Airbus erprobt Radar, Lidar, Kameras und KI, damit Flugzeuge Hindernisse besser erkennen und Piloten die Lage klarer erfassen. Euronews Next hat mit dem Leiter des Optimate-Demoprojekts gesprochen.
Die Nachfrage nach Flugreisen steigt. Der französische Flugzeugbauer Airbus testet deshalb neue Technologien, die verändern könnten, wie sich Flugzeuge durch immer vollere Lufträume und Flughäfen bewegen.
Nach Unternehmensangaben könnte sich die Zahl der Flugzeuge am Himmel in den kommenden zwei Jahrzehnten verdoppeln. Die Flughafeninfrastruktur wächst aber längst nicht im gleichen Tempo.
Flugzeuge müssen dann in deutlich dichteren und komplexeren Umgebungen operieren – von stark genutzten Rollwegen bis hin zu unberechenbareren Wetterlagen infolge des Klimawandels.
„Wir müssen anders denken und die vorhandene Technik gezielter einsetzen, um diese Komplexität zu bewältigen“, sagte Jonathan Rigaud, Leiter des Demonstratorprojekts Optimate von Airbus, gegenüber Euronews Next auf der Tech-Messe VivaTech in Paris.
Optimate dient laut Airbus als Testplattform für intelligente Automatisierung. Zum Einsatz kommen unter anderem Künstliche Intelligenz, Quantensensorik und Datenfusion.
Rigaud zufolge verfolgt das Projekt drei Hauptziele: die Flugroute schützen, Abläufe optimieren und Pilotinnen und Piloten bei schlechter Sicht wie Starkregen oder Nebel unterstützen.
Flüge sollen sicherer und berechenbarer werden
Airbus testet außerdem Radar, LiDAR, Kameras, Computer Vision und Künstliche Intelligenz (KI), damit Flugzeuge Hindernisse und Risiken in ihrer Umgebung besser erkennen.
KI könne einschätzen, ob ein Objekt vertraut und unkritisch sei oder ob die Maschine es meiden müsse, erläutert Rigaud.
Das Optimate-Projekt befasst sich auch mit dem sogenannten Taxiing, also der Zeit, in der Flugzeuge vor dem Start oder nach der Landung über das Flughafengelände rollen.
Im Schnitt verbringen Maschinen heute mehr als 20 Minuten damit, zu rollen statt zu fliegen, sagt Rigaud. Bodenbewegungen gelten deshalb als wichtiger Hebel für Verbesserungen.
Airbus erprobt daher Systeme, mit denen Flugzeuge, Airlines und die Flugsicherung Daten effizienter austauschen, bessere Rollrouten wählen und unnötigen Kraftstoffverbrauch vermeiden können.
Dazu gehört etwa, Triebwerke je nach Verkehrslage später zu starten, um Treibstoff zu sparen und Emissionen zu senken.
„Das Ziel ist, den Betrieb so weit wie möglich zu optimieren“, sagt Rigaud.
Einige Technologien hat Airbus zunächst mit einem lastwagenähnlichen Demonstrator erprobt, den das Unternehmen als „Flugzeug auf Rädern“ bezeichnet. So lassen sich neue Funktionen testen, bevor entschieden wird, was in aktuelle oder künftige Flugzeuge einfließen könnte.
Nach seinen Angaben hat Airbus bereits mehr als 400 Teststunden auf komplexen Flughäfen wie Paris-Charles-de-Gaulle absolviert. Dort gibt es über 115 Kilometer an Rollwegen.
„In den vergangenen zwei Jahren haben wir diese Systeme erprobt. Jetzt bekommen wir ein erstes Bild davon, was wir in unsere heutigen und zukünftigen Flugzeuge einbauen sollten“, so Rigaud.
Navigation: Flugzeuge sollen nicht mehr nur auf GPS angewiesen sein
Ein weiterer Schwerpunkt sind Navigationssysteme, die sich nicht auf nur ein System wie GPS stützen.
Jüngste geopolitische Spannungen haben Risiken wie das Stören oder Vortäuschen von GPS-Signalen stärker in den Fokus gerückt. Die Nachfrage nach Backup-Navigation wächst.
Rigaud betont, dass Flugzeuge schon heute nicht allein mit GPS navigieren, sondern zusätzlich Trägheitssysteme nutzen. Airbus testet darüber hinaus Quantensensorik, visuelle Navigation am Boden und Sensorfusion.
Bei der Quantensensorik kommen Effekte der Quantenphysik zum Einsatz, um Bewegung oder Beschleunigung extrem präzise zu messen. Flugzeuge könnten so auch ohne permanente Satellitensignale navigieren. Sensorfusion führt Daten aus mehreren Quellen zusammen und liefert dadurch ein stabileres Lagebild.
„Mit unseren Rechenkapazitäten haben wir verschiedene Ansätze getestet, damit wir nicht an ein einziges System gebunden sind und trotzdem robust bleiben“, erklärt er.
Rigaud stellt klar, dass weiterhin die Pilotinnen und Piloten entscheiden. Automatisierung soll sie nur unterstützen, indem sie bessere Informationen liefert.
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