Russland hat Kyjiw in der Nacht erneut massiv angegriffen. Nach Angaben der Behörden starben mindestens vier Menschen, mehr als 20 weitere wurden verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Moskau habe dabei auch die ballistische Rakete „Oreschnik“ eingesetzt - und forderte mehr Unterstützung.
Bei den jüngsten Angriffen setzte Russland laut Präsident Wolodymyr Selenskyj die ballistische Rakete „Oreschnik“ gegen die Ukraine ein. Demnach wurde sie auf die rund 80 Kilometer südwestlich von Kyjiw liegende Stadt Bila Tserkva abgefeuert.
Auf seinem Telegram-Kanal forderte Selenskyj Konsequenzen und appelierte an westlichen Partnerstaaten: „Es braucht Entscheidungen der Vereinigten Staaten, Europas und anderer Partner, damit dieser alte ‚Oreschnik‘ in Moskau endlich das Wort ‚Frieden‘ ausspricht.“
Bereits mehrere Stunden zuvor meldete der ukrainische Präsident, dass Russland Geheimdienstinformationen zufolge einen Angriff mit der Rakete „Oreschnik“ vor. Die hyperschnelle Rakete mit Mehrfachsprengkopf wurde im November 2024 erstmals gegen die ukrainische Stadt Dnipro eingesetzt. Ein zweiter Einsatz folgte im Januar in der westlichen Region Lwiw.
Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, die „Oreschnik“ – auf Russisch „Haselbaum“ – erreiche das Zehnfache der Schallgeschwindigkeit und könne unterirdische Bunker in drei, vier oder mehr Ebenen Tiefe zerstören.
Die Waffe fliege „wie ein Meteorit“ und sei gegen jede Raketenabwehr immun, so Putin. Einige dieser Raketen könnten selbst mit konventionellen Sprengköpfen die Wirkung eines Atomschlags erreichen, fügte er hinzu.
Angriffe auf Kyjiw
Auch Kyjiw wurde im Rahmen der nächtlichen Angriffswelle Russlands getroffen. Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen dabei mindestens vier Menschen ums Leben, mehr als 20 weitere wurden verletzt.
Die heftigen Einschläge ließen Gebäude im gesamten Stadtzentrum erzittern, auch in der Nähe von Regierungsbüros, Wohnhäusern und Schulen.
„In der Region Kyjiw erleben wir in dieser Nacht erneut einen massiven feindlichen Angriff mit Schlagdrohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen“, erklärte Mykola Kalashnyk, Leiter der regionalen Gebietsverwaltung.
Der Angriff ging auch nach Sonnenaufgang weiter. Weitere Raketen und Drohnen wurden auf Kyjiw abgefeuert. In mindestens neun Bezirken der Hauptstadt wurden Schäden registriert, darunter an Wohngebäuden, teilte der Leiter der Kyjiwer Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, auf Telegram mit.
Im Schewtschenko-Stadtbezirk wurde ein Schulgebäude beschädigt, als Menschen darin Schutz suchten, wie Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete. Die lokalen Behörden meldeten zudem Schäden an Supermärkten und Lagerhallen in der gesamten Stadt.
Russland hatte am Samstag bereits gewarnt, die Ukraine werde „unvermeidliche und schwere Strafe“ für einen mutmaßlichen ukrainischen Angriff auf ein Studentenwohnheim im von Russland besetzten Starobilsk im Osten der Ukraine erleiden. Moskau sprach von 18 Todesopfern.
Kyjiw wies den Vorwurf zurück, Zivilisten ins Visier genommen zu haben, und erklärte, man habe eine russische Drohneneinheit des Typs Rubikon getroffen, die im Raum Starobilsk stationiert gewesen sei.
Seit Beginn der groß angelegten Invasion im Jahr 2022 feuert Moskau nahezu täglich massenhaft Raketen und Drohnen auf die Ukraine. Immer wieder trifft die russische Armee zivile Infrastruktur und tötet Zivilpersonen.
Von den USA angeführte Bemühungen, den seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg zu beenden, sind in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. In Washington richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den Konflikt im Nahen Osten.