Zum Auftakt seines Besuchs in Kamerun hat Papst Leo XIV. am Mittwoch ein deutliches Signal für integre Staatsführung gesetzt und die Verantwortlichen aufgefordert, die verbreitete Korruption entschlossen anzugehen. Im Präsidentenpalast von Yaoundé sagte er zu dem dreiundneunzigjährigen Staatschef Paul Biya, die öffentliche Gewalt müsse ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, indem sie „die Ketten der Korruption“ sprenge.
Die Worte markieren den Beginn eines dreitägigen Pastoralbesuchs, der ersten Papstreise nach Kamerun seit 2009. Sie folgen auf die umstrittene Wiederwahl Paul Biyas im November 2025, durch die er seine mehr als vierzigjährige Amtszeit verlängert hat – vor dem Hintergrund von Regierungsproblemen und einem seit 2017 andauernden Separatkonflikt in den englischsprachigen Regionen.
Später am Mittwoch besuchte Leo XIV. auch das Waisenhaus Saint Thérèse in Yaoundé und traf dort Kinder sowie Betreuerinnen und Betreuer. Der Besuch löste emotionale Reaktionen aus; viele Anwohnerinnen und Anwohner versammelten sich vor dem Heim, um den Papst zu sehen – ein Zeichen für den anhaltenden Einfluss der Kirche.
Am Donnerstag will Leo XIV. an einem Friedenstreffen in Bamenda teilnehmen. Nach Angaben der International Crisis Group haben die dortigen Gewalttaten bereits mehr als sechstausend Menschen das Leben gekostet. Vor seiner Ankunft wurde eine dreitägige Feuerpause angekündigt. Am Freitag feiert er anschließend eine Messe in Douala, zu der bis zu sechshunderttausend Gläubige erwartet werden – in einem Land, in dem Katholikinnen und Katholiken rund neunundzwanzig Prozent der Bevölkerung stellen.