Die fünf größten US-Sender haben am Montag ihre gemeinsame "Pool"-Berichterstattung aus dem Weißen Haus vorerst eingestellt. Zuvor war CNN von seinen Aufgaben im Pool ausgeschlossen worden.
US-Fernsehsender haben am Montag mit einem ungewöhnlichen Protest auf das Vorgehen des Weißen Hauses gegen CNN, MS NOW und Politico reagiert: Sie stellten ihre Berichterstattung über Präsident Donald Trump praktisch komplett ein.
Am Samstag hatte das Weiße Haus Journalistinnen und Journalisten der drei Medien den Zugang zum Gelände verweigert und ihnen die Presseausweise abgenommen. CNN wurde außerdem von seinen Aufgaben im gemeinsamen TV-Pool der fünf großen Sender ausgeschlossen. Der Sender sollte eigentlich Trumps Reise nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen begleiten.
Der TV-Pool teilte seinen Mitgliedern per E-Mail mit, dass es keinen Ersatz für die geplante Berichterstattung geben werde. Auch die anderen Sender setzten ihre eigenen Einsätze für den Pool auf unbestimmte Zeit aus.
"Ab sofort wird der TV-Pool keine als Pool-Termine des Präsidenten ausgewiesenen Veranstaltungen mehr abdecken", schrieb Bryan Boughton, Leiter des Washington-Büros von Fox und derzeitiger Vorsitzender des Pools.
Grund sei die Haltung des Weißen Hauses, durch die CNN daran gehindert werde, seine zugewiesenen Aufgaben im Pool wahrzunehmen.
"Die Öffentlichkeit hat ein grundlegendes Interesse daran, verlässliche und unabhängige Informationen über ihre Regierung zu erhalten. Keine Regierung sollte ein Medienunternehmen einschränken, nur weil ihr dessen Berichterstattung nicht gefällt", erklärten ABC, CBS, CNN, Fox und NBC in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Auch andere Medien stellten sich hinter die Sender. Mehrere Redaktionen, darunter AP, AFP, die Washington Post und die New York Times, entschieden sich am Montag, keine Fotos von Terminen des Präsidenten zu veröffentlichen.
Der Streit hatte zur Folge, dass weder die Eröffnung des neuen, von Trump besonders geschätzten Hubschrauberlandeplatzes am Weißen Haus noch seine Reise zur UN-Generalversammlung live im Fernsehen übertragen wurden.
Die Zeremonie zum Durchschneiden des Bandes am großen Hubschrauberlandeplatz aus Granit auf dem Südrasen wurde ausschließlich über die Website des Weißen Hauses gestreamt. Trumps Worte waren dabei wegen der fehlenden Pool-Mikrofone nicht zu hören.
Am Montagabend startete das Weiße Haus einen eigenen Streaming-Kanal mit dem Namen "Trump TV". Nach Angaben des Präsidialamts sollen dort "Top-Videos, wichtige Reden und sehenswerte Höhepunkte" rund um die Uhr im Livestream laufen und in Echtzeit aktualisiert werden.
Zum Start zeigte der Kanal Archivmaterial von Trump bei einer Rede am 3. Juli am Mount Rushmore. Vizepräsident JD Vance warf den Medien vor, "faktisch linksradikale Propaganda" zu verbreiten.
"Sie können weiterhin berichten. Sie haben weiterhin Zugang zur freien Meinungsäußerung. Sie bekommen nur kein Büro mehr im Weißen Haus", sagte er vor Journalistinnen und Journalisten.
Die betroffenen Medien kündigten am Montag an, die Trump-Regierung zu verklagen. "Dieses Verbot ist eine unmittelbare Attacke auf den First Amendment und ein eklatanter Verstoß gegen unsere grundlegenden verfassungsrechtlichen Prinzipien", erklärten die Organisationen in ihrer Klageschrift.