgemeinen Bestandsrückgang, nicht auf die Beschleunigung, stellten die Forschenden weiter südlich größere Verluste fest, etwa in Florida und Texas. Eine vertiefte Auswertung ergab einen statistischen Zusammenhang mit höheren Temperaturen infolge des menschengemachten Klimawandels.

„In Regionen mit den stärksten Temperaturanstiegen beobachten wir auch die stärksten Bestandsrückgänge“, sagt Jarzyna. „Die zunehmende Geschwindigkeit dieser Verluste hingegen hängt vor allem mit landwirtschaftlichen Praktiken zusammen.“

Das Team fand statistische Zusammenhänge zwischen der Beschleunigung des Rückgangs und hohem Einsatz von Düngemitteln, intensivem Pestizidgebrauch sowie der Ausdehnung von Ackerflächen, erklärt Leroy. Ein direkter Ursache-Wirkung-Beweis lasse sich daraus zwar nicht ableiten, doch deuteten die Ergebnisse klar darauf hin, dass die Landwirtschaft insgesamt eine wichtige Rolle spielt.

Warum sind Vögel so wichtig?

Vögel sind weit mehr als nur beeindruckende Wildtiere. Sie bilden eine tragende Säule vieler Ökosysteme.

„Vögel sind wichtige Bestäuber, sie verbreiten Samen, sie halten Schädlinge in Schach – sie erfüllen extrem wichtige Funktionen“, sagt Jarzyna. „Wenn sie verschwinden, verschwinden auch diese Leistungen. Für das Funktionieren von Ökosystemen ist es daher entscheidend, dass wir unsere Vogelwelt erhalten.“

Doch der Lebensraumverlust ist massiv.

„Praktisch alle Lebensraumtypen sind betroffen“, sagt Jarzyna. „Arten, die in Grasländern, Wüsten, Feuchtgebieten und ähnlichen Lebensräumen brüten, gehen zurück – mit Ausnahme der Wälder und Waldvögel. Wir müssen uns deshalb fragen: Wie schützen wir diese Vogelgruppen besser?“

Cutter • Denis Loctier

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